Allmählich sehe ich das Problem der Zeitung nicht nur darin, dass ich im Internet die Quellenwahl habe – warum sollte ich mir von der WAZ erklären lassen wie die Wirtschaft geht wenn das die Financial Times Deutschland viel besser kann? Warum sollte ich bei der RP das Feuilleton lesen wenn der Perlentaucher mir einen besseren generellen Überblick gibt? Genau, warum sollte ich auch…
Sehen wir mal vom zweiten Problem ab – dass der Qualitätsjournalismus Qualitäten hat, die manchmal recht seltsam anmuten ist ja auch etwas, was man durchaus beim Vergleichen feststellen kann – so ist das dritte Problem einfach das der Schnelligkeit. Zumindest wenn es um kulturelle Ereignisse in Duisburg und im Besonderen um die WAZ geht.
Geschwindigkeit der Presse
Ich gehe da durchaus mit dem Herrn Unkreativ konform: Es gibt Dinge von denen ich keine Ahnung habe – und eigentlich gehört dazu auch Pressearbeit auf Seiten der Presse. (Gut, ich weiß wie man eine Meldung schreiben sollte, ein bißchen Handwerkszeug habe ich auch, aber Journalist? Tja, hätte ich mal damals ein Jahr gewartet und stattdessen Onlineredakteur… Nun denn.) Deswegen vermeide ich die Bezeichnung Journalist für das, was ich mache und verwende lieber Blogger oder Texter. Aber Stefan äußert einen Gedanken, der treffend ist:
Was ich mir aber selbst auf die Fahne schreiben würde ist Geschwindigkeit: Ich denke, Fotos von Veranstaltungen, Videos, Texte, all das müßte im Grunde so schnell wie möglich online sein. Nicht perfekt, aber schnell.
Deswegen sind Pressekonferenzen ja in der Regel auch sehr früh am Tag und auch sehr frühzeitig, damit die Presse halt eigentlich recht schnell reagieren kann. In den letzten Tagen aber fällt die WAZ mit einer extremen Langsamkeit auf, was Kultur hier in Duisburg betrifft. Es mag hingehen, dass eine Veranstaltung die Samstag stattfindet eventuell mal ein, zwei Tage Verspätung hat – die Dortmunder Kollegen der WAZ aber hatten das Video zum Day of Song noch fast am selben Tag online. Wenn die es schaffen ein Video in so kurzer Zeit zu schneiden und zu bearbeiten, was zumindest beim Duisburger Teil nicht so ganz perfekt ist – warum schafft es die Duisburger Redaktion nicht einen Text zeitgleich online in ihr CMS zu stellen? Anstatt dann bis heute, Dienstag, zu warten? Vor allem weil ja die Berichterstattungen über die Veltins-Arena offenbar dann doch recht rasch online waren? Und die Mantelredaktion immerhin einen Text am Sonntag einstellte?
Stehsatz im System?
JeKi ist mit Sicherheit das Wichtigste Musikalischste Programm Was Wir Zur Zeit Haben. Vor allem dehnt sich das ja ab nächstem Jahr aufs ganze Ruhrgebiet aus und natürlich gibt es auch eine Menge Kritik. Deswegen war ja auch die Frage berechtigt, die sich bei der Pressekonferenz zum JeKi-Film am 02.06. stellte – ob der Film denn halt nur aus einem Blickwinkel erzählen würde? Eine Frage, die journalistisch natürlich spannend ist, ebenso natürlich wie die anderen Äußerungen von den Beteiligten. Ganze vier Tage später – oh, der Text wurde offenbar am 06.06. ins System eingestellt, na sowas – also vier Tage später, nicht am Donnerstag danach oder am Freitag drauf oder am Samstag – gibts dann den Bericht von der WAZ.
Also online gibts denn wohl schon am 06.06., dann war der wohl Montag in der Printausgabe. Also heute. Die äußerst spannende Frage – Blickwinkel, ist der Film nun nur Werbung für Jeki oder nicht – kommt gar nicht im Artikel vor. Dafür wird der Grunschullehrer mit der Antwort zitiert, die ich dann nicht brachte – einfach weil ich das Wort, das so in der PK fiel nicht verwenden wollte, die WAZ hats auch etwas umschreiben, hüstel. Was natürlich interessant wäre um das Statement jetzt zu verstehen ist, dass die Schule halt dauernd von Filmteams angesprochen wird weil sie in einem sozial interessanten Stadtteil liegt. Gut, habe ich auch nicht erzählt.
Statements – ja, aber…
Es fehlt eigentlich auch, dass man versucht hat das Besondere von JeKi zu behalten – aber gut, für Duisburg ist die Premiere am Donnerstag, was interessierts dass der Film in mehreren Städten diese Woche Premierenveranstaltungen hat. Kurzum: Es fehlt irgendwie finde ich – und hier darf ich ruhig auf meine Subjektivität hinweisen, denn ich war ja vor Ort – die eigentliche Essenz des Projektes. Sehen wir mal davon ab, dass Formulierungen wie “… startete das Projekt etwa vor sechs Jahren…” ja mal so gar nicht gehen. Man könnte schon mal nachschauen wann JeKi in Bochum startete.
Ebenso muss ich stutzen, wenn ich lese, dass Lothar Mattler vom WDR dagewesen sei:
„JEKI ist eine der ambitioniertesten und umfangreichsten Initiativen zur musikalischen Erziehung und Sensibilisierung von Kindern in NRW“, finden die beiden Verantwortlichen WDR-Redakteure des Films, Lothar Mattner und Jutta Krug.
- soweit ich mich erinnere saß der Produzent des Films neben der einen WDR-Redakteurin, die aus Köln angereist war. Von einem zweiten WDR-Redakteur habe ich nichts mitbekommen. Kein Wunder – der gesamte Passus bis zum Absatz ist von der Pressemitteilung des WDR übernommen. Das ist ja nichts unredliches – unredlich ist nur, dass es so aussieht als wären genau diese Worte bei der PK an sich gefallen… Fällt aber natürlich keinem auf wenn man nicht die Pressemeldung kennt. Oder vor Ort war. Leider finde ich die Online-Ausgabe der PM des WDRs jetzt nicht, aber ich hab sie hier gedruckt vorliegen…
No-Go
Mir mag ja das Verständnis für richtige Pressearbeit total abgehen, aber es gibt Dinge, die gehen einfach nicht. Erstens setze ich mal voraus dass auch Journalisten Fakten nachprüfen können sollten – das lernt man doch bei denen, oder? – und nicht im ungefähren “Etwa” schwimmen. Auf der Webseite von JEKI reicht ein Klick um diese Info abrufen zu können: Schuljahr 2007/2008 (Start des Programms) Wenn solche Kleinigkeiten schon nicht nachgeprüft werden, wie sieht das dann mit den anderen Daten und Fakten aus frage ich mich.
Zweitens: Natürlich kann ich Pressemeldungen verarbeiten oder mich darauf beziehen – dann sollte ich aber auch ehrlich genug sein zu sagen, dass ich da mich momentan auf eine Pressemeldung beziehe. Den Anschein zu erwecken, die Dinge aus der Pressemeldung seien in der Pressekonferenz genau – so – gesagt – worden ist meines Erachtens ein Unding. Deswegen watsche ich das auch hier mal deutlichst ab. Natürlich schreibe ich auch manchen Mist, klar. Aber ich verkaufe in der Regel meine Leser nicht für dumm.
Wenn das da oben, liebe WAZ Duisburg, Qualitätsjournalismus sein soll bin ich echt froh Blogger und Texter zu sein.
Das Photo stammt aus dem Flickr-Account von Zigazou76 und steht unter dieser CC-Lizenz.