Schlagwort-Archive: Duisburg

Marketinggesellschaft wird umstrukturiert?

Sinngemäß steht in einem lokalem Presseerzeugnis – wäre das eigentlich auch eine Art und Weise den Leistungsschutz zu umgehen? – dass geplant ist bei etlichen der städtischen Gesellschaften in Duisburg den Umbau oder den Abbau vorzunehmen. Endlich hat der Rat nämlich mal die Karten auf den Tisch gelegt und das Theater um die Oper wäre – würden die Vorschläge angenommen, was nicht sicher ist also keine Entwarnung derzeit noch – damit wohl vom Tisch. Nur die Ballettsparte möchte man ganz einsparen und ansonsten wären 1,5 Millionen noch angedacht. Beim Sparen.

Sicherlich ist es keine Taktik gewesen erstmal mit dem Ernstfall der Zerschlagung zu drohen, diesen jetzt zurückzunehmen um dann “nur” Kürzungen vornehmen zu können, so paranoid kann ja keiner sein um das zu denken… Ach, es ist Politik, NATUERLICH war das alles Taktik und wir alle fielen drauf rein, aber zu dem Zeitpunkt wusste man die Alternative noch nicht. (Übrigens vermisse ich da Vorschläge, wie man die freie Kultur stärken könnte, aber das nur so am Rande.)

Jedenfalls: Beim Umbau oder Abbau ist auch die Marketinggesellschaft im Gespräch. Zuvor wurde ja schon gemunkelt, dass man ja eigentlich zwei Marketing-Gesellschaften habe – einmal die DMG, dann nochmal eine Abteilung im Rathaus, völlig überflüssig eigentlich, da könnte man ja… ABER NEIN, donnerte am 10.05 in einem Presseerzeugnis Karl Janssen, natürlich würde man die DMG nicht zerschlagen, kommt gar nicht in Frage.

Nein. Natürlich nicht. Es taucht jetzt nur so in einem Satz wieder in einem Presseerzeugnisartikel auf und natürlich heißt das ja nicht, dass die DMG zerschlagen wird oder aufgeteilt oder so…

 


Kreudertexte – Homepage ist online

Na, das wurde aber auch mal Zeit dass Dietmar Kreuder eine ordentliche Homepage bekommt. Damit könnte dieser Eintrag dann auch schon zu Ende sein – jedoch gibts da noch etwas, was ich mal zitieren möchte weil der persönliche Blindtext von ihm einfach poetisch schön ist:

Ach wie schön es wäre.

Erst war ich klein. Ein Anschlag nur. Dann wuchs ich Wort für Wort. Und schließlich über mich hinaus. Wollte Zeile für Zeile den Leser fesseln. Ganze Kapitel lang seine Augen auf mir ruhen fühlen. Ihn verzaubern mit Schönworten und Klangschriften. Ihn verharren lassen, dort wo Interpunktion ihn zwingt, ganz kurz nur zu verweilen. Und mir dann erneut zu folgen. Bis zum Seitenende will ich dies genießen. Denn dann bin ich entlarvt. Als Blindtext. Schön anzusehen, doch ohne Inhalt. Aber voll mit Träumen von seitenweiser Tragweite.


Ist die Bloggerszene Duisburgs tot?

Image representing Blogger as depicted in Crun...

Image via CrunchBase

Schaue ich in meinen RSS-Reader stelle ich fest: Etliche der RSS-Feeds, die Duisburger Blogs einmal ausgespuckt haben existieren nicht mehr. Von den 20, 30 Blogs, die es mal gab und die aktiv waren, sind in meiner rein subjektiven Liste nur noch an die 5 aktiv. Ebenso war das letzte Bloggertreffen in Duisburg nicht gerade ein Erfolg, sondern eher ein Redaktionssitzung von Xtranews. Das ist auch nett, aber irgendwie nicht der Sinn solcher Treffen. Die ehemals zentrale Anlaufstelle Duisblogs.de ist auch nicht mehr aktiv.

Woran liegt es, dass die mir bekannten Blogger – in der Zwischenzeit mögen einige Blogs dazugekommen sein, die ich nicht kenne – dichtgemacht haben? Oder, wie das bei der Rainer-Grün-Fraktion der Fall ist, sich doch deutlich leiser verhalten als noch vor Jahren? Liegts an der fehlenden Regelmäßigkeit der Treffen? Die hats aber früher auch immer gegeben, die Bloggertreffen wurden immer nur dann einberufen wenn es von den Bloggern gewünscht wurde oder ich mal wieder fand, dass es Zeit war. Könnte es sein, dass man mit Xtranews-Leuten nichts zu tun haben möchte? Wobei: wir hatten bei den Bloggertreffen durchaus Leute dabei, deren politische Ansichten sehr diskussionswürdig sind. Schließlich war der Macher der Bandbreite ja auch zweimal bei uns zu Gast und das Treffen hat ihn überlebt. ;-) Twittern und facebooken die jetzt alle? Glaube ich nicht, nicht die komplette Duisblog-Liste, einige ja, aber selbst dann würde es nicht erklären, warum die letzten Bloggertreffen schlecht besucht waren.

Ich hoffe, wir kriegen wenigstens noch das runde Jubiläum hin: Das 20. Bloggertreffen könnte dann aber auch, zumindest wie es sich jetzt darstellt, dann auch das letzte sein, dass ich ins Leben rufe. Wenn kein Interesse da ist, dann sollte man auch nichts mehr anbieten. Es wäre zwar schade, aber man steigt von toten Pferden ja auch ab…

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Frischekontor Duisburg, Facebook, ein Wettbewerb und ein Geschmäckle

Facebook-Gewinnspiele erfreuen sich bei Firmen und Agenturen großer Beliebtheit. Hofft man doch auf den sogenannten Klebeeffekt: Wer einmal Fan der Seite wird um etwas zu gewinnen, bleibt eventuell auch dauernd dabei. Doch wie es sich jetzt zeigt können Facebook-Gewinnspiele auch ihre Probleme mit sich bringen. Diana Winkert kann ein Lied davon singen.

Jeden Freitag besucht Diana Winkert den Neudorfer Markt um dort einzukaufen. Sie schätzt es, Produkte aus der Region kaufen zu können und unterstützt die Bauern, damit sie auch in 20 Jahren noch Frische und Vielfalt für die Küche bekommt. Als Diana im Internet auf die Facebook-Fanseite der Duisburger Wochenmärkte stößt, ist sie natürlich sofort Fan. Zudem: Es gibt einen Rezeptewettbewerb, bei dem man ein iPad gewinnen kann. Ganz klar: Da macht sie mit. “Ich fotografierte den frisch aus dem Ofen geholten Auflauf, schrieb kurz darunter was ich wie womit
gemacht habe und stellte das Rezept ein.” So weit, so gut und die nächsten Tage beobachtete Diana aufmerksam die Wettbewerbsseite. Ihr Gemüseauflauf war bald auf Platz 2. Allerdings – irgendwas kam ihr merkwürdig vor…

“Das neu eingestellte Rezept des Gyrosauflaufs überholte meinen Gemüseauflauf innerhalb von wenigen Stunden. Ich traute meinen Augen nicht wie schnell das ging. Okay, dachte ich, da hat wohl jemand eine Menge Freunde und ich muß noch ein wenig Werbung machen. Was ich dann auch tat. Stutzig wurde ich als binnen weniger Minuten mein Rezept immer wieder haushoch überboten wurde.” Sobald das Rezept von Frau Winkert an Punkten gewann, stieg also auch fast sofort der Punktestand des ersten Platzes. Wie kann man sich das erklären?

Den Rest des Artikels gibts bei Xtranews. :-)


Rocky Horror Show in Duisburg – Aufwärm-Veranstaltung

So ganz habe ich das Konzept nicht verstanden: Man macht sozusagen drei Warm-Up-Shows als Generalprobe, nimmt dafür dann aber Eintritt – wenngleich auch weniger als normal? Preview – okay – Sneak-Preview – auch in Ordnung, kennt man aus dem Kino – Warm-Up-Shows bei Musicals? Was kommt als nächstes?

Wie dem auch sei, The Rocky Horror Show also zu Gast im TAM. Perfekter Ort dafür, denn das Ganze ist ja für “Les Miserables” – oh, der Musical-Boom der frühen Jahre, ja, ja – gebaut worden. Zwischenzeitlich war mein Orchester darin beheimatet, momentan dient das Ganze als Veranstaltungshalle für Diverses. Zukunft: Ungewiß. (Eine Studie aus Gelsenkirchen – den Auftraggeber habe ich leider nicht ermitteln können, den braucht man eigentlich um beurteilen zu können ob die wirklich valide ist – soll ja positive Effekte des TAMs für Duisburg ausgemacht haben. Online habe ich die nicht gefunden. Schade.) Von daher: Optimale Bedingungen für Darsteller und Musiker. Und ja, die waren echt großartig. Überhaupt die Inszenierung an sich war toll.

Es ist natürlich schwer den Reiz des Musicals zu beschreiben und zu erklären, warum Erwachsene sich benehmen als wäre Kindergeburtstag. Es gibt bestimmte Traditionen bei dem Stück – Konfetti oder Reis werfen, Toilettenpapier, Plastikhandschuhe anziehen, Karten schmeißen – es wäre mal interessant zu erfahren woher diese Dinge eigentlich kommen, 1973 war das bestimmt noch nicht der Fall, das muss mit dem Film von 1975 eingesetzt haben so nach und nach. Usus ist es eigentlich auch den Film verkleidet zu besuchen – wir Deutschen sind da ja immer etwas zögerlich, ich habe nur zwei oder drei Besucher in kompletten Kostümen gesehen, immerhin auch einige nur mit Federboas und Glitzerhüten.

Sehr schöner Einfall zu Beginn jedenfalls: Trailer zu B-Schinken wie “Tarantula” zu zeigen. “The Unearthly” – da spielt dieser grobschlächtige Mensch aus “Plan 9″ mit! Yay! – oder “Village of the Damned”. Was ja Sinn hat, da der Prolog-Song sich ja genau auf diese B-Movies bezieht. Und Rocky Horror ja selbst eine Mischung aus all den bekannten Elementen ist: Verrückter Wissenschaftler baut Kreatur, Aliens aus dem All haben nach acht Plänen die Nase … ups, anderes Stück. Immerhin ist The Rocky Horror Show von der Handlung her etwas logischer als “Plan 9″ – aber jeder Film ist logischer als der. Echt. :-) Überhaupt macht die Inszenierung viel Spaß – da geht Frank N. Furter elgant wie Fay Wray gekleidet eine Treppe hinunter, im Hintergrund New York und der Stuhl war wie eine riesige Gorilla-Hand geformt. (“King Kong”? Klar.) Die Transsylvanier sind nicht so schrill wie im Film, sie erinnern eher an Gothics, Großartige Show-Nummer übrigens mit Federfächern im zweiten Teil bei “Don’t Dream It”. Sänger machten Spaß, einige Stellen hätten vielleicht etwas bissiger sein können – aber okay.

Ein bißchen kurz ist der Beginn. Kaum hat man das Konfetti oder den Reis rausgekramt, kann man den schon wieder einpacken. Der ganze Dialog vor dem Song im Film ist komplett raus. Schade. Allerdings gibts einige Textstellen, die man nicht unbedingt kennt wenn man nur den Film zur Hand hat. Gabs auch was Negatives?

Ja.

Sky DuMont.

Als Erzähler.

Eigentlich eine ziemlich coole Geschichte, den “Santa Maria” mal live zu sehen. Allerdings: Irgendwie war der nicht mit dem Herzen dabei. Der kann natürlich gut Texte ablesen – und hat auch schlagfertig die Zwischenrufe aus dem Publikum gekonntert – das kann ic nicht erklären, nehmts einfach mal hin dass es Zwischenrufe gibt ;-) . Allerdings – als prägende Figur oder Charakter wie im Film ist der nicht hängengeblieben. Vielleicht liegts darin, dass sämtlich Erzählertexte auf Deutsch gesprochen werden. Sämtliche. Also auch die Einwürfe, die bei den Songs vom Erzähler zu hören sind. Na gut, wer kein Englisch kann, kann der Handlung damit irgendwie schon so folgen – ich bezweifle allerdings, dass das möglich ist ohne sich vorher zu informieren – aber warum in aller Welt wird sowas wie “And then she cried out” übersetzt? Hat das Sinn? Eigentlich nicht. Und dann ist die Übersetzung auch noch so – also – humpf.

Pluspunkt aber: Der fette deutsche Akzent des Dr. Everett Scott. Boooh! :-) Insgesamt hats Spaß gemacht, kann ich nur empfehlen und wenn ihr Glück habt, erwischt ihr nicht Sky DuMont als Erzähler sondern den anderen – wie heißt er noch gleich… Ach, Google ist euer Freund.

Und bei der Pressekonferenz gabs einige erklärende Worte von der Produzentin:


ARGEs Selbstbewußtsein

Auf dass der Idealismus uns auf seinen Flügeln...
Image via Wikipedia

Dass jemand sich nicht über seinen Sachbearbeiter bei der ARGE beschwert heißt ja nun nicht, dass dieser gut ist – das schoss mir auf dem Nachhauseweg durch den Kopf. Schließlich weiß ich nur all zu gut dass man nach einer gewissen Zeit die ARGE gerne als Allmächtig empfindet und man dann auch dazu neigt sich nicht zu beschweren, weil die am längeren Hebel sitzen…

Nachdem ich also in der sensationellen Zeit von 7 Minuten ein Gespräch mit der Teamleiterin hatte, Magen-Darm hätte mein Arbeitsvermittler, man habe auch die ganzen Termine verlegen müssen – nur mich nicht. Weil: Ich hätte ja an sie geschrieben.

Stimmt. Und das nächste Mal achte ich auch darauf, dass diese Schreiben nicht zufällig unfrankiert in die Post reingerät, so dass die arme ARGE nicht Nachporto zahlen muss… Manchmal bin ich ja auch sooo ein Dummerchen, nicht wahr?

Vielleicht hat die Tatsache, dass ich einen Zeugen mitnahm auch ein wenig mit der Kürze des Gesprächs zu tun. Jedenfalls: Mit meinen Anliegen weitergekommen bin ich nicht so ganz aber ich habe gezeigt, dass ich durchaus imstande bin zurückzufauchen wenn man mich anfaucht. Grrr! ;-)

Demnächst neuer Termin mit meinem Sachbearbeiter. Die Saga geht weiter…

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Außenwahrnehmung

Eines muss ich mal klarstellen, weil das immer wieder für Verwirrungen sorgt: Ich arbeite für das Wohl der Stadt Duisburg, für die kulturellen Belange. Ich arbeite für Duisburg um die schönen Seiten zu präsentieren. Gleichzeitig sehe ich auch etliche Dinge natürlich sehr kritisch im privaten Bereich. (Wer jetzt allerdings eine Aufzählung erwartet: Hätte, hätte, Fahrradkette…)

Was aber offenbar sehr schwer für Menschen auseinanderzuhalten ist, dass ich nicht persönlich für den OB arbeite. Natürlich habe ich ihn weil ich für die Stadt Duisburg arbeite als obersten Dienstherren – genauso hatte ich den Minister für Arbeit und Wirtschaft als obersten Dienstherren als ich im Ministerium gearbeitet habe. Das heißt aber nicht, dass ich ihn täglich sehe, spreche, höre oder gar dass ich in seiner Nähe arbeite. Er ist aber nicht mein direkter Vorgesetzter, wäre das der Fall hätte ich im letzten Jahr nicht zugesagt für kulturelle Belange ein Jahr lang für die Stadt tätig zu sein. (Oh, ich habe lange überlegt, kein Zweifel, vor allem weil – aber das geht euch jetzt absolut nichts an.)

Was ich privat von “meinem” OB – den ich übrigens nicht gewählt habe – halte wissen diejenigen, die ich als Freunde bezeichnen kann und darf. Allerdings gilt natürlich auch das Dienstgeheimnis. Wie in jedem normal arbeitenden Betrieb auch gibt es da Dinge, die ich weiß, die ich aber nicht erzählen darf – aber hat dies nicht jeder Arbeitnehmer, diese Situation? Und wer würde es mir für Übel halten wenn ich mich etwas zurückhalte was private Ansichten zu gewissen Dingen in dieser Stadt sind? Ich denke keiner.

Und falls jemand da anderer Meinung sein sollte – die Kommentarspalte ist gerade geöffnet. Unterhalb des Beitrags.


Loveparade: Berichten – ja, aber wie?

Betteln um RTs im Vorhinein: Schlechter Stil der WAZ

Auf dem Weg zurück vom Tunnel stellte sich die Frage zwischen uns wie man momentan berichten sollte, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Medien momentan dort regelrecht kampieren. Natürlich wären Bilder von friedlich feiernden Menschen uns allen lieber gewesen. Die Katastrophe im Tunnel wirft allerdings die Frage auf: Wie angemessen berichtet man jetzt von solch einem Event? Geht das überhaupt?

Es ist ein Konflikt, der auch in mir schwelt. Einerseits muss natürlich auch der über die Ereignisse informiert werden, der nicht vor Ort war – wobei, muss? Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf Informationen zu bekommen klingts mir in den Ohren und ein Teil von mir stimmt da durchaus zu. Wenn es um Daten und Fakten geht, die zum Unglück geführt haben, dann ja. Wenn es um persönliche Bilder der Opfer oder von Leichen direkt vom Tatort geht, dann nicht.

Es ist wie immer im Leben eine Frage der Dosierung. Man kann natürlich objektiv und sachlich berichten – ein Beispiel dafür wäre der WDR, der mit seinen Sondersendungen einen sehr guten Job gemacht hat. Man kann die ganze Facetten des Dramas einfangen ohne einen Hauch von Boulevard. In diesem Falle, wenn es um die sachliche Vermittlung geht, die “objektive” Berichterstattung sollte das in Ordnung sein.

Leider sind nicht alle Photoreporter so wie mein Kollege Stephan, der bewußt die Bilder von Tod und Leichen nicht veröffentlicht hat. Weder in seinem Blog noch bei Xtranews. Leider ist der Voyerismus in uns Menschen manchmal so groß, dass wir einfach Bilder veröffentlichen, die generell keinen Wert für die Berichterstattung an sich haben. Die Würde des Menschen ist unantastbar auch im Tod. Dass gewisse Zeitungen das gerne übersehen spricht nicht für sie. Aber dennoch werden sie gelesen.

Ich verurteile momentan übrigens auch keinen an der Stadtspitze per se. Aber: Ein Oberbürgermeister ist jemand, der nicht nur die Stadt auf Empfängen repräsentiert sondern jemand, der auch verantwortungsvolle Aufgaben hat. Eine Verantwortung, die man nicht später übernehmen kann – eine unglückliche Formulierung übrigens, aber nicht die einzige in den letzten Tagen. Mag sein, dass die Verantwortlichen unter Schock standen, mag sein, dass einige hilflose Formulierungen am Sonntag in der PK der Verarbeitung geschuldet sind. Dennoch wäre es zumindest statthaft gewesen zu sagen, dass man als Stadt Duisburg Fehler gemacht hat, dass diese jetzt untersucht werden. Dass notfalls persönliche Konsequenzen gezogen werden. Dies ist unterblieben. Stattdessen ist momentan das muntere Zuschieben des Schwarzen Peters im Gange. Keiner wills gewesen sein…

Wie dem auch sei: Die nächsten Tage und Wochen erdrückt das Thema jedenfalls leider das, was bisher in Duisburg gut war. Vergessen sind die erfolgreichen Akzente. Vergessen ist INTERFACES. Vergessen ist TWINS. Wenn man von Duisburg in den überregionalen Medien hört, dann sind es Mafiosi, Bandidos und die Loveparade. Traurig, dass sich für die guten Nachrichten nur wenige Menschen interessieren, aber gute Nachrichten bringen keine Quote. Oder wie Brecht es formulierte: “Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht, da hat er eben leider recht.” Traurig.


Schnell ist aber auch anders, liebe WAZ Duisburg

Allmählich sehe ich das Problem der Zeitung nicht nur darin, dass ich im Internet die Quellenwahl habe – warum sollte ich mir von der WAZ erklären lassen wie die Wirtschaft geht wenn das die Financial Times Deutschland viel besser kann? Warum sollte ich bei der RP das Feuilleton lesen wenn der Perlentaucher mir einen besseren generellen Überblick gibt? Genau, warum sollte ich auch…

Sehen wir mal vom zweiten Problem ab – dass der Qualitätsjournalismus Qualitäten hat, die manchmal recht seltsam anmuten ist ja auch etwas, was man durchaus beim Vergleichen feststellen kann – so ist das dritte Problem einfach das der Schnelligkeit. Zumindest wenn es um kulturelle Ereignisse in Duisburg und im Besonderen um die WAZ geht.

Geschwindigkeit der Presse

Ich gehe da durchaus mit dem Herrn Unkreativ konform: Es gibt Dinge von denen ich keine Ahnung habe – und eigentlich gehört dazu auch Pressearbeit auf Seiten der Presse. (Gut, ich weiß wie man eine Meldung schreiben sollte, ein bißchen Handwerkszeug habe ich auch, aber Journalist? Tja, hätte ich mal damals ein Jahr gewartet und stattdessen Onlineredakteur… Nun denn.) Deswegen vermeide ich die Bezeichnung Journalist für das, was ich mache und verwende lieber Blogger oder Texter. Aber Stefan äußert einen Gedanken, der treffend ist:

Was ich mir aber selbst auf die Fahne schreiben würde ist Geschwindigkeit: Ich denke, Fotos von Veranstaltungen, Videos, Texte, all das müßte im Grunde so schnell wie möglich online sein. Nicht perfekt, aber schnell.

Deswegen sind Pressekonferenzen ja in der Regel auch sehr früh am Tag und auch sehr frühzeitig, damit die Presse halt eigentlich recht schnell reagieren kann. In den letzten Tagen aber fällt die WAZ mit einer extremen Langsamkeit auf, was Kultur hier in Duisburg betrifft. Es mag hingehen, dass eine Veranstaltung die Samstag stattfindet eventuell mal ein, zwei Tage Verspätung hat – die Dortmunder Kollegen der WAZ aber hatten das Video zum Day of Song noch fast am selben Tag online. Wenn die es schaffen ein Video in so kurzer Zeit zu schneiden und zu bearbeiten, was zumindest beim Duisburger Teil nicht so ganz perfekt ist – warum schafft es die Duisburger Redaktion nicht einen Text zeitgleich online in ihr CMS zu stellen? Anstatt dann bis heute, Dienstag, zu warten? Vor allem weil ja die Berichterstattungen über die Veltins-Arena offenbar dann doch recht rasch online waren? Und die Mantelredaktion immerhin einen Text am Sonntag einstellte?

Stehsatz im System?

JeKi ist mit Sicherheit das Wichtigste Musikalischste Programm Was Wir Zur Zeit Haben. Vor allem dehnt sich das ja ab nächstem Jahr aufs ganze Ruhrgebiet aus und natürlich gibt es auch eine Menge Kritik. Deswegen war ja auch die Frage berechtigt, die sich bei der Pressekonferenz zum JeKi-Film am 02.06. stellte – ob der Film denn halt nur aus einem Blickwinkel erzählen würde? Eine Frage, die journalistisch natürlich spannend ist, ebenso natürlich wie die anderen Äußerungen von den Beteiligten. Ganze vier Tage später – oh, der Text wurde offenbar am 06.06. ins System eingestellt, na sowas – also vier Tage später, nicht am Donnerstag danach oder am Freitag drauf oder am Samstag – gibts dann den Bericht von der WAZ.

Also online gibts denn wohl schon am 06.06., dann war der wohl Montag in der Printausgabe. Also heute. Die äußerst spannende Frage – Blickwinkel, ist der Film nun nur Werbung für Jeki oder nicht – kommt gar nicht im Artikel vor. Dafür wird der Grunschullehrer mit der Antwort zitiert, die ich dann nicht brachte – einfach weil ich das Wort, das so in der PK fiel nicht verwenden wollte, die WAZ hats auch etwas umschreiben, hüstel. Was natürlich interessant wäre um das Statement jetzt zu verstehen ist, dass die Schule halt dauernd von Filmteams angesprochen wird weil sie in einem sozial interessanten Stadtteil liegt. Gut, habe ich auch nicht erzählt.

Statements – ja, aber…

Es fehlt eigentlich auch, dass man versucht hat das Besondere von JeKi zu behalten – aber gut, für Duisburg ist die Premiere am Donnerstag, was interessierts dass der Film in mehreren Städten diese Woche Premierenveranstaltungen hat. Kurzum: Es fehlt irgendwie finde ich – und hier darf ich ruhig auf meine Subjektivität hinweisen, denn ich war ja vor Ort – die eigentliche Essenz des Projektes. Sehen wir mal davon ab, dass Formulierungen wie “… startete das Projekt etwa vor sechs Jahren…” ja mal so gar nicht gehen. Man könnte schon mal nachschauen wann JeKi in Bochum startete.

Ebenso muss ich stutzen, wenn ich lese, dass Lothar Mattler vom WDR dagewesen sei:

„JEKI ist eine der ambitioniertesten und umfangreichsten Initiativen zur musikalischen Erziehung und Sensibilisierung von Kindern in NRW“, finden die beiden Verantwortlichen WDR-Redakteure des Films, Lothar Mattner und Jutta Krug.

- soweit ich mich erinnere saß der Produzent des Films neben der einen WDR-Redakteurin, die aus Köln angereist war. Von einem zweiten WDR-Redakteur habe ich nichts mitbekommen. Kein Wunder – der gesamte Passus bis zum Absatz ist von der Pressemitteilung des WDR übernommen. Das ist ja nichts unredliches – unredlich ist nur, dass es so aussieht als wären genau diese Worte bei der PK an sich gefallen… Fällt aber natürlich keinem auf wenn man nicht die Pressemeldung kennt. Oder vor Ort war. Leider finde ich die Online-Ausgabe der PM des WDRs jetzt nicht, aber ich hab sie hier gedruckt vorliegen…

No-Go

Mir mag ja das Verständnis für richtige Pressearbeit total abgehen, aber es gibt Dinge, die gehen einfach nicht. Erstens setze ich mal voraus dass auch Journalisten Fakten nachprüfen können sollten – das lernt man doch bei denen, oder? – und nicht im ungefähren “Etwa” schwimmen. Auf der Webseite von JEKI reicht ein Klick um diese Info abrufen zu können: Schuljahr 2007/2008 (Start des Programms) Wenn solche Kleinigkeiten schon nicht nachgeprüft werden, wie sieht das dann mit den anderen Daten und Fakten aus frage ich mich.

Zweitens: Natürlich kann ich Pressemeldungen verarbeiten oder mich darauf beziehen – dann sollte ich aber auch ehrlich genug sein zu sagen, dass ich da mich momentan auf eine Pressemeldung beziehe. Den Anschein zu erwecken, die Dinge aus der Pressemeldung seien in der Pressekonferenz genau – so – gesagt – worden ist meines Erachtens ein Unding. Deswegen watsche ich das auch hier mal deutlichst ab. Natürlich schreibe ich auch manchen Mist, klar. Aber ich verkaufe in der Regel meine Leser nicht für dumm.

Wenn das da oben, liebe WAZ Duisburg, Qualitätsjournalismus sein soll bin ich echt froh Blogger und Texter zu sein.

Das Photo stammt aus dem Flickr-Account von Zigazou76 und steht unter dieser CC-Lizenz.


Barcamp Kirche 2.0 in Frankfurt: Ein Anfang mit Impulsen

Trust is the Key to Web 2.0
Image by kid.mercury via Flickr

Es war für mich schon früh klar, dass ein Barcamp – meiner Meinung nach die beste Un-Organisatonsform die ich kenne ;-) – zum Thema Kirche ein Pflichtbesuch für mich ist. Nicht nur, weil evangelisch.de die Organisation übernahm. Sondern auch, weil es im Bereich der Kirche momentan so aussieht wie im Bereich der Kultur bevor es das Dacapo-Blog gab. Es gibt einen Haufen von Leuten, die von Social Media begeistert sind und es privat oder dann doch für die Gemeinde nutzen – das sind aber nur Inseln in einem großen Ozean. In der Kultur bilden sich allmählich kleine Kontinente heraus und der Grund dafür ist einfach zu benennen: Das Geld wird knapper und man muss sich überlegen wie man mit diesem knapperem Budget umgeht.

Das sitzt auch der Kirche allgemein im Nacken. Und noch etwas haben beide Bereiche der Gesellschaft gemeinsam: Die Überalterung der Zielgruppe. Jugendliche für Kirchenarbeit zu begeistern, die dann nach der Konfirmation auch in der Kirche bleiben ist ungefähr so erfolgreich wie ein Gesicht von unter 30 in einem klassischem Konzert zu sehen. (Letzteres wandelt sich ja glücklicherweise allmählich, besonders in Duisburg. ;-) ) Deswegen ist die Sorge um den Nachwuchs etwas, was beide Welten verbindet. Hinzu kommt dann noch ein Element: Der Medienmix als solches wird von bei Einigen nur als Auswahl zwischen Plakat, Littfassäule, Handzettel oder Anzeige im Gemeindebrief verstanden.

Da ist dann das Bestücken der Homepage, die ja eigentlich eine viel breitere Reichweite hat, zweitrangig, weil das ja dann auch die 50jährige Gemeindesekretärin noch machen müsste, die mit diesem merkwürdigem Internet sonst nichts zu tun haben möchte. Damit möchte ich keinen abwerten, aber die Generationenkluft, die ab 2004 den Bürger zum Brechtschen Gegenkommunikator macht – als Blogs in Deutschland als Chance wahrgenommen wurden Inhalte selbst zu publizieren ohne Chefredakteure als Schnittstellen zu haben – ist durchaus spürbar. Insofern habe ich mich in einigen Diskussionen zwei Jahre zurückversetzt gefühlt. Also vor der Startconference 09. ;-)

Ehrlich gestanden habe ich aus dem Barcamp nun keine für mich großartigen neuen Erkenntnisse herausgezogen was Tools oder praktische Umsetzungen anbelangt – Blogger seit nachweislich 2001, Podcaster seit 2004 ;-) – aber das mag auch daran liegen, dass ich in diesem Jahr schon beim Barcamp Ruhr 3 anwesend war und sich einige Thematiken für mich wiederholten. So die Frage nach der Identität im Web und was man von sich preisgibt oder was man mit RSS-Feeds generell anstellen kann oder auch das Thema Fundraising, was bei Socialbar Ruhr schon mal Thema war – bis auf eine Session von der ich mir definitiv mehr erwartet hatte als nur Tipps wie “Schicken Sie die Pressemeldung nicht einen Tag vorher raus” oder “Nutzen Sie soziale Netzwerke” – also bis auf eine Session aber hatte ich keine dabei, die ich als überflüssig empfand.

Es war halt das erste Barcamp im kirchlichen Bereich überhaupt, da kann ich nicht sofort kritisch fundierte Sessions zum Thema “Gender im Web2.0” erwarten oder dass sich sofort hochwissenschaftliche Expertenthemen einfinden. Aber selbst wenn man das vermisst haben sollte, im nächsten Jahr kann man dann ja mal selbst eine Session anbieten, die dann halt spezifischer auf einzelne Probleme eingeht. Insofern habe ich halt eher die offenen Gesprächsrunden und Diskussionen genossen – und den Digitalen Hirten mal wiederzusehen und einen Teil der Redaktion war auch super. Personal Benefit. ;-) Zudem habe ich einige interessante Leute kennengelernt. Dazu sind Barcamps generell super. Und die Orga und der Ort an sich – toll. Ich meine, wann hat man denn bei einem Barcamp ein Turmzimmer zur Verfügung?

Ich habe zwar einige Sessions mitgeschnitten, die ich nicht online stellen werde weil ich keine schräg abgefilmten Folien selber angucken mag ;-) -  aber mich mit Video-Interviews zurückgehalten und keine gemacht. (Was man mangelnde Initiative nennen könnte, ja, ja, ja. Schon klar.) Doch ums nochmal klar zu sagen: Ich mache zwar auch gerne Videointerviews, aber das ist nicht meine eigentliche Domäne. Wenn Not am Mann ist: Klar, jederzeit. Aber ich sehe mich als Praktiker der Worte und nicht der Bilder. Glücklicherweise aber gibts genug Material vom Barcamp in der Hinsicht. Und in diesem Falle war die persönliche Vernetzung auch wichtiger. Finde ich. Zudem war ich ja privat vor Ort – und ich habe noch keinen Zoom H4 für qualitative Audioaufnahmen. Ihr könnte aber gerne spenden, danke. ;-) Video ist auch immer so zeitintensiv: Schneiden, Exportieren, Hochladen zu Youtube was so an die 3 Stunden dauern kann… Sollte man nicht unterschätzen.

Immer wieder stellte ich an diesen beiden Tagen fest wieviel Glück wir eigentlich in Duisburg haben – das neugierige Experimentieren findet hier ja stadtübergreifend statt und während ich das schreibe ist bestimmt wieder ein neues Projekt im Social Media Bereich hochgezogen worden. ;-) Andererseits sollte aber auch eines klar sein: Social Media muss nicht um jeden Preis in jede Gemeinde passen. Wer mit einer normalen Homepage – gegebenenfalls mit RSS-Feeds – zurande kommt und ab und an einen Emailverteiler benutzt und das 100% klappt braucht weder Twitter, noch Facebook noch Youtube. Deswegen sollte man ja auch generell immer vorher schauen welche Tools man unbedingt braucht und nicht alles bespielen was da geht.

Vor allem schälte sich beim Barcamp für mich heraus, dass wir, die wir momentan Social Media machen und aktiv sind in einem experimentellem Neuland leben. Allmählich ist die Technologie im Mainstream angekommen – die Computerbild erklärt alle Neuerungen von Youtube, wenn ich Twitter oder Facebook im Bekanntenkreis erwähne ernte ich zumindest keine “Was ist das denn?”-Blicke. Ich verwende ungern den Begriff Speerspitze, aber im kirchlichen Bereich ist momentan genau das der Fall. Wir sind was die Kirche anbelangt noch nicht so weit wie die Kultur ebensowenig wie im bibliothekarischen Bereich wo ich als “jung und wild” gelte nur weil ich Podcasting-Artikel schreibe… Aber das Barcamp in Frankfurt hat erstens gezeigt, dass man nicht allein auf weiter Flur ist mit seinen Problemen – was enorm wichtig ist, weil man sonst nämlich im Alltag desöfteren verzweifeln möchte weil einen ja keiner zu verstehen willens fähig zu sein scheint – zweitens aber auch, dass wir momentan nicht genau definieren können wohin die Reise geht. Das ist bei Social Media auch ungeheuer schwer. Ich weiß nicht ob Twitter ein weiteres Jahr überlebt oder ob die mit Werbung dann alle vergrault haben werden. Vor drei Jahren hätte ich wahrscheinlich auch noch ein Myspace-Profil angelegt für mich persönlich. (Allerdings habe ich um einige Angebote generell einen goßen Bogen gemacht und dass es Second Life immer noch gibt… Nun, jeder Jeck is anders. ;-) ) Das Internet ändert sich alle drei Monate.

Aber was wir generell sagen können ist, dass es einen gewaltigen Medienbruch gegeben hat. Dessen Folgen sind noch lange nicht absehbar, bei Weitem nicht – aber er ist da, man kann ihn nicht ignorieren. Und wenn die 50jährige Gemeindesekretärin dieses Internetzeugs nicht mag können wir wenigstens versuchen Schritt für Schritt und nach und nach zu erklären warum Social Media wichtig ist. Denn nur wenn man es ausprobiert kann man es einschätzen.

Ach, dass ich Gründungsmitglied im Verein “Offene Bibel e. V.” bin war eine rein spontane Entscheidung, die abends bei der Kellerbar-Party fiel. ;-) Und wer meint, dass wir uns nur über ernste Themen unterhalten haben – folgendes Lied lief zum Ende eine Playlist der Party… ;-)

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