
Schon der Titelvorspann macht klar, dass Alan Balls neue Serie zumindest eines mit den Romanen von Anne Rice zu tun hat – was in der ersten Szene der ersten Folge nun auch angesprochen wird: Das Gefühl des Landstriches in dem sowohl die Romane Rice’ als auch „Trueblood“ spielt. Es ist der Süden der USA, den man mit Cajun, Sümpfen, Krokodilen und Rednecks verbindet. Jenen Einwohnern also die man auch in Bon Temps wiederfindet, der Stadt in der die Serie spielt.
Sookie Stackhouse arbeitet in dem Restaurant „Merlotte’s“. Die Kellnerin hat die Gabe des Gedankenlesens, was unter ihren engeren Freunden kein Geheimnis ist. Wenngleich sie aus Höflichkeit versucht nicht die Gedanken ihrer Kollegen und ihres Bosses Sams zu lesen. Meistens „hört“ sie das, was andere Leute denken, ab und an sind es auch Bilder – bei Sam hört sie desöfteren nur Klänge anstatt einer richtigen Stimme von ihm.
Vor zwei Jahren traten die Vampire aus ihrem Schattendasein hervor als die Japaner mit „True Blood“ eine Alternative zum menschlichen Blut entwickelten – verkauft wird das übrigens in der Serie wie der traditionelle Six-Pack. Seitdem leben sie mehr oder weniger Seite an Seite mit den Menschen. Einige versuchen „mainstream“ zu werden und halt nicht jeden beliebigen Menschen zu töten oder zu einem der ihren zu machen. Einer dieser Vampire, der nach Bon Temps zurückkehrt ist William Thomas Compton. Sookie ist von ihm fasziniert – im Gegensatz zu allen anderen kann sie seine Gedanken nicht lesen. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung. Neben Sookie spielen noch ihre Familie – die Großmutter und ihr Bruder Jason – eine Rolle, die Eltern sind bei einem Unfall gestorben. Daneben gibt es noch Tara, die ihre alkoholkranke Mutter betreut, ihren schwulen Cousin Lafayette, Halbzeit-Koch im „Merlette’s“ und Drogendealer eine größere Rolle. Neben dem Problem, dass Vampire nun nicht sonderlich angesehen sind – das kennt man allerdings, Außenseiter hatten es ja schon immer schwer in der menschlichen Gesellschaft – gibt es noch eines, dass bald Sookie direkt betrifft: Ein Frauenmörder macht Bon Temps unsicher. Und er erdrosselt allem Anschein nach Frauen, die sich Vampiren hingeben – und spätestens nachdem Sookies Großmutter ermordet wurde weiß sie, dass sie in Gefahr ist…
„True Blood“ ist die Serie, die man als Alan Balls Versuch einer leichteren Variante seines Grundthemas – den der dystopischen Familie – ansehen kann. Demzufolge bietet die Serie auch reichlich viel Oberfläche an, sie geht nicht so sehr in Tiefe wie „Six Feet Under“ oder „American Beauty“. Was zu bedauern ist. Denn so bleiben die Figuren mit all ihren Problemen und Verwicklungen seltsam distanziert. Natürlich sind die Dialoge gut und die Serie mischt Humor mit Grusel-Elementen, aber der Plot plätschert zeitweise dann doch irgendwie so dahin.
Ja, natürlich bildet die Mördergeschichte den roten Faden durch die Serie, aber über etliche Folgen hin wird sie entweder ganz vergessen oder wird nur eben am Rande mal erwähnt. Die Vampirgesellschaft an sich spielt fast keine Rolle – außer in einer Folge gegen Ende, als William sich für den Mord an einem Vampir verantworten muss. Nichts gegen Serien mit Ensemble-Besetzung, das ist etwas, was ich eigentlich mag und schätze, ebenso wie Charaktere mit Tiefe. Die hat die Serie zwar – es gibt auch Nebencharaktere, die auch dem Südstaatenklischee entsprechen, durchaus – aber sie berühren mich nicht. Demzufolge sind mir dann auch die Verstrickungen der Hauptpersonen oder deren Geheimnisse schlichtweg egal. Gut, ich habe mir auch „Bloodties“ angesehen, die im Vergleich zu „True Blood“ ja nun wirklich Oberfläche pur ist – allerdings haben da die Charaktere für mich funktioniert. Was bei dieser Serie hier nun leider nicht der Fall war. Schade eigentlich, denn ich mag das was Alan Ball sonst macht.
Nun denn: Da schon eine dritte Staffel in Auftrag gegeben wurde und die zweite wohl etwas besser sein soll als die erste, die zweite Staffel läuft momentan in den USA, könnte es ja sein, dass die Oberfläche dann doch noch etwas Tiefe gewinnt. Zudem waren die letzten Folgen der ersten Staffel durchaus etwas besser als die restliche Serie – und dann gibts diesen Vorspann. Das ungeschriebene Gesetz lautet ja: Wenn es ein guter Vorspann ist, dann kann die Serie nicht schlecht sein. Bis auf „Voyager“ und „Desperate Housewives“ habe ich jedenfalls das immer als passend gefunden. Und seltsamerweise gruselt es mich mehr vor dem Fuchs als vor allem anderen…
Kurz und gut: Wer auf Vampire, Louisana und Mörder steht der ist bei „True Blood“ gut aufgehoben. Vermutlich werden die Kids, die Stephenie Meyer lesen und schon etwas erwachsener sind – also mindestens 18, das ist schließlich eine HBO-Serie – das ideale Publikum für die Serie sein. Ich bin es, soweit es die erste Staffel betrifft, jedenfalls nicht. Aber ich bin bereit der zweiten Staffel eine Chance zu geben. Was ich bei „Battlestar Galactica“ nun nicht getan habe – insofern…



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