Neu eingetroffen


In diesem Monat habe ich mal wieder meine Guthabenkarte gezückt und bei iTunes eingekauft. Natürlich musste ich etwas von dem zu Hause haben, was der Chor in Großenbaum demnächst singen wird – ich verrate noch nicht was, aber es wird wirklich sehr, sehr schön. (Ich müsste mir mal nochmal die Stimme anschauen fällt mir da so ein, hüstel.)

Verraten aber kann ich meine Single-Einkäufe:

  1. Charlie Winston – Like a Hobo
    Ich weiß noch nicht ob es sich lohnt das Album zu kaufen, ich warte mal lieber die nächste Single ab bevor ich mich entscheide. Der Song an sich ist allerdings sehr sehr klasse – nur RadioDuisburg ignoriert ihn momentan. Na ja, die wissen nicht was gut ist. So.
  2. Culcha Candela – Schöne neue Welt
    Da habe ich tatsächlich überlegt die EP zu kaufen – was sich heutzutage so EP nennt, also drei Stücke im iTunes-Musik-Store als EP zu verkaufen, davon einer Instrumental, der andere so ein doofer Remix – nee, ohne mich. Wenn Single, dann schon bitte anständig. Der Song an sich ist toll: Intelligente Gesellschaftskritik zum Mittanzen. So muss das.
  3. Sportfreunde Stiller mit Udo Jürgens – Ich war noch niemals in New York
    Nein – ich bin kein Freund der Sportfreunde Stiller, die a) definitiv keinen Ton halten können und b) als Party-Band durchaus in Ordnung sind, aber kompositorisch immer dieselbe Sauce fabrizieren. Innovativ ist anders. Was für den Song spricht: Erstens singt Udo Jürgens selbst mit, zweitens gibts da diese Geigen. Das Arrangement ist wirklich sehr schön. (Und wer es nötig hat, für MTV New York zu faken, der ist definitiv keiner, den ich als Band ernstnehmen kann.)

Wenn man schon auf die Tatsache hinweisen muss, dass die englische Tonspur enthalten ist, dann weist das auf die Urzeit der DVD hin. Für 3,99 beim Saturn musste ich diesen Film einfach mitnehmen, der mit seiner Wucht, seiner Thematik und dem Drama berührt und verstört. Edward Norton als geläuterter Ex-Nazi, dessen Bruder ihm nacheifert – schon ein moderner Klassiker IMHO.

Shakespeare in Love habe ich damals übergangen. Ich meine, so spannend klang die Geschichte nicht: Junge Adelige verliebt sich in Stückeschreiber und muss ihn dann konventionshalber verlassen – das ist doch eher ein Film für Taschentücher und Tränen. Aber dann habe ich mal die englische Originalversion gesehen und obwohl die Geschichte an sich erfunden ist – na ja, über Shakespeare weiß man generell nicht viel, es könnte auch so passiert sein – sind die historischen Gegebenheiten wohl doch sehr korrekt dargestellt. So das Schließen der Theater oder die Art und Weise wie damals gespielt wurde. Und eigentlich – also – unhybsch ist die Paltrow nicht. Für 2,99 beim Saturn mitgenommen.

Ja, Humor ist Geschmackssache. Ralf Richter mag ich eigentlich auch nicht so ganz, aber der Film ist von den Machern von „Bang Boom Bang“. Der kann doch gar nicht schlecht sein, oder?

Es passiert selten, dass ich in den Laden stürme um eine CD zum normalen Preis zu kaufen, aber nach der Weltpremiere von „Edgar Allan Poe“ und nachdem ich erfuhr, dass die englische CD seit Freitag draußen ist musste ich das einfach haben. Erstaunlicherweise war es dann beim Saturn zu finden – für 16,99. Und wenn ich auch mit der Inszenierung so meine Probleme habe – die Musik ist wirklich klasse. Ich scheue mich nicht zu sagen, dass Eric Woolfson hier sein bisheriges Meisterwerk abgeliefert hat. Auf der Demeter-Skala eine glatte 12.

(Ein Klick aufs Bild oder auf den Link bringt euch direkt zum Shop von BOL.)

Es war in irgendeiner Ausgabe des DLFs von „Rock Pop etc.“, den Gastmoderator am Mikrophon kannte ich nicht – aber er entschuldigte sich dafür, dass das nächste Stück vielleicht etwas knistern könnte, denn es gäbe es halt nicht auf CD. Während ich bisher nur mit halbem Ohr zugehört hatte war mein Interesse geweckt als er sagte, das nächste Stück würde von David Bowie gesungen. Noch mehr Interesse hatte er als er dann meinte, es wäre aus Bert Brechts Stück „Baal“. Und dann legte er das erste Stück der Platte auf – und damit hatte er mich dann.

Meine Neugier war geweckt: David Bowie und Bertholt Brecht? Zudem noch eines der frühen Theaterstücke von ihm? Für die BBC aufgenommen? Was war mir denn da entgangen? Nun, offenbar eine ganze Menge – laut Wikipedia. (Die englische Fassung ist einfach besser in diesem Fall.) 1982 spielte Bowie die Rolle des Baal für die BBC, die auch gesendet worden ist. Für diese Aufnahme wurden die deutschen Texte der Songs übersetzt und neu arrangiert – allerdings so, dass die Sachen klingen als hätte da eben Kurt Weill drübergesehen. Schön, „Die Ballade vom ertrunkenen Mädchen“ ist ja auch tatsächlich von ihm vertont, der Rest aber – zu meiner Überraschung – stammt von Brecht selbst. (Richtig, in der Biographie von Lotte Lenya – der große schwere Bildband ist immer wieder eine Wonne -  ist erwähnt, dass Brecht desöfteren mal Einfälle für die Dreigroschenoper gehabt habe, was Weill aber irgendwie immer überging. *g*)

Jedenfalls: Haben wollen. Dringend. Das Problem: Bisher gibt es davon keine CD-Aufnahme von den vier Songs. Aber es gibt ja die moderne Technik. Nennt sich iTunes. Und dort finden sich dann die gesamten Songs. Mit dem digitalen Booklet. Gut, ob man jetzt wirklich knapp fünf Euro dafür bezahlen muss ist die Frage, aber erstens kennt man meine Affinität zu Kurt Weill, zweitens singt Bowie die Songs einfach zum Sterben schön und die Arrangements – einfach superb.

Und was lehrt uns das? Keine Ahnung. Jedenfalls muss ich jetzt nicht mühsam damit anfangen einen Plattenspieler zu kaufen und bei Ebay die EP für horrende Preise zu ersteigern…

Zwei Opern und eine Highlights-Ausgabe für einen Zehner – ich liebe 2001. Fast der einzige Grund warum ich die Mayersche im Forum betrete. (Wie man weiß bin ich Fan der Heinrich-Heine-Buchhandlung. Einfach netterer und persönlicherer Service, auch wenn ich da meistens meine Wunschbücher bestellen muss.)

Fangen wir mit dem an, was eventuell für einige Ohren schräg und unnatürlich klingt – Schönbergs „Moses und Aaron“. Die Oper behandelt den Gegensatz zwischen Geist und Bild. Beim Namen Schönberg sollte einem klar sein, dass das 12-Ton-Technik ist. Zudem ist der Moses eine „Sprech-Rolle“ mit fixiertem Rhythmus und einigermaßen festgelegten Tonhöhen. Also kein leichter Stoff, aber reizvoll. Denn man kann durchaus sehr zarte schöne Stellen in dem Werk finden und ja, man kann sowas auch wirklich durchhören. 2001 hat die Erstaufnahme des N.W.D.R. aus dem Jahr 1954 mit Michael Gielen am Dirigentenpult, Günter Reich als Moses und Louis Devos als Aaron.

Georges Bizet hat den Welterfolg von „Carmen“ nicht miterlebt. Die Aufnahme mit Andrè Cluytens aus dem Jahr 1958 mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester folgt der Tradition, die man heute „Synchronisation“ nennt. Denn die Oper wird komplett in Deutsch gesungen. Gewöhnungsbedürftig. Allerdings lange Zeit nichts Ungewöhnliches auf deutschen Bühnen. Heutzutage hat man ja meistens Obertitel. Während der Schönberg deutlich hörbar bearbeitet wurde, hat man bei dieser Aufnahme darauf verzichtet – ein gewisses Knistern im Hintergrund und der deutliche Monoklang könnten beim Ein oder Anderen für ein Nichtkauf-Argument sorgen. Allerdings – für den Preis…

Auf „The Glories of Handel Opera“ sind etliche Opernarien von Händel versammelt. Na ja, sonst hieße die CD wohl auch anders. Kirkby, Sutherland, Horne, Pavarotti und Bowman sind die Interpreten. Meine Lieblingshändelarie ist auch dabei. Nein. Nicht das mit dem schattigem Grün. (Wer hat eigentlich das als „Händels Largo“ bezeichnet? Da steht Larghetto drüber wenn ich mich richtig erinnere.) Nein, die andere Arie. Die aus Ronaldo. :-)

(Hinweisen möchte ich auch noch, dass in Duisburg noch massenhaft diese fabelhaften MP3-CDs für 3,- Euro zu haben sind. Gut, die kompletten Wagner-Opern kosten 10,- Euro, dafür hat man dann drei CDs. Dabei sind historische Aufnahmen, der Ring des Nibelungen ist allerdings aus den 90gern. Die Qualität ist allerdings durchweg hörbar. Manche Interpreten gibts halt nur auf diese Art und Weise. Besonders an Herz legen möchte ich euch die Aufnahme des Rosenkavaliers von Strauß, am Pult stand Clemens Krauss – der wußte wenigstens noch wie sich eine feurige Liebesnacht anzuhören hat – im Gegensatz zu Karajan. Ich meine jetzt das Vorspiel zur Oper. Ähm – ja – Vorspiel – ähm… :-) )

Kitty Hoff

Das Traumzeit-Festival hilft einem dabei tolle Bands zu entdecken – und dass ich von Kitty Hoff sehr angetan war kann man ja bei Dacapo nachlesen. :-) Seit einiger Zeit jedenfalls rotiert das Album bei mir andauernd und falls jemand das perfekte Sommeralbum sucht: Ja, das ist es. Ab und an gibts einige Chansons, die eher melancholisch sind, was aber auch zum Sommer passt. Die Texte sind großartig, die Arrangements auch und das Album ist bei Blue Note erschienen. Sonst noch Fragen? Hier zumindest eine Antwort: Kaufts bei iTunes.

Ich habe ja selten Spontankäufe bei Büchern. Aber bei dem Titel konnte ich mich einfach nicht zurückhalten. Dr. Impossible schlägt zurück. Ein Super-Helden-Roman. Solange es noch keine Dr.-Horrible-Bücher gibt muss man halt das nehmen was man kriegen kann – es scheint allerdings ein sehr vernüglicher Roman zu sein. (Wobei der englische Titel natürlich mal wieder viel cooler ist: Soon I will be invincible… Ja. Klar doch. Kicher.)

Für 4,99 den gesamten Ring des Nibelungen von Wagner? Yepp, 2001 hat momentan eine Aufnahme von Günter Neuhold mit der Badischen Staatskapelle im Angebot. Ja, natürlich kommt das nicht an irgendwelche bekannteren Aufnahmen ran – wer allerdings nur wissen will wie Wagners Ring so klingt für den reicht die Aufnahme allemal. Zudem: Das sind zwei MP3-Cds. Erspart das lästige Grabben.

Ansonsten: Lortzing, Lortzing und nochmals Lortzing. Ich konnte nicht widerstehen – für knapp 3,- Euro gibts die Aufnahmen der Walhall-Serie.  Bei 2001 selber sind sie zwar als „auverkauft“ gelistet, aber der Shop in Duisburg hat noch einige Exemplare. Geschnappt habe ich mir neben dem „Wildschütz“ zwei Raritäten: „Hans Sachs“ – wer sagt denn dass Wagner da das Monopol hat? :-) – und die „Revolutionoper“ Regina. Es sind – das zur Einschränkung – remasterte Aufnahmen aus den 50-ger Jahren. Und bei der „Regina“ ist dies das Mitschnitt der DDR-Runfunkbearbeitung zu Lortzings 100. Leider hat man da Hand an die Dialoge gelegt – was man sich bei Mozart oder Beethoven nicht wagt, dass darf man offenbar bei Lortzing – unverschämt eigentlich… Davon abgesehen ist die Musik bei der „Regina“ komplett. Für knapp 3,- Euro gibts 2-CDs. Ich werde da die nächsten Tage mal reinhören. Leider war die „Opernprobe“ nicht mehr im Shop…

Lily Allens Album überrascht – einerseits durch die Texte, die man sich mal genauer durchlesen sollte, andererseits durch die vielfältigen musikalischen Mittel. Sicherlich erfindet sie den Pop nicht neu, aber zwei, drei Tracks auf dieser CD entlocken einem ein „Whow“.

Von Anfang an schreckt Lily Allan nicht vor sehr sarkastischen Texten zurück: „Klar, wenn du den Doktor davon überzeugen kannst, dass du unbedingt Schlaftabletten brauchts – na, dann ist das ja wohl kein Mogeln“ singt sie in „Everyone’s At It“, in dem Song geht es um Ehrlichkeit und darum, dass wir alle eigentlich richtig heuchlerische Menschen sind. „The Fear“ setzt dann den Sarkasmus noch fort: Der eingängige Song setzt sich kritisch mit dem Idol-Dasein auseinander und der Abgehobenheit des Star-Daseins – wenn man das denn mal erreicht hat: „Ich will reich sein und ich will Geld haben, ich schere mich nicht drum ob ich clever oder witzig bin … Ich weiß nicht, was Richtig oder Real ist und ich weiß auch gar nicht, was ich eigentlich fühlen sollte“ – dabei ist der Song ja eigentlich mit dem Gitarren-Intro und dem Popgewand ja recht eingänig und nett. „Not Fair“ erinnert an einen schnellen Country-Song, komplett mit Akustik-Gitarren-Floskeln. „22″ könnte auch von Duffy stammen, wenn es da nicht dieses Cembalo im Hintergrund gäbe – und der Refrain nicht locker-flockig-poppig daherkommen würde. „I Could Say“ hat eine sehr lange Klaviereinleitung, die fast alleine Lillys Stimme trägt – eine ruhige Nummer im Vergleich mit den anderen. „Back to the Start“ – huch – was macht denn der Gameboy in diesem Song? „Never gonna happen“ greift tief in die „russische“ Klischeekiste von den Harmonien und der Melodie her, um dann im Refrain richtig zynisch zu werden: „Wie deutlicher soll ich denn noch werden? Das wird nie was mit uns beiden“ – und der etwas zuckrige, jahrmarktmusikartige Refrain zaubert ein Grinsen aufs Gesicht. Neben „The Fear“ mein absoluter Favorit: „Fuck you“ – eine Burt-Bacarach-Klavierbegleitung zu Beginn führt einen etwas in die Irre. Wenn Lily Allen „Fuck you, fuck you very mery much“ singt, dann jubiliert die Stimme derart in die Höhe, dass es zynischer einfach nicht mehr geht. Und man swingt dazu dann noch mit als Hörer… Alle Achtung. „Who’d Have Known“ ist eine ruhigere Nummer, aber auch hier lohnt es sich auf den Text zu hören. „Chinese“ bietet nochmal das Cembalo auf – ab sofort bitte mehr Cembalos in Popsongs! – „Him“ stellt sich die Frage, wenn es einen Gott gibt, was er wohl empfindet und der Refrain ist hart: „Solange er sich erinnern kann sind Leute in seinem Namen gestorben, lange vor dem September, lange bevor Flugzeuge gekapert wurden … Er weiß gar nicht mehr wer Recht oder Unrecht hat…“ Das letzte Stück der CD ist dann eine Hommage an alte Jazzplatten: Während Lily Allens Stimme unverfälscht zu hören ist, klingts im Hintergrund so als würde man eine alte, rauschende Schellackplatte abspielen…
Alles in allem: „It’s not me it’s you“ erfindet den Pop sicherlich nicht neu, überrascht aber mit brillianten Einfällen, mitreißenden Hooklines und nichtzuletzt Texten, die mehr sind als nur das übliche Geträller von Liebe und Frieden und so… Kaufempfehlung.


Nicht nur der momentane Preis für die deutsche Übersetzung – knapp 18,- Euro? Ich sag dann mal NEIN – sondern auch die mißratene Übertragung des Untertitels sollte einen davon abhalten das neueste Werk von Bill Bryson – okay, „neu“ ist relativ, 2007 in den UK erschienen – auf deutsch zu kaufen. Allen Ernstes wird aus der wunderbaren Anspielung „The World as a Stage“ irgendwas, was man nicht glauben möche. „Die Welt als (eine) Bühne“, das findet man eventuell bei – hmm – mal nachdenken – Shakespeare als Zitat? Richtig: Der Beginn des Monologs aus „As You Like It“ oder „Wie es euch gefällt“ von Jacques, Act II, beginnt im Original mit einer der meistzitierten Sentenzen aus Shakespeares Werk.

All the world’s a stage,
And all the men and women merely players;

Was man natürlich auch auf deutsch wunderbar hätte übersetzen können, das kennt man halt auch als Nicht-Shakespearianer:

Die ganze Welt ist eine Bühne,
Und alle Männer und Frauen sind nur Spieler.

Und was machen wir tumben Deutschen? Richtig. Wir erfinden mal wieder etwas, was im Orginal gar nicht steht. „Shakespeare – wie ich ihn sehe“ heißt Brysons Buch bei uns. (Kopf – Tisch – Tisch – Kopf.)

Wenn dieser Untertitel wenigstens passen würde, aber Bill Bryson – bekannt durch seine witzigen und komischen Reisebeschreibungen – hat gar nicht die Absicht uns „sein“ Bild von Shakespeare vorzustellen. Sozusagen interpretatorisch wirken zu wollen. Er ist ja auch nicht Goethe. Im Gegenteil: Bryson hält sich an das, was man über Shakespeare weiß. Deswegen ist das Buch auch so dünn, wie er selbst zu Beginn anmerkt. Freimütig bekennt er nämlich, dass man nicht allzuviel über den Dichter weiß – aber das Wenige, was man definitiv weiß, dass stellt er dem interessiertem Leser mit Witz und Verve vor.

Nach eine launischen Einleitung – in der das Shakespeare-Bild der ersten Folio-Ausgabe beharrlich schlecht wegkommt und man staunend erfährt, dass das sogenannte Chandros-Porträt eventuell gar nicht Shakespeare ist, während die Statue in der Grabekirche mal bemalt war aber jemand die kalkweiß schrubben ließ – geht es mit den wenigen Fakten los, die man von Shakespeares Geburt weiß. Desöfteren wird man im Buch einfach die Feststellung lesen, dass man weiß, dass man über bestimmte Dinge nichts weiß. Was ein sehr dünnes Buch ergeben hätte, wenn Bryson nicht auch auf die Zeit Bezug nehmen würde oder das ein oder andere Kuriosum der Shakespeare-Forschung erzählen würde. Das alles tut er sehr launisch und witzig, auf eine sehr sympathische und mitreißende Art, die sich allenfalls einen Hauch von Ironie bei gewissen Ereignissen erlaubt. Ansonsten plaudert Bryson aus dem Faktennähkästchen und bleibt bei dem, was die Wissenschaft bis heute von Shakespeare weiß. Gewisse Verschwörungstheorien werden natürlich auch beleuchtet. Insofern: Nein, Bryson erzählt nicht wie er Shakespeare sieht. Jedenfalls nicht in dem Sinne wie man es vom deutschen Untertitel meinen könnte. Er erzählt, aber orientiert sich an den Fakten und war in Archiven und bei Wissenschaftlern recherchieren. Es geht also um keine „Weltsicht“, nein, keineswegs.

Insgesamt ist das ein sehr unterhaltendes, populärwissenschaftliches Buch draus geworden. Was keinen wundern sollte, der Brysons andere Werke kennt. Für Einsteiger in die Materie sehr empfehlenswert. Wenngleich ich bei der deutschen Übersetzung vermutlich ab und an die Augenbrauen hochziehen würde – wer schon den Untertitel versaut hat es bei mir schon schwer das wieder gut zu machen. (Aber 18,- Euro für die wenigen Seiten auf Deutsch sind auch reichlich übertrieben IMHO. Das gibts längst als englisches Taschenbuch für um die sieben Euro… Soviel habe ich nämlich bezahlt.)

Eröffnungsangebote vom Duisburger Saturn haben mich diesmal zuschlagen lassen – da es auch schon eine Weile her ist seit dem letzten Kauf von DVDs und ich für knapp 20 Euro vier Stück ergattert habe kann ich jetzt folgende DVDs neu in meinen persönlichen Bestand aufnehmen. (Deswegen landen sie ja auch in dieser Kategorie. Dinge, die ich nur leihweise habe landen in den anderen Kategorien. Sprich: Nicht alles was ich rezensiere besitze ich auch. Manche Leute scheinen das nicht so ganz zu verstehen. Nun denn.)

Und diese Szene ist eine Hommage an...

"Und diese Szene ist eine Hommage an..."

Das Dreamteam ist zurück – so jubelte ich damals schon nach der Kinopremiere dieses Streifens, der keine Parodie ist, ebensowenig wie „Shaun of the Dead“ eine Parodie ist, sondern eine echte Herzblut-Hommage an die unzähligen Buddy-Cop-Filme, die nach Schema F verlaufen: Simon Pegg als Supercop wird in ein ruhiges Dörfchen nach England abgeschoben, das seltsamerweise keine Verbrecher aufzuweisen hat. Woran das liegt, das findet Simons Charakter rasch heraus.
Manche finden ja, dass das Ende des Films sich etwas zieht – eine Kritik, die ich nicht teile. Das Ende ist halt eine Referenz auf die unzähligen Finales der Buddy-Cop-Filme, von der Comedy-Finalfassung bis zur Geiselnahme bis halt dem obligatorischen „Wir schießen alles kurz und klein“-Finale. Wenn man mich vor die Wahl zwischen „Koops“ und „Hot Fuzz“ stellen würde, wäre das gar nicht so einfach – aber im Endeffekt ist Simon Pegg und Nick Frost halt das, was man als Dreamteam bezeichnet. Yeah. Rockt gewaltig das Teil und macht mir persönlich Lust nochmal „Spaced“ anzuschauen. (Wobei – da gibts jetzt diese Dreier-DVD mit neuen Kommentaren und Extras… Seufz.)

Feel-Good-Movie

Feel-Good-Movie

Ja, mag sein dass die Handlung des Films idiotisch, hahnebüchen und einfach nur bekloppt ist – das ist bei Steve-Martin-Filmen halt ab und an schon der Fall, das ist halt leichte Unterhaltungskost und außerdem: Habt ihr schon mal den Mist gesehen, den der Martin in der letzten Zeit so verzapft hat? Dagegen ist das hier ja noch Gold, echt jetzt. Und ohne die genialen Fähigkeiten von ihm würde der Film auch gar nicht funktionieren. Kurzgefasst: Während der Rechtsanwalt Roger an seinem 38. Geburtstag beschließt sich endlich seriöser zu gebärden als bisher wird er von seinem Boss als Rechtsanwalt zur reichen Edwina Cutwater geschickt. Da diese bald sterben wird hat sie einen Plan: Ihre Seele soll in einen jüngeren, besseren und schöneren Körper schlüpfen. Dummerweise geht die Zeremonie total schief und die Seele von Edwina landet im Körper von Roger – das Schlamassel nimmt seinen Lauf…
Ja, die Story ist hahnebüchen. Na und? Steve Martins grandiose Leistung zwei Seelen in seiner Brust darzubieten ist eindeutig ein Höhepunkt. Da mag das Ende auch ein wenig hingeschludert sein, der Film macht einfach Spaß.

Eat your vegetables!

Eat your vegetables!

Unfreiwillig stolpert Mr. Smith (Clive Owen) in die Rolle des Bodyguards – sein Schützling: Ein Baby. Seine Unterstützung: Eine Prostituierte. Sein Gegner: Ein ehemaliger Profiler, der zum Profikiller wurde und der Telefonate mit seiner Frau führt. Mitten während er versucht Smith zu ermorden. Das wäre dann auch eigentlich die Handlung, die nicht weiter tiefsinniger wird – gut – es geht um einen Senator, der das Baby braucht und um Waffenhändler, aber ansonsten ist „Shoot ‘em Up“ ein Film, der keine Altersfreigabe bekommen hat. Zu Recht: Mit Leichen, Blut und Mohrrüben wird nicht gespart. (Oh ja – die Dinge die man mit Mohrrüben anstellen kann. Uargh. Ihr kennt die Bleistift-Szene aus „The Dark Knight“? Es geht noch viel – blutiger…) Dabei hat der Film sehr viel Humor – neben den äußerst blutigen und gewalttätigen, allerdings dann doch sehr überdrehten Actionszenen, die man gerade dann deswegen nicht so ganz ernstnehmen kann, das hat schon etwas von einem Comic teilweise – und man kann sich sehr wohl bei dem Ganzen amüsieren. Clive Owen fiel mir zuerst in „Sin City“ auf und wie er hier den wortkargen Mr. Smith spielt, das ist einfach ganz große Klasse. Und zumindest ist die Handlung dann doch etwas intelligenter als bei „Bad Boys“. (Moment – „Bad Boys“ hatte eine Handlung???)

Michael Bay lässt es krachen, Spielberg sorgt für den Family-Touch

Michael Bay lässt es krachen, Spielberg sorgt für den Family-Touch

Was erwartet man von einem Michael-Bay-Film in der Regel nicht? Genau: Eine Handlung. Da aber Steven Spielberg hier Produzent war, hat der Film dennoch so etwas ähnliches. Klar ist der so durchschaubar wie der Kaffee von Tante Jutta was das Strickmuster anbelangt: Wenn zu Beginn ein Soldat erwähnt, dass er in Baby hat dann ist schon klar wer den Angriff auf die Basis in der Wüste überlebt. Man füge dann den jugendlichen Helden hinzu plus jugendlicher Heldin, man raune im Vorspann etwas von „kosmisch“, „Cube“, „lost“, füge dann die guten Roboter – Autobots – und die bösen – Decepticons dazu und schon hat man den Sommerblockbuster des letzten Jahres. Das klingt jetzt etwas abschätzig, aber wenn man die Regeln des Genres akzeptiert dann macht der Film durchaus Spaß, wenn auch einige Gags nicht so ganz sicher sitzen – Lubrication, ts. Und schlecht besetzt ist der Film durchaus nicht, Shia LeBoeuf nimmt man den Teenager schon gut ab, John Voigt ist immer wieder klasse – das ist der Vater von der Angelina Jolie übrigens, der riss auch für einige Minuten den ersten „Tomb Raider“ raus, doch – und das Drehbuch kann zwar nicht ganz verhindern, dass die Charaktere von den Robotern gegen die Wand gespielt werden, bemüht sich aber redlich um sympathische Figuren. (Spielberg halt.) Kann man sich anschauen, muss man aber nicht unbedingt. Macht aber immer noch Spaß.

Mit Quentin Tarantino aber leider auch mit Ashanti

Mit Quentin Tarantino aber leider auch mit Ashanti

Liebe Fans von Quentin Tarantino, da müsst ihr durch: Der Regisseur und Schauspieler hat einen Gastauftritt in der Muppets Version vom Zauberer von Oz. Ich verrate jetzt nicht was er macht weil das ja sonst den ganzen Spaß verdirbt – also mir macht es höllisch Spaß euch das NICHT zu verraten und ICH bin ja schließlich der führende Blogger in diesem Revier, also in meinem. ;-) Aber ja, er hat einen Gastauftritt und ich habe mich ganz köstlich amüsiert.

Ach, die Geschichte? Kennt jemand wirklich „Das Zauberhafte Land“ mit Judy Garland NICHT? Ts. Na schön, der Film peppt das Ganze natürlich etwas auf, insofern: Dorothy Gale – Ashanti – lebt bei ihrer Tante Em – Queen Latifa – und ihrem Onkel Henry – Edward Hibbert – in Kansas und arbeitet in einem Fastfood-Restaurant. Ihr Traum: Einmal eine ganz große Sängerin werden. (Der erwachsene Zuschauer denke sich jetzt bitte die innere, äußerst zwingende Logik weg, dass man für diesen Part des Films schon eine Sängerin gecastet hat, sonst funktoniert der Film nicht.) Dummerweise verpasst sie die Chance bei der Muppets Talentshow mitzuwirken, bekommt aber ihr Demo bei Kermit wenigstens unter. Wenig später kommt der Tornado, der sie und Toto – a prawn übrigens, schlagts mal nach – in das magische Land Oz wirbelt. Haus landet auf Hexe, Munchkins (Rizzo plus Ratten) sind glücklich, Glinda erscheint – Miss Piggy, die auch alle anderen Hexenrollen spielt – Dorothy wird auf dem Weg nach Oz auf der gelben Steinstraße geschickt und trift Vogelscheuche – Kermit – TIN-Mann – Gonzo – und den ängstlichen Löwen – Fozzy Bear – der irgendwie sehr mit seinen Locken seinem Vorbild aus dem MGM-Film gleicht. Nach diesem Bravoursatz können eure Augen erstmal Atem holen.

Nach allerlei Gefahren landen sie in der Emerald City, wo der Zauberer höchst ungnädig ist: Dorothy soll ihm das allsehende Auge – nein, nicht das Schwarze – der bösen Hexe des Westens bringen. Diese greift mit ihrer Rockerbande aus fliegenden Affen auf fliegenden Motorrädern Dorothy an, natürlich singen die Affen den Walkürenritt, seufz, und will natürlich die silbernen Schuhe, die Dorothy trägt. Nachdem Dorothy die böse Hexe derbe ins Gesicht getreten hat – weil, wir sind ja immer noch in einem Familien-Kinderfilm und Schwerter und Flammen und so, nee – landet sie im Pool, sie schmilzt dahin – natürlich – und Dorothy kehrt mit dem allsehenden Auge zurück nach Oz. Dort entpuppt sich der Zauberer als Schwindler, der dennoch versucht sein Versprechen wahrzumachen: Ein Gehirn für Kermit, ein Herz für Gonzo und Courasche – sorry – Courage für Fozzy. Allerdings: Dorothy nach Kansas zurückzubringen gelingt ihm nicht, dazu muss sie wieder zu den Munchkins. Was wir alle natürlich schon immer geahnt haben: Dorothys Manolos können sie an jeden Ort der Welt bringen. (Man fragt sich dann natürlich, warum Dorothy eigentlich die ganze Zeit durch Oz latscht, aber gut, es gibt Dinge, die weiß man und es gibt Dinge, die weiß man nicht.) Hacken dreimal aneinandergeschlagen, voila, Dorothy ist wieder in Kansas. Ohne Toto, der lieber in Oz bleibt. (Gut, okay, wenn ich eine Prawn wäre und feststellen würde, dass ich auf einmal sprechen kann – Pepe spielt Toto – dann würde ich mir auch überlegen ob ich in ein doofes kleines Aquarium – ähm – eine Glaskugel – zurückkehren möchte oder nicht. Vermutlich – nein.) Dort stellt sich natürlich heraus: Dorothy hat den Wert der Familie kennengelernt, aber kann dennoch mit den Muppets touren, weil Kermit – mit dem Regisseur am Tisch übrigens – keine bessere Sängerin gefunden hat. Happy-End.

Sehen wir man von der Tatsache ab, dass Ashanti nicht schauspielern kann – ihr Gesichtsausdruck changiert meistens zwischen „Oh – ich bin ja sooo erfreut“ und „Uargh – das ist ja sooo furchtbar“ – und ich Queen Latifa  – was macht die eigentlich momentan? – auch nicht so besonders prall finde, aber gut, immerhin macht sie einen besseren Job als Ashanti… Gut, es ist keine Kunst besser als Ashanti zu sein, selbst David Hasselhoff ist besser als Ashanti in diesem Film. Sehen wir mal von der Rahmenahndlung also ab und nehmen wir Ashanti einfach als Debakel hin so macht der Film doch Spaß. Denn: Es sind Muppets drin. Das mag keine ernsthafte Begründung sein, ich bin aber auch nicht die Variety.

Gut, die computergenerierten Szenen beim Zauberer haben sichtlich schon einige Zeit auf dem Buckel – was sich in knapp zwei Jahren so alles ändern kann, doch, enorm, vielleicht reichte das Budget auch nicht für mehr, was wohl eher denkbar ist. Aber Miss Piggy in schwarzen Lederklamotten macht enorm viel Spaß, Kermit als Vogelscheuche und die Gags von Fozzy – nun – ich möchte nicht wissen wie sie die auf Deutsch übersetzt haben, ich kanns nochmal gegenchecken aber sowas wie „I’m playing the mane character“ GEHT einfach nicht auf deutsch. Bis auf Rowlf sind alle Muppets vertreten und ich liebe den Auftritt von Sam. Dann hätte ich auch gerne eine magische Make-Over-Machine.

Besonders nett sind die Extras: Ein Blick hinter die Kulissen mit Pepe und ein etwas ausführlicheres Interview mit Quentin Tarantino mit Pepe. Recht witzig die Antwort auf die Frage, welche Muppets sich Quentin in welcher seiner Filmrollen vorstellen könnte – an der Stelle muss man sich natürlich fragen ob es wirklich so geschickt ist eine Anspielung auf die Filme von Tarantino – „Reservoir Frogs“ oder „Kill Swill“, bwahahahah – auf einen Film mit draufzunehmen, der eine FSK 0 hat. Nicht, dass die lieben Kleinen demnächst etwa nach der DVD von „Pulp Fiction“ fragen… (Gut, man sollte die Kleinen auch nicht unbeobachtet bei Youtube Dinge eintippen lassen. Es gibt da Dinge – die vier Ponys der Apokalypse sind ja noch harmlos, aber das Ding mit Kermit als Vigilant, oi, oi, oi…) Na schön, die älteren Zuschauer werden sicherlich wissen wer Tarantino ist und was er gemacht hat.

Falls ihr also mal 96 Minuten lang Zeit habt, die Muppets mögt und der Neffe zu Besuch sein sollte oder die lieben Kleinen am Sonntag sich langweilen – mit dem Film macht ihr nichts verkehrt. Allerdings sollte man doch vorher besser die richtige Variante mit Judy Garland vorziehen und dann erst den Muppets-Film. Einige Anspielungen versteht man sonst nicht so ganz. Aber ansonsten macht das Teil schon Spaß. (Allerdings ist der Weihnachts-Film noch einen Tacken besser. Wie, ihr guckt keine Weihnachtsfilme im Sommer?)

Nächste Seite »