Archiv der Kategorie: Kultur

Das Zeitalter des Kuratierens

Im Zeitalter des Kuratierens ist der Kontrollverlust mit einberechnet. Vielleicht tun sich Firmen deswegen schwer mit der Vorstellung, dass die Push-Kultur allmählich durch die Prosumer-Kultur ersetzt wird. Im Zeitalter des Kuratierens hat zumindest jeder die Möglichkeit sich kreativ zu betätigen – Kulturinstitutionen und Unternehmen bieten aber längst nicht immer die Chancen dafür an.

Dabei ist es eigentlich klar: Wer Inhalte verteilt gibt die Kontrolle darüber wie die Inhalte aufgenommen und rezipiert werden aus der Hand. Wenn Inhalte ins Internet hineingegeben werden kann ich nie sicher sein, dass ich sie im Originalzustand wieder herausbekomme. Im günstigsten Falle werden diese Inhalte originalgetreu weitergegeben, im schlechsten werden sie so remixt und resampelt dass die eigentliche Intention nicht mehr da ist, dass sie zur Persiflage, zur Satire, zur Spottscheibe werden. Selbst ein harmloser Werbespot in dem ein Sportler ein Stück Wurst verspeist kann einen Beleidigungssturm auslösen. Allerdings: Das ist kein neuer Effekt – auch ein Zeitungsartikel hat schon immer von Lesern unterschiedlich aufgenommen werden können. Das Internet hat diesen Effekt nur verschleunigt und öffentlicher gemacht. Eine Leserbriefdebatte in einer lokalen Zeitung über eine Werbeanzeige eines Sportlers, der eine Wurst isst – in der Vergangenheit wäre das nur tatsächlich ein lokales, begrenztes Thema gewesen. Das Netz hat diese Effekte dupliziert. Erfunden hat es sie nicht.

Ermöglichung der Fans

Wenn das Internet Inhalte schneller verteilt, vor allem durch die Sozialen Netzwerke, wäre es ja einfach zu sagen – und es wird auch immer noch gesagt – dies wäre nur ein neuer Kanal, ein neues Medium, dieses müsse man so bespielen und vermarkten wie die herkömmlichen Kanäle. Das heißt: In erster Linie die alten Inhalte genauso hineinpushen wie man es von Zeitungsanzeigen, Fernsehspots oder Radiowerbung kennt. Dies verkennt aber eine Tatsache: Ein Zeitungsleser, ein Fernsehender oder Radiohörer kann sich nicht gegen die Beschallung wehren wenn sie ihn nervt, außer er verlässt das Medium komplett. Legt die Zeitung beiseite, wechselt den Fernsehsender oder schaltet das Radio aus. Die Interaktion und die Reaktion auf diese Inhalte ist also begrenzt. Selbst wenn der Zeitungsleser einen bissigen Leserbrief über die Zustände bei Anzeigen schreiben würde fände dies erstmal außerhalb des Mediums Zeitung statt und wäre mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden. Deswegen werden in der Regel auch nur Leserbriefe geschrieben, wenn die Peinschwelle hoch genug ist.

Im Internet ist das einfacher, weil die Wahrnehmung von Werbung und die Reaktion auf diese Werbung im selben Medium erfolgt. Ich kann natürlich auch ein Programm für den Browser herunterladen um Werbung zu blockieren und sehe sie deswegen gar nicht erst – ich kann aber auch Werbung spielerisch verfremden, persiflieren, mich in einem Blog darüber beschweren wie furchtbar die Werbung bei der lokalen Zeitung ist oder darauf hinweisen, dass es Radiokanäle ohne Werbung gibt. Es ist kein Geheimnis, dass das Internet aus dem Konsumenten auch einen Produzenten machen kann – die Prosumer gehen soweit, die Inhalte aus anderen Medien offline kreativ zu verarbeiten um sie in das System Internet einzuspeisen. Die Photographie-Galerien von Streetart etwa sind Beispiele dafür. Obwohl der Begriff der Prosumenten nicht neu ist scheint er nicht verstanden worden zu sein. Statt zu begreifen dass es besser ist den Kunden, den Fans der Institutionen oder Firma Werkzeuge und Inhalte an die Hand zu geben, die diese kreativ bearbeiten können wenn sie wollen herrscht teilweise noch die Meinung vor, Social Media sei keine Revolution – ja, noch nicht einmal das Wort Kommunikation wird gerne in den Mund genommen – sondern Social Media ist einfach ein neuer Kanal, den man einfach nach alten Kriterien bespielen müsse und gut sei es. Dabei kann man es gar nicht verhindern dass Fans kreativ werden, denn wenn sie entweder begeistert oder besonders kritisch sind werden sie die Inhalte sowieso bearbeiten.

Ich, der Kurator

Im Zeitalter des Kuratierens ist der Prosument ein wichtiger Bestandteil des Systems – schon jetzt wird immer von Beeinflussern, von Meinungsführern gesprochen die man für die Firma im Internet braucht damit sich die Themen, also die eigenen, gut durchsetzen. Daran ist nichts falsch, es kommt allerdings auf die Sichtweise an – ich kann meine Meinungsführer nur als willige Lakaien behandeln oder ich kann ihnen respektvoll entgegentreten und versuchen, eine Beziehung mit ihnen aufzunehmen. Im ersten Fall wäre ich im Paradigma des Alten Vorgehens gefangen, weil ich es vielleicht auch gar nicht anders kenne, im zweiten Fall wäre ich in der Lage auf Augenhöhe mit meinen Kunden zu reden. Dass dies nicht von allen Firmen gewollt wird, gut. Dann aber sollte der Schritt ins Social Web wohlüberlegt sein – man kann zwar im eigenen Blog die Kommentarfunktion abschalten, aber man kann nicht verhindern dass die Inhalte in Foren diskutiert werden. Und man selbst wird dann vermutlich nichts mitbekommen, weil man noch nicht mal die Mühe auf sich nimmt ein Monitoring zu veranstalten. Das Internet ist ein Hype, der eine Tradition von knapp 20 Jahren hat. Muss man also nicht ernstnehmen.

Ebensowenig die Möglichkeiten und Chancen, die sich eröffnen wenn man den Kunden ermöglicht sich über die eigenen Inhalte auszutauschen und darüberhinaus auch Inhalte anbietet, die man nicht selbst erstellt hat. Dass dies nicht passiert, ja, dass Zeitungen offenbar noch nicht mal in der Lage sind bei recherchierten Artikeln einen Link auf die Quellen zu setzen und so den Leser in einem künstlichen Silo gefangenhalten – dass der bei Interesse sowieso das Angebot verlassen und die Suchmaschine der Wahl bemühen wird kann man eh nicht verhindern – zeugt wohl in erster Linie von Angst, den Leser an die Konkurrenz zu verlieren. Dies mag berechtigt sein, verkennt jedoch dass der Zusatznutzen für den Kunden oder den Fan eine enorme Komponente ist. Sicherlich: Dass der Kunde sich erstmal informiert und dann doch woanders kauft – im realen Geschäft kann man Dinge halt anfassen und anschauen bevor man dann zu Hause beim Internetshop bestellt – ist eine Gefahr, die man nie bannen können wird. Und wer sagt, dass dies nicht auch schon in Zeiten der Papierwerbung so gelaufen ist? Heutzutage bekommt man dieses Verhalten durch das Internet nur schneller mit.

Im Zeitalter des Kuratierens ist das Anbieten von Informationen wichtig. Auch das Anbieten von Informationen, die nicht aus der eigenen Quelle stammen – denn dadurch steigert sich die Attraktivität der Institution und der Firma. Sie zeigt, dass sie verstanden hat dass es nicht nur auf die permanente Glitzer-Darling-Darstellung ankommt sondern dass sie den Fan akzeptiert und respektiert. Denn schließlich bedient sich dieser Fan aus den diversen Angeboten und mixt sich zum einen seine eigene Informationszeitung zusammen – dies hat er allerdings auch schon analog gemacht, in dem er verschiedene Prospekte verglich, verschiedene Zeitungen und Zeitschriften im Abo hatte. Darüberhinaus kann der Fan als Kurator aber auch durch die Weitergabe und das Zusammenstellen von Informationen als Influencer, Meinungsführer zu einem Thema werden – der Markenbotschafter, der nicht nur loyal die Produkte kauft sondern sie auch weiterempfiehlt. Ein Wunsch, den jede Firma hat.

Als Institution muss ich mich im Zeitalter des Kuratierens von der Push-Kultur verabschieden. Ich muss dafür sorgen, dass ein ausgewähltes Gleichgewicht zwischen den Hinweisen aufs eigene Angebot, denn schließlich will ich ja immer noch ein Produkt verkaufen oder für mein Haus Publikum gewinnen, sowie fremden Inhalten herrscht. Darüberhinaus braucht es auch noch ein Klima der Offenheit – und des Respektes gegenüber dem Fan. Dann könnte es klappen: Die Darstellung der eigenen Marke im Zeitalter des Kuratierens jenseits der Push-Kultur.


Bloggertreffen im Museum Ludwig oder zweimal Comics in Köln

Das Schlimmste, was einem Twitterer passieren kann ist: Man hat bei einer Veranstaltung für Blogger, Twitterer und Kulturbegeisterte einfach kein Netz, während zwei Kuratoren und ein Comic-Zeichner neben und vor einem stehen und interessante Dinge zu Ausstellungen im Museum – und der anderen Ausstellung im anderen Museum :-) – und Comics zu sagen haben. In diesem Fall ist es gut, wenn man ein Blog hat. Weiterlesen


Wenn die Social-Media-Manager-Rolle mit der Privatperson-Rolle in Konflikt gerät…

Eine Binsenweisheit lautet: Wir alle wechseln täglich mindestens tausendfach von einer Rolle in die andere um mit dem Leben klarzukommen. Eine These, die im NLP genutzt werden kann, lautet zudem: Wir alle haben in uns verschiedene Teilpersönlichkeiten, die ab und an sich ins Gehege kommen ohne dass wir selbst das merken würden. Das berühmte Sich-Selbst-Torpedieren ebend. Ob man nun diese These annimmt oder nicht: Wer nicht zwischen der Rolle des Social Media Managers und seiner privaten unterscheiden kann, der wird beim Lesen von Postings in Foren den Puls halt auf 190 hochgejagdt bekommen. Weil er natürlich mit Herzblut und Engagement dabei ist um seine Sache, sein Produkt zu vertreten – und wie können da diese blöden Trolle behaupten, das Produkt sei schlecht, Tatsachenfälschungen aufstellen und überhaupt – die haben doch keine Ahnung.

Im Prinzip ist das identisch mit dem Konflikt den der normale Mitarbeiter hat, der im Betrieb facebooken darf und dann zu Hause mit dem persönlichen Profil feststellt, dass schlecht über den Arbeitgeber geredet wird und deshalb unbedingt privat diesen in Schutz nehmen muss. Gerade um diese Konfliktherde zu vermeiden – schließlich ist das weder für das persönliche Profil gut, noch für die Firma – gibt es Social Media Guidelines. Dass diese für die Mitarbeiter gelten, klar. Dass diese aber auch für denjenigen gelten, der sie verfasst hat, dass wird übersehen – als Profi steht man ja über den Dingen, da braucht man sowas doch nicht für sich selbst.

Als Social Media Manager muss ich mit Krisen und Problemen umgehen können. Ich bin aber hier in der Rolle des Beschäftigten einer Firma – eine Berufsrolle und verhalte mich dementsprechend. Nach Möglichkeit also nett, höflich, je nachdem wie das Wording festgelegt wurde nutze ich die Sprache etc. pp. In der Rolle des SMM sind mir diese Dinge geläufig, persönlich gemeinte Angriffe auf die Marke, das Produkt prallen von mir ab weil ich die “Ich bin jetzt nicht privat”-Rüstung anhabe. Natürlich darf ich als SMM auch eine persönliche Meinung von Dingen haben und vielleicht bin ich am Ende der Arbeitszeit so verdrossen und angespitzt, dass ich zu Hause mit meinem privaten Account Dinge schreibe, die ich persönlich gut vertreten kann, die der Firma allerdings schaden. Ein Posting in der Art von “Mein Gott, die sollen einfach mal die Klappe halten, die haben keine Ahnung von der Materie” im privaten Profil mag im ersten Moment angebracht sein – wenn ich natürlich keine Listen pflege und das auch alle sehen können, die wissen dass ich als Manager für ein Unternehmen unterwegs bin und die Eins und Eins zusammenzählen können – dann ist das nicht so günstig.

Es ist natürlich menschlich: Verdammt, das ist mein Produkt, da habe ich Liebe und Zeit reingesteckt und dann kommen diese Miestrolle daher und feuern ihre Wortkanonaden ab. Es ist aber besser sich daran zu erinnern: Die meinen nicht die private Person an sich. Also in der Regel zuerst nicht, wenn ich mich natürlich dumm verhalte schießen die auch auf Beziehungssebene meiner Botschaften. Die meinen die Sachebene, das Produkt, die Marke – ihnen passt die Farbe der Verpackung nicht oder die stellen falsche Tatsachenbehauptungen ins Netz – egal was. Die meckern halt über die Preise – wer meckert eigentlich nicht darüber im normalen Leben? ;-) oder über anderes.

Aber: Das geht mich privat gesehen rein gar nichts an. Null, nada, niente, nuscht.

Es wäre im Gegenteil höchstverkehrt sich auf einer persönlichen Ebene – ob nun vom Privataccount oder vom Firmenaccount – von Vorwürfen die Marke betreffend – nun – sich treffen zu lassen. Schlimmer wirds, wenn man beide Seiten vermischt und die Beziehungsebene der Botschaft auf die Sachebene der Botschaft antwortet und man zudem vergisst, dass man im Internet keine Gestik hat, keine Stimmlage, keinen Tonfall – kurz: All das was Watzlawick als analoge Ebene der Kommunikation bezeichnet fällt komplett raus. Eine normale Bemerkung mit einer ironischen verwechselt? Die nächsten Kommentarseiten sind garantiert spannend…

Insofern sollte man – auch wenn es natürlich mehr und mehr verschwimmt – eine Grenze zwischen Beruf und Freizeit ziehen. Als Admin mal aus dem Firmenaccount ausloggen bei Facebook und die rein private Timeline durchlesen und sich bewußt zu machen: “Ich bin jetzt persönlich hier oder sogar privat, was irgendjemand über die Firma äußert betrifft nun mich überhaupt nicht persönlich” ist hilfreich. Natürlich darf man sich aber die URL, die einem so privat unangenehm auffiel auch notieren und am nächsten Tag in der Arbeit genauer nachschauen, was da wer verbockt hat…


El Greco encore

El Greco - Apostle St Thomas - WGA10599

El Greco – Apostle St Thomas – WGA10599 (Photo credit: Wikipedia)

Bis zum 12.08. noch kann man sich im SMKP die Ausstellung “El Greco und die Moderne” anschauen. Dass der Maler nicht in Konflikt mit der Inquisition kam, kann man sich heutzutage nur schwer vorstellen – schließlich sind eine überdehnten Figuren nicht gerade konform mit dem, was man sonst von Tizian und Co gewohnt ist. Andererseits ist verständlich, dass die jungen Modernen von El Greco begeistert waren – die Dramatik der Farbgestaltung, die Behandlung des Raums – kein Wunder, dass Picasso und Co. von dem Maler begeistert waren.

Mich faszinieren – abgesehen mal von der Öffnung des fünften Siegels, der Entkleidung Christi und des dynmischsten Auferstehungsbildes der Christenheit wohl jemals, da ist alles in Bewegung: Christus selbst entstrebt nach oben, die römischen Legionäre sind im Fallen begriffen oder starren etwas verdutzt mit offener Gebärde in den Himmel – besonders die Apostelbilder. Der Heilige Thomas etwa, der Herr nebenan, hat eine sehr lange Nase, vom verlängertem Hals mal abgesehen – andere Apostel haben ebenfalls in ihren Gesichtern Merkwürdigkeiten, die zum Ideal eines Heiligen nun so gar nicht passen.

Wir sind als Bildergucker von Heiligen anderes gewöhnt. Unsere Vorstellungen von Heiligen-Darstellungen oder von Jesus sind ja eher die von “schönen” Menschen. Menschen, die ohne zu Zögern alle Runden von “Germanys Next Top Model” mit Leichtigkeit nehmen würden. Und diese Bilder gibts ja auch zu der Zeit von El Greco schon zu Hauf und wenn man sich die Heilige Maria von Magdala anschaut, die El Greco ja auch gemalt hat, dann ist die tatsächlich – nun – kitschig. Doch, doch, diese tränenvollen zum Himmel erhobenen Augen, die Inszenierung mit Himmel und so – das kommt Kitsch schon sehr nahe.

Warum also malt El Greco die Apostel so, wie er sie malt? Vielleicht weil er gerade den Aspekt des Menschlich-Seins betonen wollte. Die Apostel sind einfache Menschen, die ihr Leben bis zur Nachfolge mit anderen Dingen verbracht haben und vom Leben geprägt sind. Damit erdet El Greco – nicht nur mit den von ihm verwendeten Farben übrigens, der Hintergrund der Apostel-Bilder, die Farbe der Gesichter selbst, nur ab und an die Gewänder stechen farbig hervor – die Apostel. Es sind keine Schönheiten sondern Menschen mit Ecken und Kanten. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet sind El Grecos Apostel dann doch nicht seltsam.

 

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Chor ist cool! Fragt mal die BBC

Was passiert wenn die BBC eine Show namens “The Choir” macht? Och, nichts weiter – außer einem Nummer Eins Hit zu Weihnachten…

Mehr zur Geschichte bitte weiterlesen beim Best-Practice-Business-Blog.


Anachorete-Podcast 5: “Ich wünscht ich wär…”

Diesmal kein klassisches Märchen sondern ein gereimtes. Zudem ist es auch nicht uralt sondern, was Märchen anbetrifft, wohl eher brandnneu. Alexander und Marina von Halem vom Barockschloss, bekannt aus dem Social Web, haben hier zusammengearbeitet. Der Text stammt von Marina, im PDF gibt es dann noch Bilder von Alexander dazu. Das Ganze steht unter eine CC-Lizenz, wenn ich auch nicht weiß welche – und natürlich ist der Podcast wie immer auch selbst CC-lizenziert. Und noch eine Premiere: Das erste Mal Soundcloud. ;-)

Anachorete-Podcast 5 – “Ich wünscht, ich wär…”


ZDFkultur – Formate kurzbewertet

Da ich ZDF-Kultur nicht im Fernsehen anschauen kann, habe ich mir einen Einblick in die neuen Sendungen per Mediathek gegönnt. Vermutlich verpasse ich eine Unmenge an Kram, aber ich wollte immerhin mal schauen was da so neu und hip ist. Deswegen mal die ersten Sendungen kurzbewertet. Total subjektiv natürlich.

Die Pixelmacher – schon vom Vorspann her irgendwie merkwürdig nervig. Setzt sich mit dem Moderator Koch fort, der betont auf MTV-Frische macht, aber leider kein Charisma hat. Nervt. Eigentlich sehr interessante Beiträge – leider auf so auf betont jugendlichnah gemacht. Nichts, was ich länger ansehen möchte. Könnte sich eventuell entwickeln, vielleicht wechseln da die Moderatoren auch noch.

Delikatessen – ebenfalls nerviger Moderator. Aber da der in den knapp 30 Minuten Musikvideos zu einem Thema nicht viel zu sagen hat, erträglich. Whow. 30 Minuten Musikvideos am Stück. Da gabs mal Sender, die spielten sowas täglich rund um die Uhr…

on tape – Konzept klingt nicht schlecht: Die Sendung wird live ins Netz gestreamt, Kommentare können direkt per “Twitterwall” – oder ähnlich – abgegeben werden, livevideochat-Schaltung ist auch möglich. Das könnte hip sein, macht aber vermutlich nur live richtig Spaß. Wobei: Auch hier frage ich mich, wer die Moderatoren so auf extremst lässig und so getrimmt hat. Dieser Moderatorenstil scheint ja generell bei ZDFKultur gewollt zu sein. Nichts gegen lässig, ich mochte Charlotte Roche – aber die hatte immerhin noch intelligente Fragen. Scheint beim neuen Sender nicht so angesagt zu sein.

Der Marker – Ah! Intelligente Beiträge! Geht doch! Schön, mit den Moderatoren kann ich mich wohl nicht anfreunden – schon wieder so extremst lässig, seufz – aber immerhin gut gebaute Beiträge.

Bauernfeind – die Sendung scheint von 3Sat rübergewandert zu sein. Bei 3Sat habe ich sie immer verpasst muss ich gestehen, aber die gefällt mir bei den neuen ZDFKultur-Sendungen am Besten. Erstens: Ehrensenf-Moderatorin kann halt intelligente Fragen stellen. Zweitens sind die Beiträge auch gut gemacht und drittens – endlich mal nicht dieses hippige Gerumwusel. Die Wisch-Optik hat auch was für sich.

Fazit: Es mag an mir liegen, dass ich die Moderatoren mit ihrer betonten Lässigkeit – “hey, wir sind der junge Sender für Kultur! Wir müssen so sein, die Zielgruppe und der Sender will es so!” – nicht abkann. Vielleicht müssen die sich auch noch entwickeln, aber Nils Bokelberg mochte ich damals bei VIVA auch nicht. (Hach, VIVA2, du fehlst mir immer noch.) Von den Beiträgen her schwankts, was aber nicht verwundern darf, man kann ja nicht alles gut finden – wenns nicht gerade hippes Moderatorenreingerede ist, dann sind die Beiträge – Übermorgen.tv z.B. – auch gelungen. Vielleicht fische ich mir in Zukunft nur die Beiträge aus der Mediathek. Dank Internet habe ich ja die Wahl. ;-)


Buffy-Musikvideos

Es gibt Serien, die sind unverwüstlich – gut, ob “Doll House” dazugehört wird sich zeigen, wohl eher nicht so ganz, aber Joss Whedon hat mit “Buffy” eine Serie erfunden, die auch heute noch funktioniert. Vermutlich weil Whedon hier grundlegende Themen anspricht, die sowohl Teenager als auch Erwachsene miteinander teilen können. Dass zudem Fans zu den erstaunlichsten Dingen fähig sind, zeigt Youtube. Vor allem die Episode “Once more with Feeling” eignet sich perfekt dafür, live aufgeführt zu werden. Glaubt ihr nicht? Doch… ;-) Und nein, wenn ihr die Folge nicht so ganz kennt, nicht schlimm. Es ist eine der besten der ganzen Staffel – wobei die letzten beiden Staffeln von Buffy in der Mitte durchhängen, aber okay…

Xander und Anya – Heirat? Klar doch – wenn da nur diese kleinen Geheimnisse und Zweifel nicht wären. Aber besser, man redet nicht darüber: “Ich werds nicht erzählen, denn da gibts nichts zu erzählen.” Einer meiner Lieblingssongs.

Britische Studenten haben 2005 in Bognor Regis eine komplette Bühnenfassung der Episode produziert. Einige Szenen finden sich auf Youtube – ich hätte ja gerne auch die Anya-Xander-Fassung genommen, aber der Xander kann leider nicht singen. :-) Aber das hier ist ganz nett geworden, kurz vor Schluss…

Last, but not least: Duett Giles, Tara. Erstaunlich, was Fans alles tun…


Pergamon: Wachsamkeit von höchster Stelle

Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon

Wer in der Gegenwart das Wort „Akropolis“ hört verbindet es unweigerlich mit einer Stadt: Athen. Im 2. Jahrhundert nach Christus wäre diese Verbindung nicht so fest in den Köpfen gewesen, obwohl das den Bewohnern von Pergamnon sicherlich entgegengekommen wäre: Als „Neues Athen“ bezeichnet zu werden, das wäre durchaus etwas gewesen. Vorerst begnügte man sich aber mit dem Titel „Neokoros“ – der zweifachen Tempelpflegerin. Das allerdings auch erst nachdem der Trajantempel fertiggestellt war. Immerhin: Den Konkurrenzstädten Smyrna und Ephesos kam man mit diesem Titel einige Jahre zuvor.

Dabei bezeichnet der Begriff „Akropolis“ eigentlich die auf dem höchstgelegenen Teil einer griechischen Stadt gelegenen Festung. Meistens in Form einer Zitadelle – diese gab es nun nicht unbedingt in jeder griechischen Metropole, doch eine Akropolis als Bestandteil der Stadt gibt es in der Antike immer. Egal ob die Stadt dabei in eher flachem Terrain liegt oder nicht, die Akropolis muss einfach sein. Dabei entwickelt sich die antike Stadt dann in der Regel um diesen festen Ortskern, um die Zitadelle, herum – dies wird sich später in der europäischen Geschichte bei den Burgen wiederholen.

Denkt ein Bewohner des antiken Pergamons nun tatsächlich beim Begriff Akropolis an ein reales Gebäude – wobei der Name der Stadt ja schon eine solche impliziert, „Pergamos“ oder „Pergamon“ bedeutet in einer vorgriechischen Sprache ja schließlich „Burg“ oder „Festung. Der Bewohner des 2. Jahrhunderts nach Christus wird eventuell allenfalls an die sagenhafte Festung des Thelephaos, des Stadtgründers, gedacht haben, die sich auf dem Berg befunden haben soll. Mit Sicherheit wird er auf den Königspalast verwiesen haben, der oben über der Stadt thronte. Hauptsächlich aber ist die „Akropolis“ für ihn nur der Begriff für die Oberstadt von Pergamon. Dort, wo der Kaiserpalast und Tempelkult zu finden sind, die Bibliothek und das Theater. Und der ganz in weißem Marmor gehaltene Trajanstempel. Dass die Stadt sich damit besonders schmückt, ist nur logisch – politisch spielt die früher freie Stadt gar keine Rolle mehr und um sich gegenüber den Konkurrenten zu behaupten ist auch in der damaligen Zeit schon mehr als alles Recht.

Dabei spielte die Akropolis in Pergamons Geschichte lange Zeit die Hauptrolle – denn die Besiedlung begann vom Gipfel des Berges und erst nach und nach erstreckte sich die Stadt dann weiter nach Süden. Eumenes II. erweiterte dann die Stadt im unteren Berghang. Dadurch gab es zwei Gebäude in der Stadt: Einen auf der Akropolis und den Unteren Markt. Zwar konnten damals Waren durchaus auf der Hauptstraße nach oben gebracht werden, andererseits – warum sich die Mühe machen, wenn es ein neues Zentrum gibt, das leichter erreichbar ist? Wahrscheinlich diente nach dem Bau des Unteren Marktes der Obere Markt eher Repräsentations- oder Verwaltungszwecken – es gibt Beispiele dafür aus anderen Städten. Wissenschaftlich gesichert ist dies allerdings nicht. Da sich aber das Verhalten der Menschen nicht grundlegend verändert hat, wird hier sicherlich Bequemlichkeit vor Lastenschubserei gegangen sein.

Unser Freund Kyriates ist allerdings erst morgen so richtig in der Lage, sich die Herrlichkeiten – und natürlich den Altar der Stadt – der Oberstadt anzusehen. Er mag sicherlich schon einen Abstecher ins Gymnasion gemacht haben. Nicht so sehr um sportlich zu ertüchtigen sondern eher um zu erfahren, was man in der Stadt denkt – und für den neusten Tagesklatsch ist auch er sich nicht zu fein. Und schließlich gibt es vielleicht den ein oder anderen Geheimtipp. Schließlich hat Kyriates ja noch genügend Zeit für eine ausführliche Besichtigung.


Pergamon – die Terassenstadt

Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation einer Expedition nach Pergamon.

„Geliebter Phineas,

das Wichtigste zuerst: Unserem gemeinsamen Freund Neandros geht es gut und er lässt dich herzlich grüßen. Ich kann berichten, dass die Obhut der Asklepios-Priester ihm gut getan hat, der Heilschlaf hat seine Wirkung nicht verfehlt. Und aus diesen Zeilen kannst du ersehen, dass ich wohlbehalten angekommen bin. Wie schade, dass du, Phineas, zu Hause bleiben musstest – nun musst du halt meine Briefe und meine Lobgesänge über diese wunderbare Gegend ertragen. Und wunderbar ist diese Gegend tatsächlich. Vielleicht würdest du jetzt anmerken, dass du nichts Wunderbares an lauter Bergen und Geröll, bewachsen mit Buschwäldern, dornigen Halbsträuchern und Eichen finden würdest – aber doch, Phineas, lass dir gesagt sein: Diese Landschaft hat ihren eigenen Reiz. Bei meiner Wanderung durch das Kaikos-Tal, wenn die Sonne sich auf dem Wasser des Flusses spiegelt, wandte ich oft meine Augen hinauf zu den Bergen – ein andächtiges Gefühl war dann in meiner Brust und oftmals betete ich still zu Zeus, dem Göttervater.

Doch genug von meinen Schwärmereien – du kennst meine Vorliebe für die Natur ja nur zu gut – und zu meinen weiteren Plänen. Noch eine Nacht werde ich hier Neandros Gesellschaft leisten, dann jedoch drängt es mich hinauf zur Stadt, nach Pergamon. Viel habe ich schon über den Altar dort reden hören, jetzt muss ich ihn auch einmal sehen. Neandros berichtete zudem, dass der Tempel, der unter Kaiser Trajan begonnen wurde, sich der Vollendung naht. Diesen soll man jetzt schon von weitem sehen – eine Eigentümlichkeit der Stadt ist nämlich, dass diese sich terrassenförmig den Berg hinab erstreckt…“

Was Kyriatris, unser fiktiver Briefschreiber des 2. Jahrhunderts nach Christus hier wohl meint, ist die Tatsache, dass der Tempel, der unter dem römischen Kaiser Trajan begonnen und wohl unter seinem Nachfolger Hadrian vollendet werden wird, schon von weitem sichtbar ist. Vermutlich wird Kyriatris, dessen Sorge um die Gesundheit seines Freundes ihn zuerst in das Asklepios-Heiligtum weit draußen vor Pergamon führte, sich dort von den Strapazen der Reise ausgeruht haben. Es kann sein, dass unser Freund eine längere Bildungsreise eingeplant hatte und Milet, Ephesos und Smyrna besuchte um dann auf dem Kaikos hinauf nach Pergamon zu segeln. Das Anpreisen der Devotionalienhändler, die Abbilder von Händen, Fingern, Füßen oder anderen verwundeten Gliedmaßen anbieten, wird auf den übermüdeten Reisenden laut und aufdringlich gewirkt haben. Kranke, die auf Heilung hoffen, Gesunde, die mit ihren Votivtafeln die Segnungen des Asklepios – und dessen Priester – preisen – nein, nicht unbedingt das Richtige für eine Reise nach Pergamon, dem Sitz der Kultur.

Politisch hatte Pergamon zum Beginn des 2. Jahrhunderts schon längst keine Bedeutung mehr, war Teil der römischen Provinz Asia geworden. Das römische Weltreich erreichte im 2. Jahrhundert nach Christus seine größte Ausdehnung – vom Persischem Golf bis zum Atlantik, 100 Millionen Menschen Menschen wohnten, lebten und arbeiteten hier. Attalos III., der von 138 bis 133 v. Christus regierte, hatte in seinem Testament das Pergamonische Königreich den Römern vererbt. Die Übernahme war zwar mit einigen Reibungen vor sich gegangen, im Großen und Ganzen aber war Pergamon nur noch eine Metropolis unter vielen. Kulturell aber ist Pergamon im 2. Jahrhundert nach Christus alleine durch den Bau des Trajantempels, bei dessem Bau sich Kaiser Hadrian als Architekt wohl eingeschaltet haben mag, immer noch von Bedeutung. Kyriatris wird bei seinem Rundgang durch die Stadt den Eindruck einer wohlhabenden Metropole erlebt haben.

Hoffen wir, dass Kyriatris ein ausdauernder Mensch gewesen ist, aber selbst dann wird er des öfteren über die Lage der Stadt geflucht haben – die Hauptstraße, die sich mäandernd den Berg hinaufschraubt, die zahlreichen verwinkelten Gassen und Treppenstufen, ja, sogar zwei Märkte hatte Pergamon: einen Oberen und einen Unteren. Ab und an kommt es vor, dass in den engen Straßen keine zwei Esel mit Lasten auf den Rücken vorbeikommen – den Streit darüber, wer denn jetzt zurückweichen muss kann Kyriatris noch meterweit hören. Ächzend, stöhnend und schnaufend wird er sich am Stadtbrunnen erfrischt haben, ganz in der Nähe des Gymnasions.

Für die Stadtgeschichte an sich wird sich Kyriatris nicht interessiert haben. Ihm genügt es, dass es eine Oberstadt und eine Unterstadt gibt. Und dass der Weg verdammt weit ist bis nach oben. Immerhin: Die Mühe lohnt sich. Dort oben ist das kulturelle Zentrum – die Bibliothek, der Große Altar, das Trajaneum, das Theater, der Dionysos-Tempel. Die Herrscher von Pergamon sammelten übrigens Kunst wo sie nur konnten und einige von ihnen waren sogar als Autoren durchaus bekannt. Insofern war Pergamon politisch tatsächlich keine Größe mehr – aber für Kulturliebhaber war Pergamon das antike Mekka der Kunst. Kein Wunder daher, dass in dieser Stadt das Pergament erfunden wurde. Kyriatris geht hier das Herz auf: Nicht nur, dass der Fries des Großen Altars ein überwältigendes Kunstwerk ist, auf dem die Geschichte des Kampfes der Olympier gegen die Giganten erzählt wird – und bei dem Herakles eine große Rolle spielt, dessen Sohn Telephaos ja wiederum Pergamon gegründet haben soll – die Bibliothek allein enthält an die 200.000 Buchrollen und der im Bau befindliche Trajan-Tempel erst…

Die Mühe des Aufstiegs hat sich für Kyriatris gelohnt. An einem der zahlreichen Straßenläden kauft er Brot und Wein, wird sich in eine Exedra gesetzt haben, einen Raum mit Sitzbänken – und die Landschaft genossen haben. Es sei ihm gegönnt – wenngleich Kyriatris natürlich noch längst nicht alles gesehen hat, was die Stadt zu bieten hat. Aber das, das wird unser fiktiver Freund bestimmt auch noch in den nächsten Tagen nachgeholt haben. Auf seinem Programm steht als nächstes jedenfalls die Akropolis der Stadt.



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