Archiv der Kategorie: Allgemeines

Blogposting 05/14/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Gothaer2Know, Laurin und Podcast-Weltpremiere

Heute habe ich mal vergleichen können. Vergleichen zwischen dem Portal für das ich ab und an – wie der Macher meint auch leider viel zu wenig ;-) – schreibe und dessen Organisationsstruktur ich kenne und DEM Vorbild der kollaborativen Blogs im Ruhrpott. Stefan Laurin war nämlich als Keynote-Speaker heute in Köln beim Event der Gothaer anwesend. Und plauderte komplett ohne Manuskript darüber wie die Ruhrbarone organisiert sind. Endlich auch mal Gelegenheit Stefan Laurin persönlich zu erleben. Denn wir kennen uns eigentlich nur aus diesem Internet.

Eigentlich ging es ja um das Blog der Gothaer mit dem Namen Gothaer2Know sowie dem Podcast, dessen Weltpremiere wir heute erleben durften. Um Meinungen und Anregungen zu bekommen hatte die Gothaer nach Köln eingeladen. Was ich nicht schlecht fand: Dialogbereitschaft auf Augenhöhe ist für ein Blog unabdingbar, Köln als Medienstadt für die erste Veranstaltung dieser Art – Berlin und Hamburg meine ich folgen noch, steht aber auch im Gothaer-Blog – gut gewählt und Impulse mitzunehmen ist für beide Seiten immer wieder gut. Die anschließende Diskussion war jedenfalls auch gehaltvoll, wenn auch die Ansichten wie ein guter Podcast denn nun auszusehen habe nicht so ganz übereinstimmend zusammengelegt werden konnten – da muss die Gothaer halt ausprobieren. So wie wir alle das ja mal gemacht haben.

Alles im Fluss außer zwei Rubriken

Ich erzähle wohl nichts Neues in dieser Hinsicht: Bei den Ruhrbaronen gibt es nur feste Rubriken, die Links am Morgen und den Veranstaltungstipp, ansonsten ist nichts geplant – was am Tag erscheint weiß Stefan Laurin als Kopf des Ganzen oftmals gar nicht. Mich würde das als Macher zwar etwas beunruhigen hinsichtlich der rechtlichen Konsequenzen ehrlich gestanden, aber da ist jeder Mensch wohl anders. Das Blog wirft auch keine großartigen Gewinne ab, was reinkommt reicht für die laufenden Kosten, zu denen auch Abmahnungen gehören. Einmal im Jahr gibts eine Party, es gibt keine Redaktion und keinen Chefredakteur. Die Autoren haben ihre Zugänge und es gab bisher nur einmal den Fall, dass ein Autor nicht ganz zum Team passte. Nachträglich fiel mir auf, dass Stefan die Printausgabe nicht erwähnt hat – aber da es in erster Linie ums Blog ging… Luxus bei den Ruhrbaronen: Da sie nicht finanziell von irgendwas abhängig sind müssen sie auch nicht die Schlagzahl der Mitbewerber im Onlinebereich liefern. Wenn an einem Tag nichts passiert, dann steht nichts in den Ruhrbaronen – andere Blogs greifen für tägliche Inhalte dann auf die Blaulicht-Berichterstattung zurück. (Etwas ähnliches habe ich Anfang des Jahres ja auch schon in Dortmund gehört als es um die Einstellung der WZ ging: Blaulicht-Berichterstattung zeichnet einen Großteil der regionalen Blogs aus. Zu Beginn von Xtranews haben wir ja auch das Blog mit solchen Dingen bestückt, da gings aber auch um das Erzeugen von Grundrauschen.)

Es gibt nur wenige Fälle in denen die Macher wirklich von ihren Blogs leben können. Das liegt auch teilweise an der Sprache, weil deutsch nun mal nicht Weltsprache ist. Blogs sind eine Ergänzung der Medien und können das, was Zeitungen und Verlage liefern nicht auffangen. Die Entwicklungen im derzeitigen Markt sieht Laurin kritisch: Im Endeffekt steht die Demokratie auf dem Spiel wenn Zeitungen nach und nach dicht machen. Die Behauptung, die Tageszeitung an sich werde es nicht mehr geben hält er allerdings für eine waghalsige Hypothese und auch dass Verschlafen des Internets sei vielleicht nur scheinbar so. Verlage mit einer Rechtsabteilung können ihren Mitarbeitern den Rücken freihalten bei schwierigen Themen, nicht jedes Blog kann zudem Mitarbeiter in Ratsitzungen oder andere Veranstaltungen schicken. Was mich aufhorchen ließ: Laurin meinte, dass die Nachrichtenportale der großen Anbieter noch kostenfrei seien. Das Wörtchen “noch” lässt gewaltig viel Freiraum für eigene Gedanken… Kritisch sieht Laurin das, was man aktuell bei RedBull, Servus.TV oder Coca-Cola wiederfindet. Nennt sich Content Marketing, Storytelling, Content Curation – wie auch immer: Die Vermarktung von Inhalten, die nicht sauber zwischen PR und Journalismus getrennt sind.

Einschub: Ja, ich bin einer derjenigen die glaubt dass Tageszeitungen über Kurz oder Lang verschwinden werden. In der von uns gewohnten Form. Sicherlich wird’s Verlage auch weiterhin geben und wir werden weiterhin unsere Zeitung im Kasten haben – aber ich sehe jetzt schon dass Angebote wie der Lokalkompass – dahinter steht die Westdeutsche Verlags- und Werbegesellschaft mbH & Co. KG - mehr und mehr Leuten als reine Informationsquelle im Print reichen. Ob auch diese über kurz oder lang wegen des Einbruchs im Anzeigengeschäft im Print dahinsiechen werden ist die Frage. Ich glaube nicht, denn ich vermute mal die sind schon sehr, sehr auf Kosten-Nutzungs-Leistung hin optimiert. Dass Leuten auch das reicht, was Samstags den Briefkasten verstopft und die Plastikmeere anwächsen lässt muss man kritisch werten: Wer sich jedoch von den Kundenmagazinen wie Alverde von DM, dem Infoblatt von ALDI bestens unterhalten fühlt wird kaum bereit sein eine Tageszeitung noch zu kaufen. Vor allem dann – was aber jetzt zu weit führt – wenn die Tageszeitung vor Ort in erster Linie Agenturmaterial wiederkäut und die Qualität der Vor-Ort-Berichterstattung sinkt. Den Teufelskreis “Zu wenig Reporter – sinkende Qualität – zu wenig Verkäufer – zu wenig Gewinn – Personalentlassung – zu wenig Reporter” zu durchbrechen ist schwierig. Und am Beispiel von Dortmund kann man sehen was passiert wenn schlussendlich Redaktionen dichtgemacht werden: Was die Ruhrnachrichten – Zulieferer auch bei der Webseite vom DerWesten übrigens – nicht berichten, das passiert nicht.

Eine Lösung des Dilemmas kann ich nun auch nicht bieten. Allerdings: Wenn die WAZ vor Ort mit “noch näher am Lokalen” wirbt – wie Anfang des Jahres geschehen – sollte sie ihr Versprechen auch einhalten. Die Welt hat mal Bloggern gestattet eine Ausgabe zu der Zeitung zu gestalten. Nicht, dass ich das jetzt für toll finden würde, aber warum man nicht einfach mal wirklich die Kernkompetenzen des Lokalen hervorholt und vielleicht auf diesen Mantelquatsch verzichtet, den die Überregionalen oder die Nachrichtenagenturen besser können – keine Ahnung. Was wiederum nun nicht das Problem im Überregionalen Tagesgeschäft löst, da verlieren Zeitungen auch an Marktteilen. (Die TAZ ist ein Sonderfall, deswegen gilt die nicht.)
Wenn aber DIEZEIT verkündet, man habe die beste Auflage seit Jahren eingefahren, es zudem immer mehr Magazingründungen gibt – wenn auch  das Torrent-Magazin für Serielles Erzählen sich nicht lange im Print hielt, bin ich immer noch stolz drauf – und laut IVW-Zahlen Wochenzeitungen sich auch einigermaßen halten – dann ist da ein Trend, den man nicht übersehen kann finde ich. Kurz und gut: Wir werden irgendwann mal dahin kommen, dass Gratisblätter uns in der Woche alles liefern was wir an News brauchen. Dass das in Köln Ende der 90ger nicht so ganz geklappt hat, zugegeben. Dass diese Blätter dann nicht unbedingt guten Journalismus machen werden, zugegeben. Dass wir uns unsere Informationen dann aber lieber wieder gut sortiert, kritisch recherchiert und ausgewogen am Wochenende liefern lassen – das ist mehr als wahrscheinlich. (Ebenfalls denkbar: Dass wir per Push von Zeitungsverlagen immer dann was Neues auf unsere Cloudgeräte bekommen wenn ein für mich interessanter Autor, ein für mich interessantes Gebiet oder ähnlich Neuigkeiten für mich hat. Und was iPad und Co anbelangt stecken die Apps allesamt noch in den Kinderschuhen und auch hier hat ausgerechnet die Alverde-App vom DM die Nase vorn, auch wenn der noch Social Media Anbindungen fehlen.) Was Zeitungsverlage online tun oder nicht tun werden und wie da eine Finanzierung aussehen kann; dies ist eine schwere Frage und nicht leicht zu beantworten. Paywalls funktionieren nur bei besonderen Informationen einigermaßen. Ein Allheilmittel habe ich auch nicht, aber die Zeitung in dem Format wie wir sie kennen – egal ob 2 oder 6 Spalten – wird es nicht mehr lange geben.

Zielgruppe: Alle

Zurück zum Blog der Gothaer, das man sich ja mit obigem Link anschauen kann. Bißchen problematisch fand ich die Definition, dass es ein Blog für die “Zielgruppe Alle” sein soll. Hmm. Die “Zielgruppe Alle” ist schwer zu bedienen meiner Erfahrung nach und es kann dazu verleiten, dass das Blog zu beliebig wird weil jeder bedient werden soll und dann der rote Faden fehlt. Aber schön, vielleicht bilden sich da ja noch Themen raus die später dann als Kategorien eingetragen werden – laufen lernen muss jeder selber und Fehler kann man nie für andere machen. Schreiben sollen alle Mitarbeiter, die Lust haben und es möchten und man ist für alle Themen generell offen. Das ist schön, aber – wie man dann beim Diskutieren über den Podcast merkte – Google Glass ist zwar ein tolles Techie-Thema, fehlt der Bezug zum Unternehmen ist das aber auch nur Linkbaiting. (Über SEO haben wir übrigens gar nicht gesprochen, ebenso wenig habe ich vergessen nachzuhaken wie es denn mit Monitoring aussieht.) Die Gothaer wird Kritik dann auch – soweit sie bestimmte Grenzen nicht überschreitet – generell zulassen. Man darf gespannt sein, Versicherungen sind ein sehr schönes Reservoir für Trolle in den Kommentaren…

Generell gilt: Schauen wir mal wie sich das Ganze entwickeln wird. Dass man als Versicherung dem Kunden im “digitalem Lebensraum” begegnen muss ist logisch, ebenso schön die Erkenntnis dass der Kunde die Regeln für den Dialog setzt und nicht der Anbieter. Was letzten Endes aus dem Blog und dem Podcast wird, muss man abwarten. Und was die Ruhrbarone und Xtranews als Blogs betrifft – so viele Unterschiede gibts da wirklich nicht. Gut zu wissen.


Gestiefelter Kater oder Zeitungen und Werbebanner

Erinnern Sie sich noch an den Gestiefelten Kater aus “Shrek”? Im Original von Antonio Banderas gesprochen? Erinnern Sie sich auch noch an die Szene als der Kater mehrere Wachen aufhalten soll? Irgendwie fühle ich mich an diese Haltung des Gestiefelten Katers bei Zeitungen momentan enorm erinnert – nein, nicht weil ich glaube dass hinter dem süßen Äußeren eine knallharte Kampfstrategie folgt. Unwahrscheinlich. Nein, diese Bettel-Haltung erinnert enorm an das Verhalten, was Zeitungen jetzt an den Tag legen in Bezug auf Adblock. Nach dem Leistungsschutzrecht also jetzt das Betteln bei Internetusern.

Was die t3n also schon seit einiger Zeit macht, machen jetzt also auch einige Zeitungen: Sie werden wenn man das Programm Adblock benutzt einen penetrant damit nerven, dass man bitte die Software gegen Werbeeinblendungen doch abschalten möge. Denn – so stehts in der Pressemitteilung zur Kampagne, die ab dem 13. Mai startet – “Gegenwärtig verwenden jedoch etliche Nutzer Adblocker-Dienste. Dabei handelt es sich um Programme oder Programmzusätze zum Internetbrowser, die bei rund 25 Prozent aller Seitenaufrufe verhindern, dass Werbung ausgeliefert wird. Diese Werbeanzeigen sind jedoch die wichtigste Einnahmequelle von Nachrichten-Websites.

Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte…

Zeitungen – pardon, Newswebsites, Golem gehört ja auch dazu -  muss das Wasser bis an Unterkante Oberlippe stehen wenn sie es wirklich nötig haben Bettelbriefe zu schreiben. Wie der Gestiefelte Kater stehen sie da und gucken einen irgendwie unschuldig-süss an in der Hoffnung, dass auf sie gehört wird. Dabei hat Deuschland schon ein Leistungsschutzrecht, von dem in der Praxis aber bisher nicht so richtig etwas zu hören war in Bezug auf größere Abmahnungen, aufregende Prozesse oder Durchsetzung durch die Verlage generell. Das mag allerdings noch kommen. Nein, ein solcher Bettelbrief wirft natürlich kein gutes Licht. Dabei ist die Werbung an sich vermutlich gar nicht das Problem – es ist die Art und Weise wie sie eingesetzt wird. Nämlich alles andere als intelligent.

Momentan nervt penetrant eingesetzte Werbung den Nutzer im Netz halt. Er empfindet es nicht als Service sondern als Belästigung. Wenn man einmal den Adblocker abschaltet und sich Internetseiten mal beim normalen Surfen anschaut wird auch schnell verstehen warum. Manche Webseiten sind einfach nicht mehr bedienbar weil die Macher es einfach übertrieben haben. Intelligente Ansätze für Werbung oder Product Placement sind irgendwie Fehlanzeige – wir werden im Netz von Bannern niedergebrüllt, stumpfen ab und sind froh über Adblocker und Konsorten.

Mehrwert!

Dabei zeigt Buzzfeed doch auch, wie intelligente Einbindung von Werbung geht – wer dort wirbt, der muss Inhalte liefern, die beim Nutzer ankommen. In Form von kleinen Geschichten, die man sich gerne anschaut, in Form von einem Mehrwert für den Nutzer. Wir sind nicht mehr in der Mad-Men-Ära. Wir haben uns längst weiterentwickelt. Auch wenn Zeitungen und die Newswebseiten das ignorieren: Wir mögen Werbung – wir hassen es aber uns anschreien zu lassen. Vielleicht sollte man besser über neue intelligente Werbekonzepte nachdenken bevor man sich in die Verliererpose des Bittstellers begibt?


Blogposting 05/11/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Blogposting 04/21/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Blogposting 04/15/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Blogposting 04/04/2013

  • Reine Zahlenkolonnen nützen nichts finde die IT-Unke – es kommt auf den Menschen an, der sie interpretiert und filtert. Ist das aber beim Monitoring nicht immer so?

    tags: Big Data

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Das böse Wort mit M

Macht ein Baum im Wald eigentlich auch noch ein Geräusch, wenn keiner da ist der es hören kann? Vermutlich ja, aber wenn das Umfallen keiner wahrnimmt ist der Effekt des Baumniederkrachens wohl eher nutzlos. Wenn ich eine gute Webseite habe und keiner weiß, dass es sie gibt ist das schon eine andere Ebene. Dann brauche ich vermutlich nicht nur das böse Wort mit W sondern eigentlich auch das böse Wort mit M.

Eine Welt, in der wir nicht wissen welche Vorzüge welche Marke oder welches Produkt hat wäre möglich. Himmlisch: Keine Flyer im Briefkasten, leere oder gar nicht mal existierende Plakatwände, keine Anzeigen in den Zeitungen – keine Hinweise auf die kommenden Filme – keine Möglichkeit sich zu informieren – im Supermarkt wären die Verpackungen alle gleich, denn natürlich ist das Design und die Machart der Beschriftung schon hinweisgebend – unsere Lieblingsflocken zu ergattern wäre Zufall, weil wir nicht wüßten in welchem Gefäß die wären… Nach Feierabend wüßten wir auch nicht welche Partys wo stattfinden würden, welche Bands wo spielten, wüßten nicht was auf der Speisekarte des Restaurants steht bevor wir dorthin gehen… Also eine Welt ohne Anpreisung von Marken und deren Vorzügen wäre natürlich möglich, die Naturvölker in Papua-Neuginea oder anderen Kontinenten kommen ja auch ohne aus – aber moment, wenn die auf den Markt gehen und etwas verkaufen möchten werden sie vermutlich auch sowas sagen wie “Frische Fische! Die schwammen gerade noch im Fluss, seht nur, wie schön die Augen und Flossen sind”. Warum habe ich das Gefühl, dass wir weder dem Einen noch dem Anderen wirklich entkommen können? Selbst in Klöstern gibts das oder warum stehen da sonst Figuren von Heiligen und wird in Bildern erzählt was in der Bibel vorkommt? Gut, vielleicht irgendwo in einem buddhistischen Kloster in Tibet – aber auch da gibts Buddha-Statuen in der Regel, die ein Prinzip verkörpern und deutlich machen. Vermutlich kann man mich leicht widerlegen, daher tue man das bitte auch in den Kommentaren, aber ich glaube es gibt tatsächlich keinen Ort wo wir den beiden bösen Wörtern entkommen können.

Klappern gehört zum Handwerk

Beim Handwerk vermutlich noch eh im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ich eine Dienstleistung anbiete – ob nun zum Zwecke der Gewinnerzielung oder weil ich einfach Spaß daran habe – brauche ich heutzutage das erste böse Wort – Werbung – vielleicht auch noch das zweite Böse Wort – Marketing – und darüberhinaus noch ein drittes böses Wort – Public Relation. Warum sind diese Wörter böse? Es sind ja nicht die Dinge, die gut oder böse sind sondern die Gedanken, die wir uns über sie machen – und die Vorstellungen und Erfahrungen, die an diese Wörter geknüpft sind. Werbung ist böse weil – ja – weil sie uns belästigt, sich uns aufdringt, weil sie penetrant versucht unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen, weil sie lügt, etc. pp. Oh, Marketing ist noch viel schlimmer! Marketing ist ja noch eine Stufe höher und viel subtiler! Und Public Relations erst! Da wird ja gelogen und betrogen, also das macht doch kein Mensch. Wie, ich und Werbung und PR und Marketing? Nein, damit habe ich selbstverständlich nichts zu tun, ich bin ein anständiger Mensch.  - Okay. Und warum schminken sich Frauen die Lippen?

Es ist natürlich nicht alles Gold was glänzt und es steht mir fern jetzt diese beiden drei Wörter gutzuschreiben – vielleicht tut es uns allen aber mal ganz gut einen Schritt zurückzugehen und mal drüber nachzudenken ob Werbung, Marketing und Public Relation per se böse oder per se gut sind. Wenn jemand aus einer Public Relation Abteilung behauptet, in erster Linie gehe es doch nicht um irgendwelche Optimierungsmaßnahmen sondern um Beziehungsaufbau und -pflege – dann hat er zwar Recht, aber wenn ich dann sehe dass die Institution für die der Mensch arbeitet alles daransetzt gerade so etwas nicht zu machen sondern nur – das ist legitim, man missverstehe mich nicht – eigene Inhalte an den Mann zu bringen und keinen Rückkanal einbaut; dann frage ich mich ja ernsthaft ob man den Unterschied zwischen Anspruch und Realität nicht sehen möchte oder einfach betriebsblind geworden ist.

Die Botschaft weiterverbreiten

Wer eine Botschaft hat möchte in der Regel gehört werden. Zu Zeiten Jesu reicht das noch, wenn es rein viral passierte – wie Judas bei Jesus Christ Superstar ironisch anmerkt gabs zu Jesu Zeiten nun keine Massenkommunikationsmedien. Auch das war Werbung. Virale Werbung mit Storytelling und etlichen Public Relation Stunts, die sich Wunder nennen. Und ob die Wunder wirklich wörtlich zu nehmen sind oder vielleicht doch nur eine Ausschmückung zu Werbezwecken waren – wer weiß. Im Grunde hat sich da nicht allzuviel verändert scheints. Und die Briefe von Paulus oder anderen Autoren sind ja auch nicht frei von Werbung. Werbung für die frohe Nachricht…Ja, Marketing, Werbung und Public Relation haben für einige den Anruch des Unseriösen, das ist halt irgendwas was man machen muss weil man ohne diese drei Wörter leider, leider, leider nicht die eigene Botschaft verbreitet bekommt. Das ist alles so merkwürdig unseriös, so verdächtig auf Verkaufe eingerichtet – und Verkaufen, nein, das möchten wir doch in unseren Netzwerken nicht. Uns selbst irgendwie darstellen, klar, wir wollen ja dann gefunden werden, aber PR? Igitt. Aha: Man möchte gefunden werden, man möchte die Botschaft des Unternehmens, das nächste Konzert, die nächste Party verbreiten – aber bitteschön nicht mit Werbung, PR oder Marketing? Wie soll das denn funktionieren? Nein, die Antwort habe ich parat: Das funktioniert natürlich gar nicht, dann fällt der Baum zwar mit Geräusch im Wald um ohne dass es jemand bemerkt.

Die Methoden sind nicht an sich etwas, wir machen sie erst zu etwas

Werbung nervt mich auch ab und an. Wenn sie unintelligent eingesetzt wird und mir das Leben schwer macht. Marketing-Kampagnen nerven mich auch – Prominente, die irgendwelche Reiseportale anpreisen auf Plakaten und in der Bewegtbild-Werbung sind doof. Public Relation Mitteilungen aka Pressemitteilungen, die im ersten Satz mit “Wußten Sie schon” oder “Endlich ist es soweit” anheben werden von mir sofort ignoriert. Oder zumindest mit einem Minuszeichen für schlechten Stil bedacht.
Aber das macht nichts – es gibt ja auch die tollen Kampagnen, es gibt die begeisternd formulierten Mitteilungen, es gibt die wunderbarste intelligente Werbung – einmal Super-Bowl-Spots gucken und man weiß, dass es gute Werbung gibt. Insofern: Ja – es gibt diese beiden Seiten der Medaille und ja, auch mich nervts ab und an.

Allerdings liegts doch im Endeffekt an einem selbst. Oder an dem Team, das für eine Unternehmung arbeitet. Natürlich kann ich irgendwelche Katzenphotos bei Facebook posten, die nichts mit mir oder meinem Unternehmen zu tun hat – ich kann aber auch die Inhalte, die ich verbreiten möchte intelligent und spannend machen. Ich kann natürlich nur die reine Push-Mentalität vertreten, ich kann aber auch dafür sorgen dass es einen Rückkanal gibt; sogar kann die Einstellung dass Scheitern nicht schlimm sein muss könnte man in der PR verankern. Natürlich ist Kritik angebracht wenn etwas falsch läuft – aber Marketing ist nur eine Methode. Werbung ist nur eine “platonische Idee” – ebenso wie Public Relation natürlich darauf abzielt eine Botschaft entsprechend zu verbreiten. Die Botschaft ist die Botschaft. Wenn ich gehört werden möchte, sollte ich sie auch so verpacken dass sie ankommt; dabei kann man lügen. Man muss es aber nicht.


Follow-Friday: Ein Plädoyer gegen das Bündelempfehlen

@micah ist Schuld. Eindeutig. Ohne ihn würden wir Twitterer an Freitagen keine Empfehlungen twittern. 2009 hat Micah damit am 16. Januar angefangen – es könnte ein Freitag gewesen sein. Mittlerweile ist der Follow-Friday unverzichtbar. Wenn man denn nicht dauernd diese Bündelempfehlungen in der Timeline hätte wäre das Ganze auch heute noch ein Genuss.

Jeder Twitterer hat diese Bündelempfehlungen schon mal gesehen: In einem Tweet – möglichst nach dem Hashtag #ff – folgen einfach aufgereiht Twitternamen nacheinander. Manchmal steht sowas wie “Ruhrgebiet!” oder “Duisburg!” noch dabei als minimalen Themenbezug. Immerhin mehr als nichts: Der Leser weiß dann – aha, das sind Twitterer aus Duisburg. Oder aus dem Ruhrgebiet. Wenn ich also im Norden wohne brauche ich mir die gar nicht anzusehen. Wohne ja nicht in Duisburg sondern in Hamburg. Dass ich allerdings einige gute Informationsquellen verpasse wenn ich so denke ist eine Schlussfolgerung, die nicht unbedingt jeder zieht.

Ich folge allem, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist?

Irgendwie hat sich das in der letzten Zeit geändert mit dem Follow-Friday. Denn früher gabs diese Bündelempfehlungen zwar auch, es dominierte aber eher der Typ von liebevoll geschriebener Empfehlung warum man demjenigen folgen sollte. Da das vermutlich keiner mehr kennt konstruiere ich jetzt mal was: “Ich folge @gestalterhuette weil der immer weiß, was im Social Web los ist. #ff” – jetzt meckert bitte nicht rum wenn das 140 Zeichen überschreitet, darum gehts nicht, es ist ja nur ein Beispiel.

Das hat sich jetzt gewandelt: Beim Follow-Friday bekomme ich ja nur noch diese Bündelempfehlungen – lauter Twitteraccounts von Leuten, die ich nicht kenne – also manchmal kenne ich die alle schon, aber man kann nicht alle kennen – und bei denen ich mich frage: Okay – die werden mir jetzt wegen was empfohlen? Ihr verlangt wirklich, dass ich jetzt alle Twitternamen der Reihe anklicke, mir das Profil anschaue, zurückblättere was die getwittert haben und dann auf Follow klicke? Bei fünf, sechs, sieben, acht Namen? In der Zeit habe ich wertvolle Blogeinträge geschrieben, bei Facebook die Welt gerettet und mit Twitterern über Platons Höhlengleichnis philosophiert.

An der eigenen Nase ziehen!

Aber moment – ich retweete doch auch diese ganzen merkwürdigen Bündelempfehlungen weiter? Und tue ich das auch wenn ich für Unternehmen arbeite? Ja. Bei Unternehmen ist das tatsächlich etwas Anderes – wenn am Freitag die Timeline nur von lauter einzelnen FF-Empfehlungen dominiert wird schreckt das die Nutzer wohl eher ab. Das gerät dann tatsächlich etwas ins Spammige. Schließlich gebietet es auch die Höflichkeit sich zu bedanken – und ich kann nicht bei den ganzen Bündelempfehlungen bei einem Unternehmen mich bei jedem einzelnen bedanken weil – genau – und wenn die Timeline dann auf der Homepage eingebettet sein sollte sieht das ja auch völlig bescheuert aus…

Da kann man also nichts machen. Und ehrlich gestanden: Persönlich könnte ich das Ganze zwar entwirren, aber dann ist in meiner Timeline am Freitag ja alles nur noch mit #ff voll. Da ist mir dann ein Tweet mit vielen Namen lieber als wenn ich 20 oder 30 Einzeltweets in die Timline mit “Danke für den #ff” packe. Vielleicht finde ich auch da noch eine optimale Lösung – aber wer mich kennt weiß, dass ich keine Bündelempfehlungen schreibe. So aktiv.  Also immerhin etwas.

Dennoch: Besser gut begründet als zuviel gebündelt

So praktisch auch Bündelempfehlungen sind, so schnell Twitter auch ist: Mir ist eine Einzelbegründung lieber denn sie beweist, dass ich mir Gedanken gemacht habe – oder der Mensch, der sie formuliert hat. Dass ich mich mit dem Menschen und seinen Themen beschäftige und dass ich mir etwas gedacht und etwas überlegt habe, warum andere Leute diesem Menschen folgen sollen. Das hat meines Erachtens etwas mit Respekt zu tun. Und auch etwas mit Herzblut. Das geht beim Erstellen von Namensketten habe ich den Eindruck etwas verloren. Was schade ist. Und wenn man keine Zeit hat: Ein Retweet von einem Twitterer, den man mag ist auch eine Empfehlung. Vielleicht sogar die Beste. Und das kann man nicht nur an einem Freitag machen…


SIO und Authentizität oder die inszenierte Authentizität

Dies ist ein Beitrag in der Reihe “SIO für Kepia” – alle gesammelten Artikel finden sich auf der Übersichtsseite hier im Blog.

Nachdem ich am #Twonnerstag das Gebiet des SIO vorstellen durfte – dabei habe ich nur etwas an der Oberfläche gekratzt, zugegeben, aber ich glaube es ist schon deutlich geworden was SIO ist und soll kam die Frage aus dem Publikum, ob SIO mit der Hilfe von Automatismen nicht generell dem entgegensteht was Social Media an sich sein soll: Authentisch, transparent, respektvoll. Weiterlesen


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.