Archiv des Autors: Christian Spließ

Blogposting 05/14/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Gothaer2Know, Laurin und Podcast-Weltpremiere

Heute habe ich mal vergleichen können. Vergleichen zwischen dem Portal für das ich ab und an – wie der Macher meint auch leider viel zu wenig ;-) – schreibe und dessen Organisationsstruktur ich kenne und DEM Vorbild der kollaborativen Blogs im Ruhrpott. Stefan Laurin war nämlich als Keynote-Speaker heute in Köln beim Event der Gothaer anwesend. Und plauderte komplett ohne Manuskript darüber wie die Ruhrbarone organisiert sind. Endlich auch mal Gelegenheit Stefan Laurin persönlich zu erleben. Denn wir kennen uns eigentlich nur aus diesem Internet.

Eigentlich ging es ja um das Blog der Gothaer mit dem Namen Gothaer2Know sowie dem Podcast, dessen Weltpremiere wir heute erleben durften. Um Meinungen und Anregungen zu bekommen hatte die Gothaer nach Köln eingeladen. Was ich nicht schlecht fand: Dialogbereitschaft auf Augenhöhe ist für ein Blog unabdingbar, Köln als Medienstadt für die erste Veranstaltung dieser Art – Berlin und Hamburg meine ich folgen noch, steht aber auch im Gothaer-Blog – gut gewählt und Impulse mitzunehmen ist für beide Seiten immer wieder gut. Die anschließende Diskussion war jedenfalls auch gehaltvoll, wenn auch die Ansichten wie ein guter Podcast denn nun auszusehen habe nicht so ganz übereinstimmend zusammengelegt werden konnten – da muss die Gothaer halt ausprobieren. So wie wir alle das ja mal gemacht haben.

Alles im Fluss außer zwei Rubriken

Ich erzähle wohl nichts Neues in dieser Hinsicht: Bei den Ruhrbaronen gibt es nur feste Rubriken, die Links am Morgen und den Veranstaltungstipp, ansonsten ist nichts geplant – was am Tag erscheint weiß Stefan Laurin als Kopf des Ganzen oftmals gar nicht. Mich würde das als Macher zwar etwas beunruhigen hinsichtlich der rechtlichen Konsequenzen ehrlich gestanden, aber da ist jeder Mensch wohl anders. Das Blog wirft auch keine großartigen Gewinne ab, was reinkommt reicht für die laufenden Kosten, zu denen auch Abmahnungen gehören. Einmal im Jahr gibts eine Party, es gibt keine Redaktion und keinen Chefredakteur. Die Autoren haben ihre Zugänge und es gab bisher nur einmal den Fall, dass ein Autor nicht ganz zum Team passte. Nachträglich fiel mir auf, dass Stefan die Printausgabe nicht erwähnt hat – aber da es in erster Linie ums Blog ging… Luxus bei den Ruhrbaronen: Da sie nicht finanziell von irgendwas abhängig sind müssen sie auch nicht die Schlagzahl der Mitbewerber im Onlinebereich liefern. Wenn an einem Tag nichts passiert, dann steht nichts in den Ruhrbaronen – andere Blogs greifen für tägliche Inhalte dann auf die Blaulicht-Berichterstattung zurück. (Etwas ähnliches habe ich Anfang des Jahres ja auch schon in Dortmund gehört als es um die Einstellung der WZ ging: Blaulicht-Berichterstattung zeichnet einen Großteil der regionalen Blogs aus. Zu Beginn von Xtranews haben wir ja auch das Blog mit solchen Dingen bestückt, da gings aber auch um das Erzeugen von Grundrauschen.)

Es gibt nur wenige Fälle in denen die Macher wirklich von ihren Blogs leben können. Das liegt auch teilweise an der Sprache, weil deutsch nun mal nicht Weltsprache ist. Blogs sind eine Ergänzung der Medien und können das, was Zeitungen und Verlage liefern nicht auffangen. Die Entwicklungen im derzeitigen Markt sieht Laurin kritisch: Im Endeffekt steht die Demokratie auf dem Spiel wenn Zeitungen nach und nach dicht machen. Die Behauptung, die Tageszeitung an sich werde es nicht mehr geben hält er allerdings für eine waghalsige Hypothese und auch dass Verschlafen des Internets sei vielleicht nur scheinbar so. Verlage mit einer Rechtsabteilung können ihren Mitarbeitern den Rücken freihalten bei schwierigen Themen, nicht jedes Blog kann zudem Mitarbeiter in Ratsitzungen oder andere Veranstaltungen schicken. Was mich aufhorchen ließ: Laurin meinte, dass die Nachrichtenportale der großen Anbieter noch kostenfrei seien. Das Wörtchen “noch” lässt gewaltig viel Freiraum für eigene Gedanken… Kritisch sieht Laurin das, was man aktuell bei RedBull, Servus.TV oder Coca-Cola wiederfindet. Nennt sich Content Marketing, Storytelling, Content Curation – wie auch immer: Die Vermarktung von Inhalten, die nicht sauber zwischen PR und Journalismus getrennt sind.

Einschub: Ja, ich bin einer derjenigen die glaubt dass Tageszeitungen über Kurz oder Lang verschwinden werden. In der von uns gewohnten Form. Sicherlich wird’s Verlage auch weiterhin geben und wir werden weiterhin unsere Zeitung im Kasten haben – aber ich sehe jetzt schon dass Angebote wie der Lokalkompass – dahinter steht die Westdeutsche Verlags- und Werbegesellschaft mbH & Co. KG - mehr und mehr Leuten als reine Informationsquelle im Print reichen. Ob auch diese über kurz oder lang wegen des Einbruchs im Anzeigengeschäft im Print dahinsiechen werden ist die Frage. Ich glaube nicht, denn ich vermute mal die sind schon sehr, sehr auf Kosten-Nutzungs-Leistung hin optimiert. Dass Leuten auch das reicht, was Samstags den Briefkasten verstopft und die Plastikmeere anwächsen lässt muss man kritisch werten: Wer sich jedoch von den Kundenmagazinen wie Alverde von DM, dem Infoblatt von ALDI bestens unterhalten fühlt wird kaum bereit sein eine Tageszeitung noch zu kaufen. Vor allem dann – was aber jetzt zu weit führt – wenn die Tageszeitung vor Ort in erster Linie Agenturmaterial wiederkäut und die Qualität der Vor-Ort-Berichterstattung sinkt. Den Teufelskreis “Zu wenig Reporter – sinkende Qualität – zu wenig Verkäufer – zu wenig Gewinn – Personalentlassung – zu wenig Reporter” zu durchbrechen ist schwierig. Und am Beispiel von Dortmund kann man sehen was passiert wenn schlussendlich Redaktionen dichtgemacht werden: Was die Ruhrnachrichten – Zulieferer auch bei der Webseite vom DerWesten übrigens – nicht berichten, das passiert nicht.

Eine Lösung des Dilemmas kann ich nun auch nicht bieten. Allerdings: Wenn die WAZ vor Ort mit “noch näher am Lokalen” wirbt – wie Anfang des Jahres geschehen – sollte sie ihr Versprechen auch einhalten. Die Welt hat mal Bloggern gestattet eine Ausgabe zu der Zeitung zu gestalten. Nicht, dass ich das jetzt für toll finden würde, aber warum man nicht einfach mal wirklich die Kernkompetenzen des Lokalen hervorholt und vielleicht auf diesen Mantelquatsch verzichtet, den die Überregionalen oder die Nachrichtenagenturen besser können – keine Ahnung. Was wiederum nun nicht das Problem im Überregionalen Tagesgeschäft löst, da verlieren Zeitungen auch an Marktteilen. (Die TAZ ist ein Sonderfall, deswegen gilt die nicht.)
Wenn aber DIEZEIT verkündet, man habe die beste Auflage seit Jahren eingefahren, es zudem immer mehr Magazingründungen gibt – wenn auch  das Torrent-Magazin für Serielles Erzählen sich nicht lange im Print hielt, bin ich immer noch stolz drauf – und laut IVW-Zahlen Wochenzeitungen sich auch einigermaßen halten – dann ist da ein Trend, den man nicht übersehen kann finde ich. Kurz und gut: Wir werden irgendwann mal dahin kommen, dass Gratisblätter uns in der Woche alles liefern was wir an News brauchen. Dass das in Köln Ende der 90ger nicht so ganz geklappt hat, zugegeben. Dass diese Blätter dann nicht unbedingt guten Journalismus machen werden, zugegeben. Dass wir uns unsere Informationen dann aber lieber wieder gut sortiert, kritisch recherchiert und ausgewogen am Wochenende liefern lassen – das ist mehr als wahrscheinlich. (Ebenfalls denkbar: Dass wir per Push von Zeitungsverlagen immer dann was Neues auf unsere Cloudgeräte bekommen wenn ein für mich interessanter Autor, ein für mich interessantes Gebiet oder ähnlich Neuigkeiten für mich hat. Und was iPad und Co anbelangt stecken die Apps allesamt noch in den Kinderschuhen und auch hier hat ausgerechnet die Alverde-App vom DM die Nase vorn, auch wenn der noch Social Media Anbindungen fehlen.) Was Zeitungsverlage online tun oder nicht tun werden und wie da eine Finanzierung aussehen kann; dies ist eine schwere Frage und nicht leicht zu beantworten. Paywalls funktionieren nur bei besonderen Informationen einigermaßen. Ein Allheilmittel habe ich auch nicht, aber die Zeitung in dem Format wie wir sie kennen – egal ob 2 oder 6 Spalten – wird es nicht mehr lange geben.

Zielgruppe: Alle

Zurück zum Blog der Gothaer, das man sich ja mit obigem Link anschauen kann. Bißchen problematisch fand ich die Definition, dass es ein Blog für die “Zielgruppe Alle” sein soll. Hmm. Die “Zielgruppe Alle” ist schwer zu bedienen meiner Erfahrung nach und es kann dazu verleiten, dass das Blog zu beliebig wird weil jeder bedient werden soll und dann der rote Faden fehlt. Aber schön, vielleicht bilden sich da ja noch Themen raus die später dann als Kategorien eingetragen werden – laufen lernen muss jeder selber und Fehler kann man nie für andere machen. Schreiben sollen alle Mitarbeiter, die Lust haben und es möchten und man ist für alle Themen generell offen. Das ist schön, aber – wie man dann beim Diskutieren über den Podcast merkte – Google Glass ist zwar ein tolles Techie-Thema, fehlt der Bezug zum Unternehmen ist das aber auch nur Linkbaiting. (Über SEO haben wir übrigens gar nicht gesprochen, ebenso wenig habe ich vergessen nachzuhaken wie es denn mit Monitoring aussieht.) Die Gothaer wird Kritik dann auch – soweit sie bestimmte Grenzen nicht überschreitet – generell zulassen. Man darf gespannt sein, Versicherungen sind ein sehr schönes Reservoir für Trolle in den Kommentaren…

Generell gilt: Schauen wir mal wie sich das Ganze entwickeln wird. Dass man als Versicherung dem Kunden im “digitalem Lebensraum” begegnen muss ist logisch, ebenso schön die Erkenntnis dass der Kunde die Regeln für den Dialog setzt und nicht der Anbieter. Was letzten Endes aus dem Blog und dem Podcast wird, muss man abwarten. Und was die Ruhrbarone und Xtranews als Blogs betrifft – so viele Unterschiede gibts da wirklich nicht. Gut zu wissen.


Gestiefelter Kater oder Zeitungen und Werbebanner

Erinnern Sie sich noch an den Gestiefelten Kater aus “Shrek”? Im Original von Antonio Banderas gesprochen? Erinnern Sie sich auch noch an die Szene als der Kater mehrere Wachen aufhalten soll? Irgendwie fühle ich mich an diese Haltung des Gestiefelten Katers bei Zeitungen momentan enorm erinnert – nein, nicht weil ich glaube dass hinter dem süßen Äußeren eine knallharte Kampfstrategie folgt. Unwahrscheinlich. Nein, diese Bettel-Haltung erinnert enorm an das Verhalten, was Zeitungen jetzt an den Tag legen in Bezug auf Adblock. Nach dem Leistungsschutzrecht also jetzt das Betteln bei Internetusern.

Was die t3n also schon seit einiger Zeit macht, machen jetzt also auch einige Zeitungen: Sie werden wenn man das Programm Adblock benutzt einen penetrant damit nerven, dass man bitte die Software gegen Werbeeinblendungen doch abschalten möge. Denn – so stehts in der Pressemitteilung zur Kampagne, die ab dem 13. Mai startet – “Gegenwärtig verwenden jedoch etliche Nutzer Adblocker-Dienste. Dabei handelt es sich um Programme oder Programmzusätze zum Internetbrowser, die bei rund 25 Prozent aller Seitenaufrufe verhindern, dass Werbung ausgeliefert wird. Diese Werbeanzeigen sind jedoch die wichtigste Einnahmequelle von Nachrichten-Websites.

Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte…

Zeitungen – pardon, Newswebsites, Golem gehört ja auch dazu -  muss das Wasser bis an Unterkante Oberlippe stehen wenn sie es wirklich nötig haben Bettelbriefe zu schreiben. Wie der Gestiefelte Kater stehen sie da und gucken einen irgendwie unschuldig-süss an in der Hoffnung, dass auf sie gehört wird. Dabei hat Deuschland schon ein Leistungsschutzrecht, von dem in der Praxis aber bisher nicht so richtig etwas zu hören war in Bezug auf größere Abmahnungen, aufregende Prozesse oder Durchsetzung durch die Verlage generell. Das mag allerdings noch kommen. Nein, ein solcher Bettelbrief wirft natürlich kein gutes Licht. Dabei ist die Werbung an sich vermutlich gar nicht das Problem – es ist die Art und Weise wie sie eingesetzt wird. Nämlich alles andere als intelligent.

Momentan nervt penetrant eingesetzte Werbung den Nutzer im Netz halt. Er empfindet es nicht als Service sondern als Belästigung. Wenn man einmal den Adblocker abschaltet und sich Internetseiten mal beim normalen Surfen anschaut wird auch schnell verstehen warum. Manche Webseiten sind einfach nicht mehr bedienbar weil die Macher es einfach übertrieben haben. Intelligente Ansätze für Werbung oder Product Placement sind irgendwie Fehlanzeige – wir werden im Netz von Bannern niedergebrüllt, stumpfen ab und sind froh über Adblocker und Konsorten.

Mehrwert!

Dabei zeigt Buzzfeed doch auch, wie intelligente Einbindung von Werbung geht – wer dort wirbt, der muss Inhalte liefern, die beim Nutzer ankommen. In Form von kleinen Geschichten, die man sich gerne anschaut, in Form von einem Mehrwert für den Nutzer. Wir sind nicht mehr in der Mad-Men-Ära. Wir haben uns längst weiterentwickelt. Auch wenn Zeitungen und die Newswebseiten das ignorieren: Wir mögen Werbung – wir hassen es aber uns anschreien zu lassen. Vielleicht sollte man besser über neue intelligente Werbekonzepte nachdenken bevor man sich in die Verliererpose des Bittstellers begibt?


Blogposting 05/11/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


SIO Lektüreempfehlung “Höllenritt Wahlkampf” von Frank Stauss

Dass es natürlich für SIO noch kein Standardwerk geben kann ist einleuchtend – dazu ist SIO an sich noch zu neu und in den Anfängen begriffen. Daher gibt es natürlich einige Texte im Netz, die mittlerweile Standard sind. Richtige Fachbücher zu dem Thema allerdings sind momentan nicht zu bekommen und daher kann ich nur ab und an auf Bücher hinweisen, die mit dem Feld SIO in irgendeiner Art und Weise Bezugspunkte haben. Bei “Höllenritt Wahlkampf” von Frank Stauss fällt mir das sehr leicht.

Erstens: Der Autor ist Frank Stauss, einer der Chefs von BUTTER. Jemand der also von Marketing eine Menge verstehen sollte – und das auch tut wohlgemerkt – der darüberhinaus auch noch einen sehr sachlichen, ab und an amüsanten Stil besitzt. Das Buch liest sich keineswegs so dröge wie man es bei einem politischen Sachbuch bei dem Thema erwarten sollte.

Zweitens scheint das Buch zwar erstmal nicht so sehr mit SIO verwandt zu sein, es geht um Wahlkämpfe und wie diese funktionieren – aber gerade das ist ja für jemanden der SIO betreibt höchst interessant. So auch die knappe Ansage von Stauss, dass man die besten Kanäle haben kann – wenn man keine Botschaft hat nützt auch das Social Web nichts. Zudem entmystifiziert er den “Obama”-Social-Web-Effekt in dem er aufrechnet wieviel für was im Wahlkampf 2008 ausgegeben wurde. Und nebenbei räumt er mit einigen anderen Vorurteilen auf was Politik und Wahlkampf betrifft. Letzten Endes haben wir es aber auch immer mit dem Menschen zu tun – ob Social Marketing, SIO, Content Curation, Marketing, Werbung usw. usf. – was Menschen bewegt und wie sie motiviert werden können, wo Stärken und Schwächen von Konzepten und Personen sind – das zeigt das Buch auf.

Drittens gibt er einen Einblick von der ersten Phase bis zur letzten was den Bundestagswahlkampf 2005 belangt – von der ersten Überraschung dass Schröder die Vertrauensfrage stellt bis hin zum Ende. Da wir alle wissen wie das ausging können wir uns natürlich ganz auf den Gang der Handlung konzentrieren und sehen in diesem Turbowahlkampf kompakt alles gespiegelt, was in den nächsten Zeiten passiert. Dabei ist Stauss nie indiskrekt in seinem Ton, erzählt über seine Gefühle und seine Erfahrungen glaubhaft und amüsant, lässt sich aber nicht auf ein niedriges Niveau herab.

“Höllenritt Wahlkampf” gehört in jede gutsortierte SIO-Bibliothek.


Hype und Buzz und was bleibt: Storytelling

Ein Beitrag zur Blogparade “Are we all Storytellers?”

Ich erinnere mich lebhaft an die Reaktion bei einem Vortrag von vor etwa anderthalb, zwei Jahren. Der Referent hatte seinen Vortrag gerade beendet, die übliche “Danke”-Folie stand noch an der Wand. Der Vortrag selbst ging um Social Media und Anwendungen, eine Einführung halt in das Thema. Ein Teilnehmer fragt dann, was der Referent denn von diesem neumodischen Transmedial Storytelling halten würde, das jetzt so langsam in Schwung käme. “Storytelling? Neu?”, schnaufte der Referent verächtlich. “Von wegen. Das ist nur neuer Wein in alten Schläuchen, muss man auch nicht ernst nehmen, reiner Hype.” Sprachs und wandte sich wieder Facebook und Konsorten zu. Im zeitlichen Abstand betrachtet kann ich darüber nur lächeln, denn ein Hype war Storytelling – und auch Transmedia Storytelling – eigentlich nie. Weiterlesen


Blogposting 04/21/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Das Zeitalter des Kuratierens

Im Zeitalter des Kuratierens ist der Kontrollverlust mit einberechnet. Vielleicht tun sich Firmen deswegen schwer mit der Vorstellung, dass die Push-Kultur allmählich durch die Prosumer-Kultur ersetzt wird. Im Zeitalter des Kuratierens hat zumindest jeder die Möglichkeit sich kreativ zu betätigen – Kulturinstitutionen und Unternehmen bieten aber längst nicht immer die Chancen dafür an.

Dabei ist es eigentlich klar: Wer Inhalte verteilt gibt die Kontrolle darüber wie die Inhalte aufgenommen und rezipiert werden aus der Hand. Wenn Inhalte ins Internet hineingegeben werden kann ich nie sicher sein, dass ich sie im Originalzustand wieder herausbekomme. Im günstigsten Falle werden diese Inhalte originalgetreu weitergegeben, im schlechsten werden sie so remixt und resampelt dass die eigentliche Intention nicht mehr da ist, dass sie zur Persiflage, zur Satire, zur Spottscheibe werden. Selbst ein harmloser Werbespot in dem ein Sportler ein Stück Wurst verspeist kann einen Beleidigungssturm auslösen. Allerdings: Das ist kein neuer Effekt – auch ein Zeitungsartikel hat schon immer von Lesern unterschiedlich aufgenommen werden können. Das Internet hat diesen Effekt nur verschleunigt und öffentlicher gemacht. Eine Leserbriefdebatte in einer lokalen Zeitung über eine Werbeanzeige eines Sportlers, der eine Wurst isst – in der Vergangenheit wäre das nur tatsächlich ein lokales, begrenztes Thema gewesen. Das Netz hat diese Effekte dupliziert. Erfunden hat es sie nicht.

Ermöglichung der Fans

Wenn das Internet Inhalte schneller verteilt, vor allem durch die Sozialen Netzwerke, wäre es ja einfach zu sagen – und es wird auch immer noch gesagt – dies wäre nur ein neuer Kanal, ein neues Medium, dieses müsse man so bespielen und vermarkten wie die herkömmlichen Kanäle. Das heißt: In erster Linie die alten Inhalte genauso hineinpushen wie man es von Zeitungsanzeigen, Fernsehspots oder Radiowerbung kennt. Dies verkennt aber eine Tatsache: Ein Zeitungsleser, ein Fernsehender oder Radiohörer kann sich nicht gegen die Beschallung wehren wenn sie ihn nervt, außer er verlässt das Medium komplett. Legt die Zeitung beiseite, wechselt den Fernsehsender oder schaltet das Radio aus. Die Interaktion und die Reaktion auf diese Inhalte ist also begrenzt. Selbst wenn der Zeitungsleser einen bissigen Leserbrief über die Zustände bei Anzeigen schreiben würde fände dies erstmal außerhalb des Mediums Zeitung statt und wäre mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden. Deswegen werden in der Regel auch nur Leserbriefe geschrieben, wenn die Peinschwelle hoch genug ist.

Im Internet ist das einfacher, weil die Wahrnehmung von Werbung und die Reaktion auf diese Werbung im selben Medium erfolgt. Ich kann natürlich auch ein Programm für den Browser herunterladen um Werbung zu blockieren und sehe sie deswegen gar nicht erst – ich kann aber auch Werbung spielerisch verfremden, persiflieren, mich in einem Blog darüber beschweren wie furchtbar die Werbung bei der lokalen Zeitung ist oder darauf hinweisen, dass es Radiokanäle ohne Werbung gibt. Es ist kein Geheimnis, dass das Internet aus dem Konsumenten auch einen Produzenten machen kann – die Prosumer gehen soweit, die Inhalte aus anderen Medien offline kreativ zu verarbeiten um sie in das System Internet einzuspeisen. Die Photographie-Galerien von Streetart etwa sind Beispiele dafür. Obwohl der Begriff der Prosumenten nicht neu ist scheint er nicht verstanden worden zu sein. Statt zu begreifen dass es besser ist den Kunden, den Fans der Institutionen oder Firma Werkzeuge und Inhalte an die Hand zu geben, die diese kreativ bearbeiten können wenn sie wollen herrscht teilweise noch die Meinung vor, Social Media sei keine Revolution – ja, noch nicht einmal das Wort Kommunikation wird gerne in den Mund genommen – sondern Social Media ist einfach ein neuer Kanal, den man einfach nach alten Kriterien bespielen müsse und gut sei es. Dabei kann man es gar nicht verhindern dass Fans kreativ werden, denn wenn sie entweder begeistert oder besonders kritisch sind werden sie die Inhalte sowieso bearbeiten.

Ich, der Kurator

Im Zeitalter des Kuratierens ist der Prosument ein wichtiger Bestandteil des Systems – schon jetzt wird immer von Beeinflussern, von Meinungsführern gesprochen die man für die Firma im Internet braucht damit sich die Themen, also die eigenen, gut durchsetzen. Daran ist nichts falsch, es kommt allerdings auf die Sichtweise an – ich kann meine Meinungsführer nur als willige Lakaien behandeln oder ich kann ihnen respektvoll entgegentreten und versuchen, eine Beziehung mit ihnen aufzunehmen. Im ersten Fall wäre ich im Paradigma des Alten Vorgehens gefangen, weil ich es vielleicht auch gar nicht anders kenne, im zweiten Fall wäre ich in der Lage auf Augenhöhe mit meinen Kunden zu reden. Dass dies nicht von allen Firmen gewollt wird, gut. Dann aber sollte der Schritt ins Social Web wohlüberlegt sein – man kann zwar im eigenen Blog die Kommentarfunktion abschalten, aber man kann nicht verhindern dass die Inhalte in Foren diskutiert werden. Und man selbst wird dann vermutlich nichts mitbekommen, weil man noch nicht mal die Mühe auf sich nimmt ein Monitoring zu veranstalten. Das Internet ist ein Hype, der eine Tradition von knapp 20 Jahren hat. Muss man also nicht ernstnehmen.

Ebensowenig die Möglichkeiten und Chancen, die sich eröffnen wenn man den Kunden ermöglicht sich über die eigenen Inhalte auszutauschen und darüberhinaus auch Inhalte anbietet, die man nicht selbst erstellt hat. Dass dies nicht passiert, ja, dass Zeitungen offenbar noch nicht mal in der Lage sind bei recherchierten Artikeln einen Link auf die Quellen zu setzen und so den Leser in einem künstlichen Silo gefangenhalten – dass der bei Interesse sowieso das Angebot verlassen und die Suchmaschine der Wahl bemühen wird kann man eh nicht verhindern – zeugt wohl in erster Linie von Angst, den Leser an die Konkurrenz zu verlieren. Dies mag berechtigt sein, verkennt jedoch dass der Zusatznutzen für den Kunden oder den Fan eine enorme Komponente ist. Sicherlich: Dass der Kunde sich erstmal informiert und dann doch woanders kauft – im realen Geschäft kann man Dinge halt anfassen und anschauen bevor man dann zu Hause beim Internetshop bestellt – ist eine Gefahr, die man nie bannen können wird. Und wer sagt, dass dies nicht auch schon in Zeiten der Papierwerbung so gelaufen ist? Heutzutage bekommt man dieses Verhalten durch das Internet nur schneller mit.

Im Zeitalter des Kuratierens ist das Anbieten von Informationen wichtig. Auch das Anbieten von Informationen, die nicht aus der eigenen Quelle stammen – denn dadurch steigert sich die Attraktivität der Institution und der Firma. Sie zeigt, dass sie verstanden hat dass es nicht nur auf die permanente Glitzer-Darling-Darstellung ankommt sondern dass sie den Fan akzeptiert und respektiert. Denn schließlich bedient sich dieser Fan aus den diversen Angeboten und mixt sich zum einen seine eigene Informationszeitung zusammen – dies hat er allerdings auch schon analog gemacht, in dem er verschiedene Prospekte verglich, verschiedene Zeitungen und Zeitschriften im Abo hatte. Darüberhinaus kann der Fan als Kurator aber auch durch die Weitergabe und das Zusammenstellen von Informationen als Influencer, Meinungsführer zu einem Thema werden – der Markenbotschafter, der nicht nur loyal die Produkte kauft sondern sie auch weiterempfiehlt. Ein Wunsch, den jede Firma hat.

Als Institution muss ich mich im Zeitalter des Kuratierens von der Push-Kultur verabschieden. Ich muss dafür sorgen, dass ein ausgewähltes Gleichgewicht zwischen den Hinweisen aufs eigene Angebot, denn schließlich will ich ja immer noch ein Produkt verkaufen oder für mein Haus Publikum gewinnen, sowie fremden Inhalten herrscht. Darüberhinaus braucht es auch noch ein Klima der Offenheit – und des Respektes gegenüber dem Fan. Dann könnte es klappen: Die Darstellung der eigenen Marke im Zeitalter des Kuratierens jenseits der Push-Kultur.


Blogposting 04/15/2013

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Blogposting 04/04/2013

  • Reine Zahlenkolonnen nützen nichts finde die IT-Unke – es kommt auf den Menschen an, der sie interpretiert und filtert. Ist das aber beim Monitoring nicht immer so?

    tags: Big Data

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.