Bloggertreffen im Museum Ludwig oder zweimal Comics in Köln

Das Schlimmste, was einem Twitterer passieren kann ist: Man hat bei einer Veranstaltung für Blogger, Twitterer und Kulturbegeisterte einfach kein Netz, während zwei Kuratoren und ein Comic-Zeichner neben und vor einem stehen und interessante Dinge zu Ausstellungen im Museum – und der anderen Ausstellung im anderen Museum :-) – und Comics zu sagen haben. In diesem Fall ist es gut, wenn man ein Blog hat.Immer wieder spannend zu sehen, dass man bei solchen Veranstaltungen durchaus eine gesunde Mischung hinbekommen kann. Vielleicht hätte man noch erklären können, warum es “Herbergsmütter” und einen “Herbergsvater” gab, aber gut – wir haben ja alle Internet, das kann man nachgooglen. :-) Heute gabs also eine Mischung von Leuten, die sich schon von Kulturevents generell kannten, andererseits gabs auch Podcaster, Comic-Zeichner, “Nur-Blogger”… Schöne Mischung. Und los gings dann wie gehabt mit: “Bitte mal eine Vorstellungsrunde mit Namen und drei Schlagworten.” Diese Art scheint sich irgendwie durchzusetzen. Merkwürdig, warum nur? ;-)

Ich muss gestehen: Ich kannte die Art-Spiegelman-Ausstellung schon und konnte mich dementsprechend etwas im Hintergrund halten diesmal. Immerhin gabs während der knapp halbstündigen Führung mit dem Kurator Bodo von Dewitz – “meine erste und wohl auch einzige Comic-Ausstellung, ich gehöre noch zum ‘Gründungsteam’ des Museum” – einige Fakten, die mir auch neu waren. Deswegen mag ich generell Führungen mit den Kuratoren: Näher an den Fachleuten kann man nun nicht sein. Immerhin: Ohne den Kurator gäbe es die Ausstellung nicht in Deutschland und das Museum Ludwig hatte schon mal eine Zusammenschau von Robert Crumbs vor einigen Jahren.

Schön fand ich, dass der Kurator noch einiges an Zusatmaterialien da hatte: Die Comic-Seite aus der ZEIT etwa, das Porträt aus dem FAZ-Magazin in den 80gern oder einfach als Kontrast zur Verarbeitung des Traums 9/11 auch mal zwei Comics der regulären Industrie. (Wer glaubt, man könne “I Heart New York” nach DEM Comic-Cover der “Blut und Tränen”-Kommerzindustrie noch nett finden, irrt. Brrr. Man muss die ja wirklich nicht auf die explodierenden Türme schreiben, aber man kann. Wie geschrieben: BRRRRR.) Immer noch beeindruckend finde ich persönlich dann ja das Cover des New Yorker von Spiegelman, der das Desaster ja auch persönlich miterlebt hat – seine Tochter ging in den Kindergarten im Center oder nahe bei: Schwarze Türme auf schwarzem Grund. Das klingt jetzt beim Lesen etwas merkwürdig, aber deswegen sollte man ja auch die Ausstellung besuchen.

Während mir die Spiegelman-Ausstellung durchaus ein Begriff war, entging mir ganz dass es auch noch eine andere Comic-Ausstellung zur Zeit in Köln gibt: Ralf Königs Interpretation der Ursula-Legende – die mit den 10.000 Jungfrauen, Stadtpatronin Köln, eine lange und verwickelte Legende. Mir war da zwar was im Hinterkopf, als ich habs als Protestant nicht so mit Heiligen. :-) Ralf König könnte man aber kennen: “Der bewegte Mann” basiert auf einem seiner Comics, ich kannte noch “Kondom des Grauens”. (Die Verfilmung davon sollte man sich für einen launigen Abend unter Ausschluss der Jugendlichen gönnen, am Besten mit Bier und Pizza. :-)) Im Kölner Stadtmuseum – nein, da pilgerten wir nicht hin, aber es gibt ja immer noch ein nächstes Mal – ist parallel zum Spiegelman König zu sehen. Der Kurator des Stadtmuseums Dr. Mario Kramp gab einen Einblick, wie das Stadtmuseum das Thema Comic angegangen ist. Hier hat man den Bildern Königs barocke Werke zum Thema Ursula gegenübergestellt – wobei sich dann auf einmal bei einem Panel von König und einem Bild eine eigenartige Übereinstimmung der Gestaltung zeigte. “Sehr wahrscheinlich wird das Thema Gewalt in Comics nach der Betrachtung der Gemälde vielleicht bei dem Ein oder Anderen relativiert werden müssen.” Zudem gibts beim Stadtmuseum auch einen Einblick in die Arbeitswelt Königs und in seine Arbeitsweise – König arbeitet immer noch von Hand und überklebt dann auch mal gerne Figuren oder Sprechblasen wenn er merkt, dass sich das anders entwickelt als er beabsichtigt. Denn König fängt einfach mit dem Zeichnen an – und der Ursula-Stoff war einer der schwereren Stoffe. Nach der Ursula wird sich der Comic-Künstler dann aber dem Weltraum widmen. “Im Weltall hört dich keiner grunzen” ist der Arbeitstitel.

Für uns Deutsche ist es immer noch etwas problematisch Comics als Kunst zu begreifen – kein Wunder, denn Comics und deren moderne Variante, die Mangas, sind ja “Kinderkram”. Spiegelman hat zwar auch – später – Comics für Kinder gemacht, davon ist auch einer in der Ausstellung zu sehen, aber er setzt sich immer wieder mit dem Medium auseinander und die Comics zu 9/11 sind extremst politisch. Abgesehen davon, dass “Maus” natürlich auch etwas ist, was man nicht dem kleinen Neffen zum Geburtstag schenken sollten. In der letzten Zeit geht der Trend ja zu den Graphic Novels, die als “Comics mit einer längeren Handlung für Erwachsene” beim Blogger-Treffen definiert wurden – kann man drüber streiten ob das jetzt so richtig ist. Jedenfalls haben verfilmte Werke wie “Pseudopolis”, “Road to Perdition” oder “Sin City” uns dafür sensibilisiert, dass es da noch mehr gibt als “Micky Maus”, das “Lustige Taschenbuch” oder “Asterix”. Wobei ich beim “Lustigen Taschenbuch ab und an nicht so ganz sicher bin, ob das nicht auch stellenweise schon ins Museum gehört; schließlich adaptiert man gerne bei Disney auch die Stoffe der sogenannten Hochkultur für das Format oder spielt mit den Vorbildern. Phantomias als Pendant zu Phantomas etwa, der ja auch soweit ich weiß auf einer Buchreihe beruht, ich erinnere mich an eine – ähm – Adaption von “Krieg und Frieden” oder die Mythen der Griechen. Wäre mal reizvoll hier die ganzen Anspielungen in einer Ausstellung zusammenzubekommen – aber ich glaube, wir sind noch nicht soweit Disney als eigenständige Comics fürs Museum anzuerkennen. Schade eigentlich.

Jedenfalls: Schön einen Einblick in die Frage der Archivierung von Comics bekommen zu haben – da scheinen Comic-Künstler irgendwie ähnlich zu sein, König bewahrte seine Originale vor der Ausstellung in Oberhausen in Kartons auf, im Museum Ludwig konnte man sich auch durch diverse Skizzenberge wühlen und versuchen diese den Kapiteln zuzuordnen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Mitarbeiter da zu Gange waren… :-) Eine schöne Veranstaltung jedenfalls und wenn ich noch eine klitzekleine Anmerkung anbringen darf: Das “freie WLAN” im Museum Ludwig funktioniert nicht. Vielleicht kann man das dann mal komplett abschalten? Ich glaube, ich bin nicht der Einzige der heute etwas verwirrt war.

About these ads

3 responses to “Bloggertreffen im Museum Ludwig oder zweimal Comics in Köln

  • Birgit Schmidt-Hurtienne

    Mensch, du warst aber flott! Welch tolle Zusammenfassung dieses interessanten Treffens. Nur bei Ursulas Jungfrauen hast du 1.000 unterschlagen ;-)

  • kultureventbuero

    Aber wirklich toll, lieber Christian! Und bei den Jungfrauen, da kann man schon mal durcheinander kommen :-) die Kölner haben ja schließlich auch jedes Jahrhundert welche draufgerechnet :-)
    Danke für diese schöne Berichterstattung! Und selbstverständlich auch für den dezenten Hinweis bezüglich des W-Lans. Da müssen wir noch mal ran, an die Baustelle :-)
    Herzliche Grüße
    Anke

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: