Monatsarchiv: August 2010

links for 2010-08-29


links for 2010-08-27


Sowohl als auch: Social-Media von Agenturen für Unternehmen

Gestern beim Twittwoch Ruhr entspann sich eine angeregte Diskussion nach einem Impulsvortrag von Herrn Hirnrinde über die Frage ob Social-Media unbedingt von Leuten aus dem Unternehmen selbst gemacht werden muss oder ob es nicht auch opportun sei dass Agenturen die Strategie des Unternehmens steuern und begleiten würden. Selber twittern versus fremd twittern lassen also. Anders gefragt: Kann eine Agentur so authentisch sein wie eine Einzelperson aus dem Unternehmen selbst?

Ich sehe da keinen Widerspruch, kein Paradoxon, nichts was konträr sich gegenüberstehen würde. Eine Agentur kann, sofern sie transparent, freundlich und authentisch – da haben wir die Vokabel wieder – durchaus ein Gesprächspartner auf Augenhöhe sein. Natürlich würde ich einer Agentur auf Twitter auch nicht folgen – obwohl das, gegen wir es zu, wir das aus beruflichen Gründen natürlich machen, klar, irgendwie müssen wir ja den Markt an sich beobachten, so ehrlich sollten wir schon gegenüber uns sein – wenn sie nur lauter PR-Blabla von sich geben würde.

Das Web2.0 ist keine Einwegstraße, wer das nicht von vornherein einkalkuliert hat sollte bei Feedbackformularen bleiben. Ich sehe aber nicht, warum ein konstruiertes Herz, wie das jemand beim StartCamp so schön formulierte, nicht auch kräftig und lebendig schlagen können sollte. Und wenn ein Unternehmen ernsthaft ins Web2.0 möchte und dafür dann keine Ressourcen hat  – weil es zu klein ist, weil die Leute davon keine Ahnung haben, Gründe gibts genügend – dann ist es immer noch besser sich jemanden von außerhalb ins Boot zu holen der das kann und der zwei von drei Voraussetzungen mitbringen sollte: Verständnis der Technologie, Verständnis von Kommunikation, Liebe zum Job selbst. (Also ihr wißt schon: Einen Job machen weil man ihn machen möchte… Oder wie ich es mal formulierte: Es ist das Herzblut, Stupid. Illusorisch, ich weiß…)

Das eigentlich Problem ist aber ein anderes: Agenturen, die vielleicht von den Inhalten getötet werden demnächst, verstehen in der Regel halt nur dass das Web2.0 ein weiterer Kanal für das Herausblasen von Pressemitteilungen oder das Schreiben von Tweets wie „Boah, wie toll wir mal wieder sind“ ist. Momentan entspannt sich ein Hase-und-Igel-Laufen zwischen Kunden und Agenturen: Die Kunden sind schon ganz weit vorne und wollen Social Media, während die Agenturen hechelnd hinterherlaufen und versuchen ein Widget in die Webseite einzubauen…

Selbst wenn das Herz konstruiert ist muss es ja nicht ohne Liebe sein.


links for 2010-08-26

  • "Nachdem der Axel Springer Verlag jahrelang versucht hatte, Hörzu eine Käuferschicht zuzuführen, die nicht so alt ist wie meine Eltern, hat man jetzt klein beigegeben und bringt nun Hörzu Heimat auf den Markt. Schon das Logo weist den Weg in die Pflegeabteilung des Musikantenstadls, und das Blatt, das "die schönsten Seiten unseres Landes vorstellt", wäre auch mit "Hörzu scheintot" treffend bedient."
    (tags: journalismus)
  • "Doch erst 100 Folgen "hart aber fair" mit Frank Plasberg in der ARD. Man denkt ja manchmal beim Warten auf die "Tagesthemen", es seien schon 1000." – Prust…
    (tags: journalismus)

links for 2010-08-24


links for 2010-08-23

  • "Dieselben Politiker, die in der BRD die Erwerbslosen als bildungsunwillige Faulenzer kritisieren, haben mit ihren Gesetzen dafür gesorgt, dass sich die Erwerbslosen gar nicht mehr weiterqualifizieren können. Man schafft einen Mangel, um dessen Folgen dann jenen in die Schuhe schieben zu können, die unter diesem Mangel zu leiden haben." – Sehen wir mal davon ab, dass Weiterbildung natürlich auch das ist, was nicht von der ARGE als solche gesehen wird…
    (tags: ARGE)

Ab September: Alles-Maßnahme

Irgendwie habe ich es aufgegeben mir über den Sinn oder Unsinn von sogenannten ARGE-Maßnahmen den Kopf zu zerbrechen – gut – immerhin der eine Ein-Euro-Job war in meinem Bereich und die 9 Monate an der Schulbibliothek waren ja auch super. Allerdings: In den sogenannten ersten Arbeitsmarkt – gibts da eigentlich auch einen dritten, vierten und fünften? So wie wir mal die Welt gesehen haben, so erste, zweite und dritte Welt? – hat mir das alles nicht geholfen. (Wobei man mich ja gerne behalten haben würde beim letzten Job, aber Schulen haben kein Geld um einen Extra als Bib anzustellen. Dafür aber sind die Pläne, Stadtteilbibliotheken in Duisburg in Schulen zu verlagern wohl immer noch nicht komplett vom Tisch. Momentan haben wir hier aber bekanntlich andere Probleme als den Haushalt…)

Was ich aber in der Vergangenheit erfahren habe ist, dass Eigeninitative bei der ARGE stets einen Abwehrblock erzeugt. Irgendwie sind Eigenmaßnahmen jenseits der vorgeschriebenen Wege nicht gern gesehen. Reisekosten zu bibliothekarischen Kongressen – na ja, es ist immerhin wichtig dass ich weiß was momentan in meinem Beruf aktuell ist, sicherlich gehört dazu die Inetbib-Mailingsliste auch dazu, aber ebenso auch der persönliche Austausch unter Kollegen. Gut. Ist Luxus. Brauchen wir nicht weil Netzwerke ja total überbewertet sind.

An das Leben in einer Festanstellung glaube ich ja eh nicht mehr. Das Hangeln von Zeitvertrag zu Zeitvertrag wäre ja kein Problem, wenn es denn mal im Umkreis Stellen gäbe zu denen man sich hangeln könnte. Ist aber nicht der Fall – das meiste was ich finde sind Stellen im Norden oder im Süden des Landes. Für ein Jahr. Man verzeihe mir, dass ich nicht die Neigung verspüre sooo flexibel zu sein um für ein Jahr komplett wegzuziehen und dann wieder nicht zu wissen was wird.

Jedenfalls darf ich ab dem 01.09. eine Maßnahme mit machen, die dann feststellen soll ob ich irgendwo Förderungsbedarf habe. Sechs Monate. Im Bereich Handel und EDV. (Ja, ich habe mein Fachabi an einer kaufmännischen Schule gemacht damals, aber das ist Jahre her und wenn ich erhlich sein soll: BWL habe ich immer nur so knapp mit einer Vier abgeschlossen – Soll und Haben habe ich beim Bilanzieren spätestens nicht verstanden… Musste ich ja dann später auch nicht mehr. *g*) Ehrlich geschrieben: Das ganze klingt so nach „Wir zeigen mal wie man mit WORD Lebensläufe gestaltet“ plus „wie zieht man sich am Besten zum Bewerbungsgespräch an“. Schön.

Weniger schön: Eigentlich hatte ich mich auf die stART gefreut – im letzten Jahr schon war ich nur abends da und in diesem Jahr ist immerhin Marc van Bree – hach! hach! hach! – einer der Keynotesprecher und Gerd Leonhard ist auch nochmal für die stARtMuseum vorher da – und in diesem Jahr wirds wohl wieder nur der Abend werden. Denn Start der Maßnahme ist der 01.09. Seufz… Ich habe jetzt nicht mit dem Stellvertreter meines normalen Beraters, den ich seit knapp einem halben Jahr übrigens noch gar nicht gesehen habe – wohlgemerkt, das ist der neue Berater nachdem man ja mal wieder Buchstabenwürfeln gespielt hat offenbar – darüber debattiert ob es nicht sinnvoller wäre bei der stARt dabei zu sein. Weil das hätte der sicherlich überhaupt nicht verstanden.

Lustig wirds jetzt weil ich endlich nach längerem Warten das offizielle Auftragsschreiben der Duisburger Philharmoniker bei der ARGE abgeben konnte. Mal gespannt was die dazu meinen, dass ich Rechnungen schreiben muss um an mein Honorar zu kommen… Steht so im Auftrag drin. ;-)


Pratchett annotiert – Die Wahl der Freiheit

Die in unregelmäßiger Reihenfolge erscheinenden Annotationen nutzen als Grundlage die Taschenbuch-Ausgabe von „Going Postal“ aus dem Jahr 2004, erschienen bei Corgi-Books. Heute widmen wir uns den Seiten 21 – 33 des ersten Kapitels „An Angel“.

Was man schon beim letzten Mal erwarten konnte – natürlich stirbt unser Held nicht auf den ersten Seiten des Romans. Wenn er das getan haben würde, hätten wir einen Überwald-Roman vor uns. Vampire und Zombies aber hatten wir schon bei „Carpe Jugulum“ mit den Hexen. Diese spielen hier also keine Rolle. Nun, zumindest ein Vampir wird ab und an im Roman nochmal auftauchen, jemand der viel mit Licht hantiert. Auf den nächsten Seiten geht es aber erstmal ins Intime bevor wir dann einen Ausritt machen werden.

Das kleine kammermusikalische Zwischenspiel erlaubt Pratchett erstens den Lesern, die ihn nicht kennen, nochmal Lord Vetinari vorzustellen. Den Mann, der Ankh-Morpork regiert anstatt eines Königs – schließlich hat man diesem früher mal einen Kopf kürzer gemacht. Vetinari ist der Partizier – einer, der allerdings längst über das Wissen des „Fürsten“ von Macchiavelli hinaus ist. Für eine Überraschung gut. So wie jetzt als er ausgerechnet Moist den Job anbietet, das Postamt wieder auf Vordermann zu bringen. Das scheint in erster Linie seine Intention zu sein, aber Pratchett lässt in diesem Dialog auch noch etwas Anderes einfließen – das Nachdenken über Freiheit.

Nachdem Moist die Option, den Raum durch die Tür zu verlassen geprüft hat gibt es eine Passage von Vetinari, die durchaus nachdenkenswert ist: Ja, er glaube an die Freiheit. Was nicht viele Leute tun würden, obwohl sie – würde man sie darauf ansprechen – natürlich beteuern würden, sie wären für die Freiheit. Aber: Keine Definition von Freiheit wäre komplett ohne die Freiheit, sich für die Konsequenzen zu entscheiden. Oder vielleicht etwas genauer: Die Freiheit der Konsequenzen auf sich zu nehmen. Das, fügt Vetinari hinzu, sei überhaupt diejenige Freiheit auf der alle anderen aufbauen würden. Darüber könnte man mal nachdenken…

Moist wählt nach diesem Kammerspiel die Freiheit, seine Version der Freiheit sozusagen, in dem er aus der Stadt verschwindet. Mit den üblichen Methoden eines Schwindlers, Betrügners und Lügners. Vielleicht hätte er Lord Vetinari mal besser fragen sollen wer dieser Parole-Officer denn nun ist. Kräftige Stimme. Überaus große Kraft. Klar, das kann nur ein Golem sein. Bekanntester Vertreter dieser Gattung bei Pratchett ist der Golem Dorfl von der Wache. Wer ein wenig weiterdenkt könnte sich jetzt schon fragen, wie das bei Golems eigentlich mit der Freiheit ist – dazu aber später. Die ganze Szene erinnert übrigens stark an Physical-Comedy-Szenen a la Laurel und Hardy – vor allem wenn der Golem dauernd beteuert, dass er ja nur die besten Absichten habe, Lipwig aber permanent nach einem Ausweg sucht. Und die Idee, ein Pferd analog eines Autos mit einer Kralle zu versehen…

Wie der letzte Abschnitt auf Deutsch gemacht ist, das ist die Frage. Vermutlich wird Andreas Brandhorst hier einen anderen Buchstaben zum Ersetzen gefunden haben. Auf Englisch korrigiert Moist nämlich den Golem: „A v not a w.“ Zumindest bei seinem echten Nachnamen möchte Moist ein wenig Ehrlichkeit haben. Prompt beginnt der Golem aber damit, alles Ws durch Vs zu ersetzen. Und damit wird er bis zum Schluss des Romans nicht aufhören.


links for 2010-08-19


Romeo and Juliet – Brassed Off – Tosca

Nach längerem Hin und Her endlich mal die Gutscheine für die Mayersche eingelöst. Für hochwertigen Content natürlich. ;-)

Es ist der einzige Film von Baz Lurman, den ich wirklich, wirklich gut finde – und das trotz Leonardo DiCaprio: „William Shakespeare’s Romeo and Juliet“. Und wenn ich diesmal ein ausdrückliches Lob an die Synchro gebe, was selten genug vorkommt, dann deshalb weil die deutsche Fassung sich an Schlegel/Tieck hält – und das ist eine verflucht schwere Aufgabe, das lippensynchron hinzubekommen. Insofern: Respekt. (Auf englisch allerdings ist es natürlich viel eindrucksvoller. :-) ) Lurman hat den Stoff für die damalige Teeniegeneration aufbereitet – es gibt daher Explosionen, es ist bunt, es ist knallig – kurz: Es ist Pop-Kino. Und momentan für unter 10,- Euro zu bekommen.

Lange hats gedauert, aber endlich habe ich ihn auch auf DVD: „Brassed Off“. Mit Ewan McGregor als er noch gut war – also VOR Star Wars – einer wunderbar anrührenden, überhaupt nicht kitschigen aber sehr humorvollen Geschichte über die Schließung bzw. die Neustrukturierung einer Zeche plus Liebesgeschichte – und vor allem: Der Soundtrack. Warum kriegen Engländer eigentlich Sozialdramen hin, die trotz eines Nicht-Happy-Ends – und in diesem Fall ist das ja eigentlich der Fall – trotzdem gute Laune machen und kritisch zugleich sind? Auch für unter 10 Euro zu haben.

Zuletzt: Tosca – eine Aufnahme der Deutschen Grammophon mit Mstislav Rostropovitch, Galina Vishnewskaya und Franco Bonisolli. Inwieweit diese Aufnahme an diejenigen mit der Callas herankommen muss ich noch mal hören. Im Booklet wird wenigsten kurz die Handlung erzählt, aber weitere Infos fehlen. Das machen andere Editionen für um die 8,- Euro allerdings dann doch etwas besser, aber nun ja – Musik ist hier die Hauptsache. Nicht die Story. Die kennt man ja. Am Ende sind alle tot. (Huch, habe ich gespoilert? ;-) )


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.