Monatsarchiv: Mai 2010

Das Internet und die LINKEN – das passt halt nicht

Dass da oben ist ein Screenshot von der Seite der LINKEN in Duisburg. Wir gucken uns das jetzt mal eine Sekunde an und suchen das fehlende Stück Information in diesem Einzeiler.

(Jeopardy-Melody in Schleife)

Richtig: Es fehlt eine genaue Datumsangabe. Jetzt kann man natürlich über Umwege sich das erschließen wenn man weiß, dass der Text wohl heute gepostet wurde – an einem Montag. Man kann dann getrost annehmen, dass die Montagsdemo kurzerhand in eine Pro-Palästina-Demo umfunktioniert wurde. Wer da wohl geredet hat … Seitenleiste, Logo anklicken, da sollte in Kürze ein Artikel zu vorliegen. Selbstverständlich war ich zu Hause – schließlich erreichte mich die Nachricht über diese Info nicht über Twitter oder Facebook sondern per guter alter Mail. Und die ist halt nicht Echtzeit.

Wobei sich natürlich – und das mit Recht – fragen lässt: Warum fehlte die Info eigentlich im Echtzeitnetz? Die Linke hat doch einen Twitterac… – der bis heute nicht aktualisiert wurde. Seit November 2008. Warum frage ich da noch…


Rainald Grebe – Ich bin der Präsident

Ich mag den ja schon sehr, sehr lange – und irgendwie muss er das mit Köhler ja geahnt haben…

Treffend – und deswegen vielleicht auch so böse.


Was gibts als Nächstes | Letzter Arbeitstag

Es könnte die zweite Staffel von „West Wing“ sein – beeindruckend ist aber der Moment auf jeden Fall: Bartlet, der in der zweiten Staffel dem Ende seiner Amtszeit entgegengeht und die ganze Zeit über geschwankt hat ob er nun wieder kandidiert oder nicht – steht kurz vor der Pressekonferenz bei der er seine Entscheidung bekanntgeben wird und ballt die Fäuste. Der Zuschauer weiß in diesem Moment, obwohl kein Wort fällt, wie sich Bartlet entschieden hat. An dieser Stelle erwartet man fast, dass Martin Sheen in seiner Rolle die Sprachformel gebraucht, die mehr als nur eine Floskel ist – „What’s next?“ – Was gibts als Nächstes, was steht jetzt an.

Meine Zeit in der Schülerbibliothek in Duisburg ist seit heute vorbei. Im Gegensatz zu Martin Sheen als Präsident musste ich mich nicht entscheiden ob ich bleibe oder gehe, weil mein Vertrag nicht verlängert wurde. (Im Grunde genommen äußerst bescheuert – Winter- Sommerferien sind in knapp zwei Wochen, so lange hätte man noch warten können, aber wie wir wissen ist die ARGE alles andere als logisch.) Jetzt könnte ich die nächsten zwei Wochen natürlich auch freiwillig noch hingehen als leuchtendes Beispiel für die Arbeitswilligkeit meines Status. Aber erstens hat Duisburg schon ein leuchtendes Vorbild, zweitens engagiere ich mich nebenbei schon ehrenamtlich – ihr müsst ja nun auch nicht alles wissen ;-) – und ich habe diverse Nebenjobs.

Und einen Folgetermin bei der ARGE für Mittwoch. Das wird lustig wenn es um meine Nebeneinkünfte gehen wird – bei einem Nebenjob habe ich noch nicht mal den Vertrag unterzeichnet, aber eine feste Zusage dass was kommt, wann ist fraglich; bei den anderen Dingen bezahlt man mich fürs Quartal – ja, genau, die Dinge die ich für die Stadt mache aka Du2010 gehören dazu – und beim noch anderen Job bleibt es mir überlassen wann ich die Rechnung schreibe. Da habe ich z.B. für letzten Monat keine geschrieben, aber in diesem Monat dann für die letzten zwei. Und es wird mir ein inneres Laubhüttenfest sein das der ARGE auseinanderzudeklinieren bzw. dann immer brav schön Kopien der Rechnungen reinreichen. Ab Juli dann vermutlich. Ich hatte ja schon damit geliebäugelt Flattr hier einzubinden und der ARGE dann immer die Mini-Beträge monatlich… Aber ich halte momentan nicht viel von Flattr, so persönlich. (Da muss man sich ja nochmal extra anmelden für – das ist schon eine Hürde wenn man mal eben spontan Geld ausgeben will – man sollte Leuten, die Geld ausgeben möchten es so einfach wie möglich machen…)

Jedenfalls: Ich wußte ja auf was ich mich einlasse und ich habe gern dort gearbeitet, die Lehrer, Betreuer und die Kinder hätten mich gerne behalten – aber was nicht geht, geht nicht. Immerhin hinterlasse ich einen guten Eindruck und einen Antolin-Bestand, den es vorher dort nicht gab. Ob der Schulbuchfonds – von dem man relativ wenig öffentlich hört, was schade ist – da in Zukunft noch mitmischen wird? Keine Ahnung. Ich weiß nicht was dort geplant ist.
Meine weiteren Pläne stehen fest – es gibt ein Angebot aus Essen, dass ich wahrnehmen werde sobald das mit der ARGE klar geht. Zugesagt war eine gewisse Info für Anfang Juni. Ich rechne mit einem Ergebnis Mitte, Ende des Monats. (Das ist kein Sarkasmus, das ist gesundes ARGE-Paralleluniversumsdenken. Das lernt man mit der Zeit.) Bis dahin habe ich bestimmt keine Langeweile und keinen Grund für Trübsinn.

What’s next?


Songs ohne Melodie | Dämmerlicht

Ist wieder spät geworden
mit rückenwind aus norden
viel zu weit gereist.

nachtverblasst: gespenster.
spinnenweben im fenster.
wohin des tags?

dämmerlicht schärft seelengefühl.
atmen. denken – das viel zu viel.
eigentlich
sollte ich
nach haus.

sirenen aus dem kaufhaus
die letzte macht das licht aus
verschwindend schön.

blättergewitter am abend
blüttenblätter die schabend
beseite stehn.

dämmerlicht schärft…

hältst du mich auf
in deinen armen.
ich denk und lauf
übers ziel.
und weiter aber nicht wohin.

morgengewinde das dreht sich
in die fassung der alten nachtschicht
behaglich ein.
zufrieden sein
mit sich allein
und handlich klein.

dämmerlicht schärft…


links for 2010-05-29


Songs ohne Melodie | Fußball ist meine Ersatzreligion

Chorus:
Fußball ist meine ersatzreligion
die andere wird repariert.
irgendwie merkwürdig ist mir das schon
das ist halt so einfach passiert.

Verse:
Seit ein paar tagen schon rumorte es
und die kirchenglocken klangen schief.
höchste zeit dass ich was unternahm
und den kirchensachgestellten anrief.
der besah sich die geschichte. der bescheid war klipp und klar
die religion muss in die werkstatt und dann stand ich einfach da…

ohne glauben ist das leben zu grau
doch ersatz zu finden ist schwer.
denn die auswahl im nächsten kirchenmarkt
strapazierte mich ja doch sehr.
das orange von dem buddhismus ist ja wirklich total schick
doch ich brauch dann was persönliches für mein ganzes glück.

da ging ich einfach zum speicher hoch
und kramte in den kisten herum.
erinnerte mich an meine jugendzeit
und dachte, oh mann was bist du dumm!
was früher nicht so schlecht war ist doch sicherlich noch gut
und vom heldenfußverein hast du ja noch den riesenhut. – Gerufen: Hey!

Brücke:
eigentlich idiotisch was ich wieder aus mir mache
ich könnt ja auch mal sieben wochen ohne eine sache
doch die glaubensdiät ist eine furchtbare geschichte
und die fußballhymne hat ja auch nicht viele kalorien.

und so steh ich halt wieder im stadion herum
halb interessiert und auch nicht.
ich hoff meine alte nimmt mir das nicht krumm
religion ist ja so scheißempfindlich.
in zwei wochen hab ich wieder dann mein altes testament
und bis dahin johle ich halt „schiri“ laut und ungehemmt – Gerufen: Dein Auto!


Browser versus Apps

In den nächsten Tagen werden wir viel über das iTab hören und lesen können und dabei wird vermutlich eine Menge Fanboy-Gemurmel sein, eine Menge „Android ist eh besser“-Rufen und „Boah, was für eine coole Applikation, das rettet das deutsche Verlagswesen“-Ausrufen. (Der Spiegel hat übrigens schon mal seine potentiellen Kunden mit dem Preis für die App verärgert, die höher ist als die Printversion. Guter Start der Old Media in New Channels…) Was man nicht hören wird ist die Frage, wie wir in Zukunft mit dem Internet umgehen werden – und ob das iTab nicht in die falsche Richtung weist.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich als HTC-Tattoo-Benutzer mag Applikationen. Diese kleinen Programm sind bisweilen richtig nützlich, nützlicher als wenn ich Opera Mini aufrufen würde und die Webseite so bedienen müsste. Für den VRR beispielsweise sehen ich mir eine Applikation für Android herbei, vielleicht habe ich sie nicht gefunden aber die Webseite mit dem Browser bedienen zu müssen um eine Abfahrtzeit zu erkunden ist wirklich ein gewaltiger Schmerz im Allerwertesten. Also nichts gegen Apps, da wo sie wirklich nützlich sind und einen Mehrwert bieten.

Ich sehe aber auch die Kehrseite dieses Systems: Wer darüber bestimmen kann was im Marketplace an Applikationen landet bestimmt auch unsere Sichtweise des Internets. Und bestimmt letzten Endes ein wenig auch unsere Sichtweise der Realität. Apple ist da besonders strikt – was denen nicht in den Kram passt wird nicht in den Store gepackt. Punkt. Wie das bei Android aussieht ist eine gute Frage. Aber auch hier wirds Auswahlkriterien darüber geben, was gut und schlecht ist. Eine Porno-Applikation habe ich beim Android bisher nicht gesehen – nicht, dass ich sie brauchen würde und ich glaube auch nicht dass die Branche jetzt darauf setzt kleine Filmchen fürs Smartphone der Wahl aufzubereiten. Andererseits wenn ich mir den Unsinn ansehen, der bei VIVA desöfteren beworben wird…

Schon mit dem iPhone hat sich da eine Kluft aufgetan – eine Kluft zwischen dem browserbasiertem Zugang ins Netz, das Web 2.0 setzt bekanntlich öfters auf browserbasierte Dienste und dem Applikationen-Internet, bei dem man willig das nehmen muss was einem vorgesetzt wird.  Und die Vergrößerung der Kluft kommt jetzt mit dem iTab – ebenso wie die Vergrößerung der Bequemlichkeit.

Sicherlich ist die vernünftige Lösung eine Mischung aus beiden Ansätzen – einerseits Browser, andererseits Applikationen. Aber für was nutzt man den Browser noch wenn man für alles eine App hat? Selbst für die Google-Suche? Was bequem ist, setzt sich durch und warum sollte ich Facebook in der mobilen Variante nutzen wollen wenn es eine Applikation dafür gibt? Je mehr und mehr ich mir auf das Smartphone schaufele, desto weniger werde ich den normalen Internetzugang brauchen – denn selbst für die Suche im Netz gibts das passende Programm. Und je mehr Applikationen wir als angenehm und nützlich empfinden, desto mehr hängen wir bei Apple oder Google oder wem auch immer am Haken. Das, was man als bequem empfindet wird man nicht wechseln wollen.

Vermutlich alles halb so schlimm. Vermutlich wird sich doch alles noch irgendwie einpendeln. Doch die Gefahr, dass man sich nur noch innerhalb eines Systems bewegt und dabei die Neugierde auf das Zufällige verliert weil man die passenden Dinge installiert hat – macht gerade nicht das Hyperlink-Surfen einen Großteil der Faszination des Netzes aus? – die sehe ich durchaus gegeben. Ich nehme da auch keinen Anbieter von aus, aber Apple fällt halt extrem mit dieser Disneyland-Neckermann-Philosophie aus – puritanisches Vergnügungsviertel im 21. Jahrhundert, wobei das Paradoxon zwischen Puritanisch und Verngnügen bei Apple halt einfach gelöst wird. Sex, Drugs und vielleicht demnächst auch noch Rock’n'Roll wird man bei Apple nicht finden. Nur: Wer denkt darüber schon nach?


links for 2010-05-27


links for 2010-05-26


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