Tagesarchiv: 13. Februar 2010

Life on Mars – Staffel 1 – geschnitten oder am Stück?

Dies ist ausnahmsweise mal kein Posting aus der Rubrik “Serien, die nur Prospero und Eingeweihte kennen”. Denn “Life on Mars” lief ja schon hier in Deutschland – obwohl… Okay, das ist ein Posting, das gut in die vorige Rubrik passt, denn Life on Mars hat ja auch praktisch jeder Deutsche damals… Okay, ich hör schon auf mit dem Sarkasmus.

Prämisse ist bekannt? Ich erzähls trotzdem kurz nochmal: Sam Tyler hat in der Gegenwart einen Unfall und wacht 1973 wieder auf. Was bis zum Ende der Serie unter den Fans für heiße Diskussionen sorgte – ja, natürlich war ich auch dabei, hat Spaß gemacht – war die Frage, die im Vorspann gestellt wird: Ist Sam verrückt, im Koma oder wirklich ein Zeitreisender? (Die Antwort gabs dann in Staffel 2.) Für Sam jedenfalls ist das Leben im Jahr 1973 wie das Leben auf einem anderen Planeten. Das Fernsehen hat Sendeschluss – eine ganz besondere Rolle kommt den Pausenzeichen, dem Cardboard-Girl mit dem Clown zu übrigens – Modefarben sind eher so erdbraun, die Hundescheiße ist weiß und Sams Vorgesetzer Gene Hunt benimmt sich wie ein Wildwest-Sheriff. Nur Annie, die “Police-Nurse” – Polizistinnen? 1973? – kann Sam vertrauen und ihr von seinem Leben 1973 erzählen. Nach und nach wird klar, dass er einen Auftrag zu erfüllen hat und der hat wohl irgendwie was mit Annie zu tun.

“Life on Mars” funktioniert auf zwei Ebenen: Einmal als reine Krimiserie mit dem obligatorischem “Fall der Woche” – zum Anderen als Mystery-Serie dank der rätselhaften Rückblenden und Montagen sowie den Botschaften, die Sam erhält. Dabei liegt der Reiz der Serie natürlich im Vergleich der verschiedenen Zeiten – die Methoden, die Sam aus der “Zukunft” mitbringt scheinen Gene Hunt und dem Rest des Teams so gar nicht nützlich. Doch wenn in Folge Vier – “Mr. Warrens Gewerbe” ;-) – Gene Hunt erkennt, dass das System nur dann funktioniert wenn der Polizist sich nicht bestechen lässt dann ist das das erste sichtbare Eingeständnis, dass Sams Methoden durchaus etwas für sich haben. Nun gut, heutzutag rast man nicht mit einem Ford rückwärts durch die Einbahnstraße, selbst wenn man Polizist ist. :-)

“Life on Mars” ist großartiges Fernsehen. Nicht nur aufgrund des Plots – Zeitreisen sind im SF-Genre nun nichts Neues, auch nicht solche in denen der Protagonist plötzlich in einer anderen Zeit aufwacht, was in der frühen SF-Literatur ja häufiger mal der Fall ist. Nicht allein wegen des Figurenensembles – obwohl Philip Glenister als Hunt ein wunderbarer Gegensatz zum an sich zweifelndem Sam Tyler, John Simm, ist. Nicht allein des Soundtracks wegen – wobei in der DVD-Fassung einige Songs ersetzt werden mussten, weil die Rechte nur für die TV-Ausstrahlung gekauft wurden und die Soundtrack-CD nun leider nicht alle Songs der Serie beinhaltet. “Life on Mars” ist großes Fernsehen auch wegen der wundervollen Kameraarbeit – die Szene im Piloten wenn Sam einen Rundblick über die Straße wirft, untermalt von “Baba O’Reilly” von The Who, wenn in Folge Vier zu Beginn die Kamera das Blau des Himmels einfängt und dann die Häuserzeile entlangstreift… Und “Life on Mars” gelingt es den Zeitkolorit der 70ger einzufangen. Dazu kommen noch die wunderbaren Dialoge – also auf Englisch, die deutsche Synchro versagt da leider, denn die Serie lebt auch von dem Dialekt, den die Figuren in Manchester sprechen und dem Aufeinanderprallen wenn Sam mal wieder einen Gegenwartsbegriff verwendet den mal wieder keiner kennt. Das wird im Deutschen natürlich mit der Synchro drübergebügelt.

Als ich die erste Folge mir von der deutschen DVD anschaute dachte ich noch – oh – moment – das sind ja über 50 Minuten – ich dachte, die deutschen Fassungen wären geschnitten? Aber dann runzelte ich die Stirn, denn irgendwas schien dann doch zu fehlen im Vergleich zur BBC-Ausstrahlung. Und richtig: Wir Deutschen haben die geschnittene Fassung der BBC für Euroland bekommen. Zwar sind die Schnitte so dezent gesetzt, dass man sie nicht merkt, aber im Piloten vermisste ich die Szene in der Annie die Psychologie erklärt. Gut, ich könnte sie auch verpaßt haben, aber ich glaube das irgendwie nicht so recht. Und richtig: Während die englischen DVDs eine Gesamtspielzeitlänge von 472 Minuten haben, schrumpft das in Deutschland auf 416 Minuten. Da sind, wenn die englische Wikipedia Recht hat - 8 Minuten pro Folge rausgeflogen, damit Kabel1 dann Werbung reinhauen kann. Das mag für eine TV-Ausstrahlung in Ordnung sein, aber als DVD-Käufer fühlt man sich dann in diesem Moment doch ein klein wenig verarscht. Gut, ich wußte es früher und hätte die Finger von lassen können, geschnittene Produkte kommen mir normalerweise nicht ins Haus, aber so als Mitnahme-DVD für einen sehr kleinen Preis… Das heißt, die zweite Staffel, die im März hier erscheinen wird, kann man auch im Regal stehen lassen wenn man gut Englisch kann. Wenn nicht, muss mit einer geschnittenen Fassung leben.

Dass es auch anders geht haben die Macher der Who-DVDs bewiesen – Pro7 hat damals geschnitten, auf den DVDs sind aber alle Folgen komplett. Insofern: New KSM ist offensichtlich keine Firma, die man weiterempfehlen sollte wenns um englische DVDs geht. Na ja, Jane-Austen-Schmachtfetzen sind eh nicht so meins…


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