Monatsarchiv: Juli 2009

Demolux mag Blogger nicht

Die Meldung im Basedow1764-Blog ist kurz und eindeutig: Die Firma Demolux mahnte das Blog ab. Wegen zweier Kommentareinträge. Der sogenannte „gesetzesfreie Raum“, den Politiker so oft beschwören wird damit erneut als nicht gegeben fixiert. Und warum mag Demolux das Blog, das sich mit Schulbibliotheken beschäftigt, ganz und gar nicht?

Ganz einfach: Der Betreiber des Blogs fragte nach Tipps für die Einrichtung einer Schulbibliothek. In diesem Fall: Computertische. Drei Anbieter hätte er gefunden und er bat um Tipps welche Firma denn in Frage kommt. Daraufhin gabs in den Kommentaren, die ich natürlich nicht wiederholen möchte, zwei nicht ganz so gute Resonanzen auf die Firma Demolux. Zu Recht, zu Unrecht – gute Frage. Meinungsfreiheit oder Schmähkritik? Eine weitere.

Ich bin kein Rechtsanwalt, denke aber dass die Äußerungen durchaus von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Doch da wir Deutsche sind kann man sowas natürlich nicht gütlich untereinander intim regeln, man muss ja gleich abmahnen. Ich bin auf das Urteil in dem Prozess gespannt.


links for 2009-07-24


Reuters Irrungen und Wirrungen

Da gab also Reuters vor etwas mehr als einer Stunde als „Breaking News“ raus: Microsoft plane 5000 Leute auf die Straße zu setzen. So weit so schockierend – wenn es da nicht eine Webseite gäbe, die mit Microsoft direkt gesprochen hätte. Wobei: Newsdienst ist die bessere Bezeichnung dafür, da BNO News teilweise zwar Quellen zweitverwertet, aber auch ein eigenes Netz hat. Deren Meinung zu Reuters:

BNO News - The Breaking News Wire_1248384989343Übersetzt: Laut einem Ansprechpartner bei Microsoft sei der Reuters-Bericht über den Wegfall von 5000 Jobs falsch gewesen, sobald er bekanntgegeben worden sei.

Und was sagt Microsoft dazu?

Microsoft Corp. today announced revenue of $13.10 billion for the fourth quarter ended June 30, 2009, a 17% decline from the same period of the prior year. Operating income, net income and diluted earnings per share for the quarter were $3.99 billion, $3.05 billion and $0.34 per share, which represented declines of 30%, 29% and 26%, respectively, when compared with the prior year period.

Und dann folgen jede Menge Zahlen, die zu einem Geschäftsbericht gehören. Im Prinzip finden sich die Punkte, die man jetzt schon in der Presse findet auch allgemein dort wieder:

“Our business continued to be negatively impacted by weakness in the global PC and server markets,” said Chris Liddell, chief financial officer at Microsoft. [...] For the fiscal year ended June 30, 2009, Microsoft reported revenue of $58.44 billion, a 3% decline from the prior year. Operating income, net income and diluted earnings per share for the year were $20.36 billion, $14.57 billion and $1.62, which represented declines of 9%, 18% and 13% respectively.

Von einem Stellenabbau steht da nichts. Nur, dass es weitere Informationen später am Tag geben wird – und zwar a conference call and webcast at 2:30 p.m. PDT (5:30 p.m. EDT). Vielleicht wurden da diese ominösen 5000 Jobs verlautbart? Hmm – zur Zeit als ich das schreibe ist der noch gar nicht online gegangen. Man findet unter dem obigen Link nur die Pressemeldung wieder. Ohne irgendwelche Ankündigungen von Job-Verlusten.

Interessant: Reuters nahm die Meldung über die 5000-Jobs sang- und klangheimlich wieder von der Homepage:

Reuters posted the following alerts to its websites, then rem... on Twitpic

Spannend ist das Ganze weil es nämlich einen Artikel von Januar diesen Jahres gibt, in dem Reuters das mit den 5000 Jobs schon mal zur Sprache brachte:

Microsoft Corp stunned Wall Street with disappointing results that included plans to slash up to 5,000 jobs and a warning that profit and revenue will almost certainly drop over the next two quarters.

Der Artikel stammt vom 22. Januar des Jahres. Im aktuellen Artikel bei Reuters steht übrigens davon nichts mehr:

Microsoft Corp’s quarterly revenue fell a steeper-than-expected 17 percent and annual sales of Windows fell for the first time ever, as its business continued to be hurt by the weak global PC and server markets.

Das kennen wir schon aus der Pressemitteilung von MS selbst, der Rest hält sich auch weitestgehenst dran. Was sagt uns das nun? Woher kommen eigentlich diese 5000 Jobs, die da so brandaktuell laut Reuters freigesetzt werden sollten – also vor kurzem erst?

Klarheit in die Angelegenheit bringt dann die Meldung von Market-Watch – da ist dann klar woher diese Zahl von 5000 Jobs herkommt – sie ist – nun wirklich old news:

Microsoft said in January it would be eliminating some 5,000 jobs by the summer of 2010 in an effort to cut costs and streamline operations. The company also has said it intends to hire up to 3,000 employees in more strategic areas in coming months.

Aha – MS hatte im Januar angekündigt, dass das Unternehmen 5000 Jobs abbauen wird – soweit so Reuters, was Reuters aber im Januar irgendwie nicht mitbekommen hat, jedenfalls finde ich im obigen Bericht vom Januar nichts davon ist, dass MS diese nicht sofort, noch in diesem Jahr, noch im nächsten abbauen wird, nein. Diese werden zum Sommer des Jahr 2010 eingespart um Kosten zu senken. Und das Unternehmen wird in den nächsten Monaten 3.000 Leute neu einstellen – aber in „mehr strategischen Bereichen.“ Was auch immer das ist.

Mutmaßen wir also:

Vermutlich hat da jemand bei Reuters einfach etwas vorschnell reagiert und sich vertan: Anstatt den aktuellen Bericht als „Breaking News“ zu posten hat er vermutlich den Bericht von Januar gesehen und das Datum nicht beachtet. Was leicht passieren kann, der Fehler passierte mir nämlich auch zuerst als ich nachschaute.
Spannend ist daran, dass ein relativ neuer Dienst, der seine Meldungen über Twitter verbreitet eben nicht diese Meldung kommentarlos übernommen hat sondern seine Quellen befragte. Noch spannender ist, dass Reuters diese ganze Breaking News einfach von der Homepage löschte ohne irgendwie zu sagen, dass es ein Fehler, ein Versehen war. Wie war das noch mit „Verwende niemals nur eine Quelle“?

Wobei: Gilt das auch wenn alle Zeitungen dieselbe Pressemitteilung von einem Konzern abdrucken? Und extremst spannend: Werden wir morgen in den Zeitungen gemeldet bekommen MS würde JETZT 5000 Leute an die Luft setzen, obwohl es wohl gar nicht stimmt? Interessante Zeiten, nicht?


Das DJV-Blog versimpelt SPON

Manchmal habe ich den Eindruck dass eine gewisse Partei und der DJV so einige Gemeinsamkeiten haben. Zumindest was die Geisteshaltung bei gewissen Dingen betrifft. Denn ebenso wie diese gewisse andere Partei beherrscht der DJV bzw. Blogger, die für den DJV tätig sind anscheinend das Simplifizieren recht gut – zumindest ein Blogger im DJV-Auftrag kann dies recht gut.

Dort lautet ein Beitrag „Die heile Welt von Spiegel Online“ und es wird im Absatz der Eindruck erweckt, als würde der SPOn-Journalist des betreffenden Artikels auf den sich der Blogeintrag bezieht nun Google an und für sich total gut finden:

Google ist gut. Wenn Google Bücher einfach so digitalisiert und online bereit stellt, ist das gut. Wenn Google Nachrichten und Inhalte von Journalisten abgreift, ist das gut. Wenn Google das ganze Land abfotografiert, online stellt und mit weiteren Daten verknüpft ist das gut. Wenn Google das alles mit seinem Anzeigengeschäft verknüpft und daran glänzend verdient, ist das gut.

Man fragt sich: Was in alles in der Welt haben Dienste wie Picasa, Google Book Search und Street View mit der Thematik zu hat aber so ist das nun mal in der schönen einfachen Welt des DJV-Bloggers. Google ist einfach mal böse und igitt und bäh – man könnte das Ganze allerdings natürlich differenzierter ausdrücken. (Was man nicht tun wird, dazu später.)

Gerade das hat der SpOn-Journalist aber offensichtlich getan, der sich pikanterweise im Kommentarbereich des Blogs zu Wort meldet:

In meinem Text steht unter anderem: “Natürlich gibt es bei so manchem Google-Produkt Probleme – mit dem Datenschutz oder dem Urheberrecht und einer marktbeherrschenden Stellung bei Online-Werbung.” Und nach vielen Tabellen, Zitaten und 8000 Zeichen Text auch: “Produktiv kann die Debatte über ein Leistungsschutzrecht jedenfalls nur werden, wenn sie ohne Schwarz-Weiß-Denken, Angstmacherei, Google-Bashing und die üblichen Schuldzuweisungen geführt wird. Wichtige, aber offene Fragen dabei: Was ist fair use? Wie werden die Autoren beteiligt? Welches Mitspracherecht haben sie? [...] Der DJV fasst das dann in diesem Blog so zusammen: “Die heile Welt von “Spiegel Online” – Google ist gut. [...] Das habe ich nicht geschrieben. Ich finde dieses Freund-Feind-/, Schwarz-Weiß-Denken unproduktiv. Das verhindert eine Analyse und eine echte Debatte darüber, wie man Journalismus finanzieren kann.

Nachdem es dann eine Weile hin und her geht – die Frage nach Google BookSearch wird dann doch beantwortet, der DJV-Blogger allerdings wiederschwallt allerdings unmäßig und stets nur auf den Anfang des SpOn-Artikels rekurriert und auf die Differenzierungen, die später kommen mit keiner Silbe eingeht – kommt dann die süffisante Bermerkung des SPOn-Journalisten, vor deren realer Beantwortung sich der DJV insgesamt sich bisher in der Diskussion drückt bzw. man hört ja, dass man den Bezahlcontent wieder einführen möchte:

Ohne Google hätte Journalismus im Web dasselbe Erlösproblem. Das ist die Argumentation meines Textes. Ihre Antwort darauf ist, zu erklären, wie böse Google ist. Das geht am Thema vorbei.

Und da der DJV-Blogger darauf keine rechte Antwort weiß auf dieses Kernthema halt – die dann im weiteren Verlauf auch keine große Rolle mehr spielt, die Frage nach der Finanzierung des Journalismus in der Zukunft – wird die Diskussion dann nach einigen Kommentaren einfach zugemacht. Was in diesem Fall natürlich Sinn macht, weil alle Argumente ausgetauscht sind – und man als Leser den unangenehmen Eindruck hat dass die Redaktion dieses Blogs einfach mit allen Mitteln mit dem Kopf durch die Wand möchte. Wie geschrieben: Da gibts durchaus Ähnlichkeiten mit einer gewissen Partei, die tut sich auch immer wieder dabei weh…


Wir nehmen den Bulo beim Wort!

Bulo bei Twitter

Bulo bei Twitter

Okay. Ich will eins und ich kaufe auch eins. Fehlen noch 99. Wer macht mit?


DJV antwortet auf offenen Brief-Nachdruck bei CARTA

Es gibt Tage da kann man einfach nur den Kopf schütteln. Erst Zensursula, dann Datenbanken in den UK, dann will die Piratenpartei keine Kulturflatrate – schocking – und jetzt gibts eine Antwort auf den offenen Brief des DJV-Kritikers Björn Sievers, der bei CARTA nochmals abgedruckt wurde. Und die ist – nun – realitätsverweigernd möchte ich nun nicht schreiben, das ist ein gar zu böses Wort. Nein. Weltfremd. Moment. Internetfremd! Jawoll. Ich möchte dann kurzzeitig auch die Kategorie von Lanu dafür übernehmen und ordne das händisch unter „Waldsterben“ ein. Zitate gefällig? Gerne doch…

Google hat sein erfolgreiches Geschäftsmodell auf der systematischen Auflistung und Verlinkung zu Beiträgen Dritter aufgebaut, für die das Unternehmen keinen Cent bezahlt. In Google News wird dieses Modell aktuell ausgeweitet.

Nun, das hat ja keiner bestritten. Was hindert die Verleger denn bisher eigentlich daran ein ebenso erfolgreiches Geschäftsmodell nachzulegen? Das mit dem Bezahlcontent bei Zeitungen haben wir ja schon mal ausprobiert und irgendwie war es ein Supererfolg, weil das heute alle tun oder so. Hat man wohl einfach verschlafen, dieses Google.

Die eine besteht darin, dass hier gutes Geld verdient wird, ohne die eigentlichen Urheber am Geschäft zu beteiligen. Die andere besteht in einer Machtballung, deren medien- und gesellschaftspolitischen Folgen erst in Konturen zu erkennen sind; denken Sie nur an die Frage, welche Anbieter und Themen (künftig) berücksichtigt werden, wer das Ranking beeinflusst etc…

Och, tutsi-tutsi-tu. Die eigentlichen Urheber sind doch die Autoren, richtig? Die sind doch von den Verlegern schon längst bezahlt wenn Artikel von denen gebracht werden, richtig? Also hat man doch Geld mit den Urhebern verdient – man verdient nur kein Geld mit der Werbung. Und verkennt mal wieder, dass Google News euch Klicks bringt. Die eigentlich Urheber werden doch auch neuerdings online durch die VG Wort vergütet – also jedenfalls habe ich gehört, dass soll irgendwie gehen, so mit Pixel im Code und so. Und dass Google eine große Macht im Internet ist stimmt. Hat aber mit dem Thema an sich nun gar nichts zu tun. Schließlich haben wir noch Yahoo, Wolfram Alpha, Boing – was macht ihr eigentlich mit denen? Oder seid ihr bei denen an den Einnahmen beteiligt?

Mit beiden Problembereichen muss sich der DJV als Vertreter von journalistischen Urheberinnen/Urhebern und als Verfechter publizistischer Vielfalt befassen.

Meine Güte, wie bigott. Publizistische Vielfalt? Gott, setzt ihr euch da nicht auf ein zu hohes Ross? Ich kann in letzter Zeit nicht erkennen, dass ihr irgendwie erfolgreich dagegen wart, diese Vielfalt einzugrenzen… Sorry, bei aller Liebe nicht.

Der DJV weiß, welch schwache Karten Urheber gegenüber ihren Auftrag-/Arbeitgebern haben, wie Urheberrechte mit Füßen getreten, wie freie Journalistinnen und Journalisten mit Billighonoraren abgespeist werden.

Zugegeben – ja, das wißt ihr. Und in einigen Punkten habt ihr Recht: Journalisten werden über den Tisch gezogen. Aber ist es nicht eure Aufgabe dann dafür zu sorgen, dass das nicht passiert? Ihr seid doch eine Gewerkschaft, oder? Liegen eure Kernaufgaben dann nicht woanders als sich mit Google anzulegen? Und dafür dann gesetzliche Regelungen zu verlangen?

Nochmal: Google – verlinkt. Google speichert keine eigenen Inhalte auf den eigenen Servern ab – also zumindest nicht dann wenn man nicht die Dienste von Google nutzt und man kann ja auch mit Yahoo – mist, China! – okay, man kann mit anderen Suchmaschinen gut leben. Die dann vermutlich auch direkt mit gesetzlich abgeregelt werden – diese Stoppschild-Idee der Zensursula ist wirklich ansteckend, aber leider auch falsch. Warum habe ich den Eindruck, dass hier nur um des Kläffens willen gebellt wird? Wie geschrieben: Kategorie „Waldsterben“ passt ganz gut.


Datenbankensammeln: Neues Hobby in den UK

Colin Holder, der Vater dieser illegalen Datenbank, behauptet rund 160.000 britische Pfund in die Erstellung der Informationssammlung investiert zu haben. Vier Jahre habe er daran gearbeitet. Als Quellen gibt er hauptsächlich staatliche Einrichtungen wie die britische Polizei oder das amerikanische FBI an. Dies Kosten will der ehemalige Polizist nun mit einem einfachen Geschäftskonzept wieder einspielen: Gegen Gebühr möchte Holder die Datenbank der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Na gottseidank – ich dachte schon, dass es Daten von Deutschen sind. Aber kann ja gar nicht sein. Uff. Meine Güte, haben die Briten auch komische Hobbys. Glücklicherweise sammeln bei uns ja die Behörden alle Daten ein, da kann sowas ja nicht passieren.


Der Bulo hat einen neuen Rahmen

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Wurde auch mal Zeit – schließlich kann nicht jeder behaupten einen Original-Bulo zu Hause im Schrank stehen zu haben. Seine Karikaturen findet man ja schon mal im Journalisten, dieser DJV-Postille. Unter anderem. Er gibt auch den Clap-Club mit heraus. Das heitere und überaus lustreiche Gegenstück zur Werben und Verkaufen oder so. Oder ähnlich. Vielleicht auch anders.

Das Ganze war damals eine Aktion von Lanu – wer möchte, kann das Ganze noch nachlesen. :-)


Liebe Zensursula: In Sachen Netiquette

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Sie überhaupt so gar keine Ahnung vom Internet haben. Das macht aber nichts, die meisten Politiker haben davon ja keine Ahnung da passen Sie schon mal ganz gut rein in die Riege. Es wundert mich nur, dass Sie keine Berater haben – nein – es wundert mich nicht, dass Sie keine Berater haben, denn die hätten sie sonst längst schon auf eine kleine und feine Tatsache aufmerksam gemacht.

Laut dem Interview in der RP, in dem Sie sich mal wieder darüber verbreiten wie toll Stoppschilder vor Internetseiten sind – löschen statt sperren wäre die Alternative und dass das geht wurde ja schon bewiesen – haben Sie jetzt das Feuer neu entdeckt und das Rad neu erfunden. Oder werden es neu erfunden. Denn es kann ja nicht sein, dass es im Internet keine Benimmregeln gibt. Nein, um Gotteswillen, dass geht ja so gar nicht:

Ich möchte gemeinsam mit den Verantwortlichen solcher Kommunikationsforen, aber auch mit der Kompetenz der Jugendlichen einen Verhaltenskodex entwickeln. Es geht um achtsamen und wachen Umgang miteinander. [...] Respektvoller Umgang muss in Chats, blogs [SIC] oder Foren so selbstverständlich sein, wie wir das auch im Schulalltag mit Streitschlichtern oder Vertrauenslehrern einfordern.

DIESE Kommunikatonsforen nennen sich Social Networks. Dort sind Sie gar nicht aktiv. Denn schauen Sie mal in die AGBs von – nehmen wir mal Facebook, weil ich da auch aktiv bin – nehmen Sie also mal die AGBs von denen her und gucken Sie mal was da steht. (Wobei – dass die Internetbenutzer diese AGBs kennen ist eigentlich selbstverständlich, was meinen Sie als los war als Facebook die ändern wollte? Zu Ungunsten der Nutzer? Na, da war der Bär los!)

Wir möchten, dass Facebook ein Ort ist an dem die Menschen die Rechte und Gefühle anderer respektieren, einschließlich der Rechte Dritter an ihrem geistigen Eigentum. Deshalb haben wir auf Facebook bestimmte Regeln für die Nutzung von Facebook und für das Posten von Nachrichten, Fotos, Videos und anderen Inhalten („Inhalte“) eingeführt. Diese Regeln werden in unseren Nutzungsbedingungen und in diesem Verhaltenskodex für Inhalte erläutert.

Und sowas ähnliches findet sich in allen Sozialen Netzwerken. Machen Sie mal nur die Probe, überall werden Sie Hinweise darauf finden was Sie in diesen Netzwerken dürfen und was nicht. Ähnliche Regeln gibt es übrigens auch für jedes andere Forum im Netz. Soweit zum Rad, das Sie neu erfinden möchten mit ihrer Kodex-Tafelrunde. Die ist gar nicht notwendig.

Sicherlich: Nicht jeder hält sich an diesen Kodex. Meistens aber wird das eh bemerkt und dem Betreiber gemeldet, der dann dafür zu sorgen hat dass die Inhalte entfernt werden. Etliche sind schneller, andere langsamer – im Prinzip aber hat der Nutzer seine Schuldigkeit getan wenn die entsprechenden Gruppen, die gegen andere hetzen oder in denen ein unziemlicher Umgang gepflegt wird dem Betreiber gemeldet werden. Ob der Einzelne dann noch vor Gericht geht oder nicht oder welche Folgen sonst daraus entstehen, das ist dann erstmal Sache des Einzelnen.

Ja, natürlich, dieses Cyber-Mobbing gibt es natürlich. Das ist durchaus ein Problem, das sehe ich auch. Aber wenn das schon jetzt passiert, schließlich muss man mit den AGBs auch den Verhaltenskodex unterzeichnen wenn man Mitglied in Social Networks wird, dann wird ein Verhaltens-Kodex der von Ihnen und irgendwelchen merkwürdigen Experten verabschiedet wird auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. In diesem Fall müssen dann Lehrer und Eltern eingreifen. Oder schlimmstenfalls die Polizei wenn man das nicht anders regeln kann. Aber dafür gibts dann Gesetze. Oder möchten Sie dann auch ein virtuelles Stoppschild vor die Gruppen hängen? Huch, nicht dass Sie noch auf Ideen kommen…

Ihr Unkenntnis angesichts des Internets ist aber noch in anderer Hinsicht erschreckend: Es gibt nämlich bereits einen Verhaltenskodex fürs Internet. Tatsächlich. Lassen Sie doch mal einen Rechercheauftrag mit dem Stichwort Netiquette erstellen und sich die Ergebnisse ausdrucken, liebe Zensursula. Folgendes käme vielleicht heraus:

Die Netiquette ist das älteste und beste Beispiel für die Selbstregulierung innerhalb der Internet-Community.

Denn die Netiquette ist so alt wie das Usenet – stellen Sie sich das als Internet in Schwarz-Weiß vor und in kompliziert. Dass sie nicht festgeschrieben ist sondern ständig erweitert wird ist ein Zeichen dafür, dass sie für das Internet entwickelt wurde. Ich empfehle Ihnen mal eine intensive Lektüre. Denn in diesem Kodex sind schon Dinge enthalten, die für alle Internetnutzer als Richtlinien des Handelns verbindlich sein sollten.

Die Frage ist natürlich: Warum wissen Sie, Frau Zensursula das nicht? Nun, vermutlich hat Ihnen das keiner erklärt. Ebensowenig wohl wie Lehrer oder Eltern auf den Gedanken kommen diese Verhaltensregeln ihren Kindern zu vermitteln – diese muss es geben sonst kämen Sie nicht auf den unsinnigen Gedanken nochmal das Feuer neu entdecken zu wollen. Aber hey, es sind Wahlen und da muss man ja nach vorne gehen sonst wird man nicht wiedergewählt. Denn letztendlich ist es doch das, was Sie bewegt und Ihre Motivation ist klar: Machterhalt. Meine Güte, Sie sind wirklich durchschaubar. Aber hey, machen Sie sich nichts draus: Für die meisten Politiker ist das Internet böse und gemein und muss unbedingt reguliert werden. Wäre ja noch schöner wenn jeder schreiben und denken könnte wie er wollte…


links for 2009-07-23


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