
Timebomb!
Es gibt Serien, die es wohl nie nach Deutschland schaffen werden. Das ist, wenn ich mir mal die Synchro von „American Dad“ oder „Futurama“ anschaue auch gar nicht mal so tragisch. Ich meine ein Juwel wie „Spaced“ funktioniert nur auf Englisch. Ebenso wie „Red Dwarf“. Oder „Monthy Pythons Flying Circus“ – ihr habt die deutsche Fassung auf Sat1 nicht gesehen? Seid froh drüber.
Es ist halt so: Diverse Serien sind halt so spezifisch, dass sie nur im Original funktionieren können. Ja, ich weiß, ich reite ein wenig drauf rum aber allein von den Stimmen her ist „American Dad“ auf Deutsch wirklich unlustig – sehen wir von Dingen wie „Weichei“ als Begriff für „Geek“ mal ab – was eine komplette Episode versaut übrigens… Eine Serie, die wir a) vermutlich nie hier zu sehen bekommen und b) die typisch britisch ist, ist „No Heroics“ – in etwa auf Deutsch annähernd wäre das wohl „Keine Heldentaten“. Wobei „Macht keinen Aufstand“ das Ganze wohl auch besser trifft. Aber der Titel ist betont ironisch angelegt – denn es geht in der Miniserie mit bisher sechs Folgen um Superhelden. Oh – habe ich erwähnt, dass es eine Comedy ist? Genau: Britisch spezifisch halt.
Und da wir eine britische Serie haben, haben die vier Superhelden-Charaktere eher den Bereich der B-Helden besetzt. Nun gut – Alex alleine schafft schon den B-Sektor zu füllen, denn als „The Hotness“ ist er nicht gerade der brandheiße Superheld, obwohl seine Fähigkeit gerade darin besteht Dinge zum Brennen zu bringen. Vorzugsweise Museen. Oder Zeitungskioske. Seine Ex: „Electorclash“ kann Maschinen beherrschen, was ziemlich cool ist – wobei Alex und Sarah eigentlich getrennt sind, sich aber jeden Tag im Pub „The Fortress“ sehen. Das Duo vervollständigen Jenny, „She-Force“ und drittstärkste Frau der Welt sowie Don „The Timebomb“. Und der ist: Alkoholiker, nimmt Drogen, schwul und habe ich erwähnt, dass er einen legendären Ruf als Folter-Meister hat? Ach ja: Er ist im Ruhestand. Eigentlich. Seine Fähigkeit: Er kann eine Minute in die Zukunft sehen.
Sechs Folgen lang zentriert sich die Comedy um dieses Quartett und deren Versuche ein mehr oder weniges normales Leben zu führen – wobei sie nicht die einzigen Superhelden auf der Welt sind und es durchaus auch B-Superschurken gibt. „Lightkiller“ gefällt mir ja ausnehmend gut – der kann das Licht ausmachen. ![]()
Dabei stellt sich heraus dass die Superhelden der B-Klasse genau dieselben Probleme haben wie fast alle anderen normalen Sterblichen. Alex giert nach Anerkennung und Ruhm, Jenny würde gerne ab und an mal eine normale Beziehung und ein normales Leben führen – Sarah leidet unter ihren erfolgreichen Eltern und ihre Beziehung mit Alex ist nicht gerade ein Highlight gewesen. Und Don macht im Ruhestand – von dem er ab und an dann doch zurücktritt um Geld zu verdienen – nicht gerade viel außer Whiskysaufen und Masturbieren. Sehen wir davon ab, dass er auch nicht davor zurückschreckt andere über die Klinge springen zu lassen. (Er ist wirklich ein fieses Arschloch, aber der coolste Superheld der mir in der letzten Zeit begegnet ist. Holla!)
Die Serie lebt natürlich von diversen Anspielungen auf Comichefte und die Popkultur – und wenn man im ersten Moment auch skeptisch ist: Sie funktioniert. Die Dialoge sind witzig und scharfsinnig, die Charaktere so menschlich, dass man einerseits mit ihnen leidet, aber andererseits auch über sie lachen kann – und es gibt solide Plots. Klar, nicht jeder Gag kann zünden und Humor ist bekanntliche Geschmackssache. Dennoch ist „No Heroics“ eine kleine Perle aus dem Land, dessen meisten guten Serien in Amerika verhunzt werden.
(Freddie Prince Jr. ist tatsächlich für das Remake bei ABC im Gespräch, oh – mein – Gott…)

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