Tagesarchiv: 2. April 2009

Wann das nächste Bloggertreffen ist?

Das werden wir mal in Ruhe bei der Bitterschlag-Lesung besprechen – da gabs schon Nachfragen – aber bekanntermaßen sollte man dubioses Netzwerken nicht in der Öffentlichkeit machen, sonst wäre es ja nicht mehr dubios. ;-)


Raubpiraterie reloaded

The Alchemist - The World's Greatest Lie
Image by Lord TriLink via Flickr

Es ist das 21. Jahrhundert und alles, was digital vervielfältigt werden kann wird früher oder später seinen Weg ins Internet finden. Natürlich kann man das, wie jetzt einige schwedische Autoren erst dann realisieren wenn Hörbücher illegal im Netz auftauchen:

Henning Mankell, Per Olov Enquist und andere bekannte schwedische Schriftsteller gehen mit Strafanzeigen gegen Raubkopierer ihrer Hörbücher aus dem Internet vor. Wie die Zeitung “Svenska Dagbladet” am Donnerstag berichtete, setzen Autoren über ihre Verlage damit deutlich verschärfte gesetzliche Regeln um. Sie beantragten bei einem Stockholmer Gericht die Strafverfolgung von Betreibern eines Servers. Von dort konnten 27 Hörbücher 15 bekannter schwedischer Autoren kostenlos heruntergeladen werden.

Natürlich ist eine Urheberrechtsverletzung etwas, was man nicht tolerieren sollte. Nur ist die Frage ob eine solche Reaktion etwas bringt und die Antwort darauf liefert momentan die Musikindustrie: Nö, nix. Denn offenbar hat man im Verlagswesen und im Buchhandel nichts aus deren Misere gelernt.

Anstatt ein interessantes, günstiges Angebot zu machen – so kosten digitale Bücher und Hörbücher immer noch viel zu viel meiner Ansicht nach. Aber: Hörbücher kann ich mittlerweile DRMfrei bei iTunes oder anderen Anbietern bekommen. Wie ja momentan das vor einiger Zeit noch so “benötigte” und hochgelobte DRM zurückgefahren wird weil es die Käufer schlicht und einfach verärgerte.

Wenn die Verlagsbranche jetzt den selben Fehler wie die Musikindustrie macht bzw. wenn die Autoren sich weiland wie Metallica – man könnte sich erinnern, die haben gegen Napster damals gewettert, geholfen hats im Endeffekt nun auch nicht viel – verhalten, dann verspielen sie die Gunst der Käufer. Denn ich werde jetzt bestimmt kein Buch mehr von den genannten Autoren kaufen – wie ich auch kein DRM-MP3-Zeugs auf meine Festplatte gelassen habe. (Und jetzt mit Freuden das ein oder andere Album bei iTunes kaufe weil kein DRM…)

Gehts denn auch anders? Natürlich – Paulo Coelho z.B. zeigt, dass man es anders machen kann. Denn der staunenden Weltöffentlichkeit beim DLD08 offenbarte er, dass die Webseite Pirate Coelho von ihm persönlich ins Netz gestellt wurde. Ich zitiere mal etwas ausführlicher das Literaturcafe von damals:

Coelho hat sämtliche illegalen digitalen Kopien seiner Werke im WWW und in den Tauschbörsen zusammengesammelt und verlinkt sie auf dieser Website. Um die Site noch populärer zu machen, hat er sie sogar auf seiner offiziellen Website verlinkt und in einem Blog-Eintrag mit gespieltem Entsetzen darauf verwiesen.

Warum tut dieser Mann das? Nach der Logik der Verleger gräbt er sich damit doch das eigene Wasser ab. Niemand wird seine Bücher kaufen, wenn man sie umsonst im Netz bekommt. [...]
Coelho folgert daraus, dass die Leute das Buch zwar in einer Jäger- und Sammler-Mentalität herunterladen – aber nicht lesen. Coelho: »Wenn die Menschen lesen wollen, dann kaufen sie die Bücher.« Aufgrund dieser Erfahrung machte Coelho ein weiteres Experiment: Der Verkauf seines Romans »Der Alchemist« verlief in Russland nur schleppend. Es gab Probleme, das Buch in die Buchhandlungen zu bringen. Er verkaufte nur 1.000 Exemplare im ersten Jahr. Daraufhin stelle Coelho eine Raubkopie der russischen Ausgabe ins Netz. Der Verkauf wuchs auf 10.000 Exemplare im darauffolgenden Jahr an. Im Jahr danach waren es dann über 100.000 verkaufte Bücher. Coelhos Verleger wunderte sich, denn beworben wurde das Buch nicht. Coelho führt diesen Erfolg ausschließlich auf die frei im Netz verfügbare Raubkopie zurück.

Wäre das jetzt nur Coelho alleine – man könnte sagen, der Autor habe sich ja mit seinen Büchern – so wie Radiohead bei der “In Rainbows”-Geschichte – ja die Jahre zuvor einen gewissen Ruf erworben auf dem er jetzt aufbauen könnte. Vielleicht könnte man sich das nochmal überlegen – denn Cory Doctorow hatte diesen Status nicht – und es funktionierte ebenfalls bei ihm. (Wenn auch unter anderen Voraussetzungen: Cory nutzt die Creative-Commons-Lizenzs für seine Werke, man kann aber seine Bücher auch ganz normal im Handel erwerben. Heyne hat das für Deutschland ja komplett übernommen!)

Natürlich ist das Recht das Recht – keine Frage. Aber wenn auf der einen Seite ein großer Bedarf ist, der von der Industrie nicht berücksichtigt wird, dann kann man den entweder ignorieren – oder man kann etwas tun. Die Musikindustrie hats jahrelang ignoriert und voila, kaum fällt das DRM laden sich mehr und mehr Leute Musik legal runter. Dass es immer noch Leute geben wird, die das illegal tun ist klar, aber so ist halt der Mensch…

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links for 2009-04-02

  • Zwar geht die aktuelle brand eins (Wir lieben die Vielfalt!) zu recht der Frage nach, ob Diversität in Unternehmen tatsächlich so erfolgsversprechen ist, wie man raunt, doch was die re:publica am ersten Tag als Status quo auf der Bühne des Friedrichstadtpalast statuiert, wirkt undurchlässig, bequem und keinesfalls auf Krawall, Vermehrung und Machtergreifung gebürstet.
    (tags: blogs)

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