Lily Allens Album überrascht – einerseits durch die Texte, die man sich mal genauer durchlesen sollte, andererseits durch die vielfältigen musikalischen Mittel. Sicherlich erfindet sie den Pop nicht neu, aber zwei, drei Tracks auf dieser CD entlocken einem ein “Whow”.
Von Anfang an schreckt Lily Allan nicht vor sehr sarkastischen Texten zurück: “Klar, wenn du den Doktor davon überzeugen kannst, dass du unbedingt Schlaftabletten brauchts – na, dann ist das ja wohl kein Mogeln” singt sie in “Everyone’s At It”, in dem Song geht es um Ehrlichkeit und darum, dass wir alle eigentlich richtig heuchlerische Menschen sind. “The Fear” setzt dann den Sarkasmus noch fort: Der eingängige Song setzt sich kritisch mit dem Idol-Dasein auseinander und der Abgehobenheit des Star-Daseins – wenn man das denn mal erreicht hat: “Ich will reich sein und ich will Geld haben, ich schere mich nicht drum ob ich clever oder witzig bin … Ich weiß nicht, was Richtig oder Real ist und ich weiß auch gar nicht, was ich eigentlich fühlen sollte” – dabei ist der Song ja eigentlich mit dem Gitarren-Intro und dem Popgewand ja recht eingänig und nett. “Not Fair” erinnert an einen schnellen Country-Song, komplett mit Akustik-Gitarren-Floskeln. “22″ könnte auch von Duffy stammen, wenn es da nicht dieses Cembalo im Hintergrund gäbe – und der Refrain nicht locker-flockig-poppig daherkommen würde. “I Could Say” hat eine sehr lange Klaviereinleitung, die fast alleine Lillys Stimme trägt – eine ruhige Nummer im Vergleich mit den anderen. “Back to the Start” – huch – was macht denn der Gameboy in diesem Song? “Never gonna happen” greift tief in die “russische” Klischeekiste von den Harmonien und der Melodie her, um dann im Refrain richtig zynisch zu werden: “Wie deutlicher soll ich denn noch werden? Das wird nie was mit uns beiden” – und der etwas zuckrige, jahrmarktmusikartige Refrain zaubert ein Grinsen aufs Gesicht. Neben “The Fear” mein absoluter Favorit: “Fuck you” – eine Burt-Bacarach-Klavierbegleitung zu Beginn führt einen etwas in die Irre. Wenn Lily Allen “Fuck you, fuck you very mery much” singt, dann jubiliert die Stimme derart in die Höhe, dass es zynischer einfach nicht mehr geht. Und man swingt dazu dann noch mit als Hörer… Alle Achtung. “Who’d Have Known” ist eine ruhigere Nummer, aber auch hier lohnt es sich auf den Text zu hören. “Chinese” bietet nochmal das Cembalo auf – ab sofort bitte mehr Cembalos in Popsongs! – “Him” stellt sich die Frage, wenn es einen Gott gibt, was er wohl empfindet und der Refrain ist hart: “Solange er sich erinnern kann sind Leute in seinem Namen gestorben, lange vor dem September, lange bevor Flugzeuge gekapert wurden … Er weiß gar nicht mehr wer Recht oder Unrecht hat…” Das letzte Stück der CD ist dann eine Hommage an alte Jazzplatten: Während Lily Allens Stimme unverfälscht zu hören ist, klingts im Hintergrund so als würde man eine alte, rauschende Schellackplatte abspielen…
Alles in allem: “It’s not me it’s you” erfindet den Pop sicherlich nicht neu, überrascht aber mit brillianten Einfällen, mitreißenden Hooklines und nichtzuletzt Texten, die mehr sind als nur das übliche Geträller von Liebe und Frieden und so… Kaufempfehlung.


