Dass ARTE “Jekyll” zeigen wird, eine neue Adaption der bekannten Geschichte von Stevenson bzw. eher eine Fortschreibung derselben – James Nesbitt ist einfach nur genial in dieser Serie, echt jetzt, und Who-Bezug hat das Ganze auch noch, kicher – dass ARTE also am Freitag-Abend auf Serien setzt könnte vielleicht eventuell an einer Serie liegen, die ich heiß und innig schätze, die hierzulande aber immer noch viel zu wenig bekannt ist: ReGenesis.
Das ist natürlich alles rein spekulativ, aber schauen wir uns doch mal an was ReGenesis auszeichnet. Erstens: ReGenesis ist innovativ. Zwar hat man den Split-Screen schon bei “24″ gesehen, klar, aber das “Rewinden” von ganzen Szenen, das ist neu. Das heißt: An einer bestimmten Stelle der Serienfolge sieht man tatsächlich, wie die Handlung zurückgespult wird und man verfolgt dann einen anderen Handlungszweig – vergleichbar vielleicht mit einem Soloabenteuer, bei dem man sich auch am Ende entscheiden muss. Auch in anderer Hinsicht ist ReGenesis innovativ – die Serie schafft den Spagat zwischen Einzelfolgen und Story-Arc und geht eine Mischform ein. Was für Gelegenheitszuschauer natürlich optimal ist. Man muss nicht unbedingt jede Folge sehen, man hat aber mehr davon wenn man alle Folgen der Serie gesehen hat. Gut, das schaffen andere Serien auch – aber eine Staffel von ReGenesis schafft es tatsächlich einen großen Story-Arc zu spannen, der von der ersten bis zu letzten Folge reicht und dazwischen noch mehrere kleine Story-Arcs, die ab und an ineinander übergehen oder mal auch einen Nebenaspekt der Serie beleuchten. So wenn sich ein Mitarbeiter mit dem Gedanken trägt, das Team zu verlassen etwa. Zudem ist die erste Staffel bis zum zweiten Drittel als einzig großer Rückblick erzählt, was man erst dann wieder realisiert wenn der Unfall wieder auf dem Bildschirm erscheint…
Zweitens: ReGenesis steht den sogenannten Pathologen-Serien recht nahe. Ein Genre, das mit CSI so richtig Schwung bekommen hat – allein drei Ableger davon tummelten sich zeitweise im deutschen Fernsehen, momentan ist der Boom aber wieder vorbei. Mit “Dr. House” ist immer noch eine Serie des Genres bei uns aktuell vertreten. Dabei setzen diese Serien überwiegend auf Einzelfolgen, die nach einem bestimmten Schema ablaufen. Ein Mordfall muss aufgeklärt werden, Beweise werden eingesammelt, Zeugen werden befragt, irgendwann fällt einem dann auf, dass irgendwas nicht stimmt und zum Schluss ist der Fall gelöst – das ist eine typische CSI-Folge. Auch bei “Dr. House” gibts ein Schema, das nicht unbedingt innovativ ist und das man nach zwei, drei Folgen recht leicht durchschaut hat – auch wenn die vierte Staffel dank Neubesetzungen von Assistenten zumindest neue Gesichter auf die kleine Leinwand bringt. Doch das Schema ändert sich kaum. Das Privatleben der Charaktere bei CSI spielt keine weitere Rolle, sie funktionieren als reine Arbeitsmaschinen um den Plot voranzutreiben – ein Plot, der stets nach 45 Minuten zu Ende ist.
ReGenesis dagegen beschäftigt sich nicht nur mit “dem Fall der Woche” – der dann sowieso erst meistens in der nächsten Folge geklärt wird. Bei ReGenesis sind die Wissenschaftler, die Woche für Woche Viren oder Krankheiten auf der Spur sind – bakterielle Kriegsführung durch Terroristen etwa ist ein Thema, das in Staffel Eins und Zwei durchaus öfters vorkommt – menschlicher. Man bekommt einen Einblick in das persönliche Leben der Charaktere und wenn es in der ersten Staffel richtig hart auf hart kommt – dann sieht man auch die Auswirkungen. Joss Whedons Dogma, dass jede Handlung Konsquenzen hat wird hier durchaus Ernst genommen. So verfolgt man dann auch gerne die Entwicklung der einzelnen Charaktere und man versteht, warum der Leiter des Norbac-Teams gegen Ende der Staffel einfach nach China abhaut. (Dass die späteren Staffeln dann mit fiesen Cliff-Hangern enden… Nun ja.)
Drittens: ReGenesis ist einfach toll produziert. Die Szenen im Labor fühlen sich wirklich wie Szenen in einem modernen Labor an. Die Spezialeffekte – kleine fiese Viren auf dem Bildschirm anzuschauen hat schon irgendwie etwas beunruhigendes, aber gut – sind einfach gut gemacht. Gut: Die Specialeffekte sind meistens so gut versteckt, dass man sie gar nicht sieht. Also nichts mit zischenden Laserstrahlen, sabbernden Zombies oder sich häutenden Werwölfen – hmm, häuten sich Werwölfe eigentlich? Schreib: Das ganze Ambiente stimmt. Ob man nun in Toronto ist, in China oder später in New York – das alles sieht glaubhaft aus. Der Look stimmt also, auch wenn das Budget vermutlich nicht das einer CSI-Folge sein dürfte. Ebenso faszinierend: Als ReGenesis im Original in Kanada lief gab es gleichzeitig ein Augemented-Reality-Spiel dazu. Man konnte also gleichzeitig im Web auf verschiedenen Seiten Aufgaben lösen und mehr über die Charaktere erfahren.
Jedenfalls: Ob ReGenesis schuld am Serienfreitag 2009 bei ARTE ist? Ist doch zu vermuten – denn selbst wenn ReGenesis nur wenige eingeschworene Fans hat, dürften diese die Quoten doch in die Höhe getrieben haben. Freuen wir uns also ab Januar auf “Jekyll”. (Und hoffentlich auf eine angenehme Synchronisation des Ganzen, aber die war bei ReGenesis schon sehr in Ordnung.)