Tagesarchiv: 12. Oktober 2008

Bibliotheken sind keine Autowaschanlagen!

Seit heute habe ich einen neuen Freund: Norbert Lammert. Norbert, Norbert, Norbert, da war doch was, da war doch was aber ihr kommt nicht drauf liebe Leser? Ihr enttäuscht mich: Nor-bert Lam-mert. Der da.

Der hat heute nämlich lauthals beklagt, dass Bibliotheken sonntags nun so gar nicht öffnen dürfen. Weil das ja Kultureinrichtungen sind. Und überhaupt, wenn man am Sonntag ins Theater gehen könne aber nicht in die Bibliothek, dann sei das ja wirklich grotesk. Bibliotheken sind halt keine Autowaschanlagen! (Bekanntlich machen Bibliotheken ja auch nicht klug, wissen wir ja seit Herrn Knüwer aber lassen wir das jetzt mal.)

Da freut sich doch das Herz der Bibliothekare denkt man im ersten Augenblick: Kulturbeflissene Bürger könnten die Räume der Bibliothek füllen, endlich könnten Studenten wirklich im Sinne unserer Republik 24/7 vollzeitstudieren, es gäbe endlich mehr Mahngebühren und überhaupt alles total super…

Wenn – ja – wenn erstens Bibliotheken mancherorts wegen fehlendem Personal nicht eh schon Probleme hätten Samstags zu öffnen. Und wenn zweitens jetzt natürlich die hervorragende Idee aufkommt, dass man anstatt von Stellen, die man dann ja irgendwie schaffen müsste, Ehrenamtliche an die Theke setzt, die dann mal rasch eben Bibliothekarsaufgaben komplett lernen.

Natürlich habe ich nichts gegen Ehrenamtliche ohne die manche Bibliothek in Kirchen und Schulen nun gar nicht existieren könnte – und seien wir ehrlich: 2-Euro-Jobber sinds ja dann doch meistens die man im Sinn hat wenn man von Ehrenamtlichen spricht, gelle? – aber ich habe etwas dagegen wenn die Politik wunderschöne Forderungen aufstellt ohne nachzuschauen wie man diese verwirklicht.

Wenn Herr Lammers eine generelle Sonntagsöffnung für Bibliotheken fordert sollte er sich mal schleunigst überlegen woher die zusätzlichen Stellen kommen sollen und ob der Bürger das dann demnächst so toll findet wenn man wieder eine Steuer erhöhen muss… Vielleicht sollte man erstmal darangehen das Bibliothekssterben zu verminden in diesem unserem Land, DAS wäre ja vielleicht erstmal eines der Probleme, die dringender sind als eine Sonntagsöffnung der Bibliotheken für das kulturkonsumgeile Sonntagseinkaufspublikum. (Und ich habe immer noch nicht verstanden warum man Sonntags nun auch noch unbedingt einkaufen muss wenn sich am Samstag eh alles so benehemen als stünde der Komet vor der Tür und die Welt ginge am Wochenende unter – und das jedes Wochenende.)


Elkes Zorn

Nein, ich habe mir die Aufzeichnung des Deutschen Fernsehpreises nicht angeschaut, ich habe Besseres zu tun als langweiligen Moderatoren zuzuhören und zu erleben wie blasse Schauspieler und noch blassere Medienmacher sich selbst in den Himmel loben weil das “der tollste Preis evah” ist. Unwillkürlich frage ich mich ja immer was die sagen wenn sie den Emmy erhalten sollten – ist das dann der “noch tollstere Preis” evah?

Wir sind hier nicht in Hollywood, Dirk! ruft mir da mein Ego zu und tatsächlich sind wir in Köln-Ossendorf. Das liegt in Deutschland und Deutschland, so stellt es Elke Heidenreich jetzt offiziell in der FAZ fest, hat ein Fernsehen für das man sich eigentlich nur schämen kann:

Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich.

In der Tat: Wenn “Deutschland sucht den Superstar, den man nach einem Jahr eh wieder abschreiben kann weil den keiner mehr kennt” gewinnt, dann ist man einfach fassungslos. Und stellt fest, dass die Amerikanisierung des deutschen Fernsehens offenbar noch längst nicht angekommen ist sondern dass es bestimmt noch tiefer gehen wird. (Falls sich jetzt jemand wundert: Die Amerikaner machen wunderbare Fernsehserien. Und den Colberg-Report. Leider aber auch die Newssendungen wie FOX und Co…) Wobei: Hatte “Big Brother” nicht eigentlich auch den diesen komischen Preis gewonnen? Aber hey, wir sind hier nicht in Hollywood und von daher ist das auch nicht unbedingt ein Preis fürs Gedächtnis. Höchstens für die DVD-Hülle gut, wenn es wieder “Das Beste der letzten DSDS-Staffel” zu kaufen gibt. Hat alles seine Berechtigung, flüstert mir mein Ego zu. Verpiß dich, kontere ich.


Also so schlecht war der Janssens nun auch nicht, Herr Droste, ts, ts, ts

Peter Janssens in der Wikipedia – ich glaube nur Eingeweihte kennen den noch…


Noopod

Über den Sinn und Unsinn von Itunes zu diskutieren ist natürlich eigentlich fast vergebene Liebesmüh: Der Eine lobt es, weil es ja so einfach und praktisch ist – der Andere rümpft die Nase weil das Progamm in einem großen Paket daherkommt und man schließlich nur seine Musiksammlung hören möchte und nicht auch noch bei Apple einkaufen.

Fürs Podcasting-Empfangen brachte mich der Herr Nachbar auf eine schicke, kleine und elegante Alternative: Noopod. Das Teil kann neben Podcasts auch die nomalen RSS-Feeds verarbeiten, kann streamen, damit kann man auch Web-TV anschauen oder Web-Radio hören und ein Verzeichnis bringts auch mit. Einziger Schönheitsfehler: Es kann kein Atom. Jedenfalls habe ich es noch nicht fertiggebracht Atom-Feeds einzuarbeiten, bestimmt gibts da aber noch einen Hack oder sowas zu.

Ansonsten ist das Teil sehr, sehr klasse. Und wie ich sehe ist der Herr Nachbar auch selber sehr begeistert von dem Ganzen. ;-)


7 Forderungen für eine zeitgemäße Lehre

… hat das EduCamp in Berlin an diesem Wochenende aufgestellt:

Sowohl die kritische Rezeption von Medien und deren adäquate Aufbereitung, als auch ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten und urheberrechtlich geschützten Inhalten (im Internet) soll stärker in den didaktischen Stukturen der Bildungsinstitutionen verankert werden. Zur Medienkompetenz gehört ein Wissen über die gesamte Breite aller existierenden Medienformen und der jeweiligen Alternativen einer Lösung.

Ich habe schon angeregt, dass in den Absatz unbeding Schulbibliotheken als Ort der Erwerbung von solchen Medienkompetenzen reingehört bzw. überhaupt Bibliotheken…

{Whuffie an Anachorete}


links for 2008-10-12

  • Das System funktionierte so ähnlich wie das blurbing unserer Tage: ein bekannter Autor lässt sich mit einer kurzen Lobhudelei auf dem Schutzumschlag einer Neuerscheinung zitieren und darf im Gegenzug damit rechnen, vom gepriesenen Kollegen ebenfalls mit Lob bedacht zu werden, wenn der Umschlag für sein nächstes Buch gedruckt wird. – Hey, die Kölner haben den Klüngel gar nicht erfunden!
  • But surviving portions of Hitler’s private library reveal the German dictator as an ardent bibliophile, owning classics, history, travel writing, biography, studies of the occult and much else.
    (tags: netbib)
  • Bei strahlendem Sonnenschein demonstrierten am heutigen Samstag mehrere zehntausend Menschen für "Freiheit statt Angst" und gegen den "Überwachungswahn" in Staat sowie Wirtschaft. Die Veranstalter vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung sprechen mittlerweile von rund 100.000 Teilnehmern; die Polizei hatte zunächst mit 30.000 gerechnet.
    (tags: owl-content)
  • Social networks spent too much time trying to build audiences without building a solid business model. The thinking was, let thousands of startups innovate in thousands of ways and one of them will stumble onto something big. The way eBay did with online auctions, or Google did with a better search engine.
    (tags: internet)
  • Boah, die Demo war großartig.
    (tags: politik)

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