dann hat man desöfteren den Eindruck, dass hier Schaffarmer darüber reden wie man am Besten die Apfelernte verbessern kann. Schließlich, das muss man sich immer ins Gedächtnis rufen, haben Politiker generell ja ihr Einkommen erstmal sicher. Da lässt es sich dann gut philosophieren und nachdenken darüber, was man mit den Ärmsten der Armen so machen kann. Wie dumm, dass das Zeitalter eines Scrooges – “Gibts denn keine Gefängnisse und Armenhäuse mehr?” – vorbei ist, denn diese Lösung wäre bestimmt für einige Leute immer noch die Beste. Und seit Frau Herrmann wissen wir ja, dass bei Hitler auch nicht alles schlecht war…
Momentan wird mal wieder die gesellschaftliche Fehde zwischen den Normalverdienern und den Hartz-IV-Empfängern von einem Blatt mit vier großen Buchstaben ja heftig geschürt – “Abzocker”, “Schmarotzer”, das übliche Vokabular wird mal wieder aufgeführt. Nun mag es sicherlich Leute geben die das System ausnutzen, aber die gibts auch bei Leuten in höheren Positionen mit “Du, wir schieben mal eben diesen Geldbetrag in die Schweiz und hier haste einen Anteil daran…” Leute, die das System ausnutzen gibts natürlich immer. Dummerweise ist es ja so, dass sich die schlechten Nachrichten eher festsetzen als die Guten. Schlechte und sensationelle Nachrichten steigern die Quote, das ist bei der Tagesschau nun auch nicht anders. Die guten Nachrichten vergißt man auch immer, aber sobald was Negatives in der Presse ist – ZACK – “siehste, diese Rumlungerer haben unsere Steuern gar nicht verdient.” (Ein Argument übrigens, dass ich persönlich mit den Hinweis auf etliche Jahre Einzahlung in den Topf durch Arbeit immer gerne abweise und erläutere, dass das halt “sozial” heißt…)
Jetzt haut noch ein Wissenschaftler in die ohnehin schon bestehende Hasskluft rein und behauptet kackdreist, die Sätze für Hartz-IV – die dringend erhöht werden müssten, ist es meine Schuld wenn die Gaspreise und die Strompreise, letztern zahle ich ja immer noch selbst, steigen??? – seien nicht zu niedrig, nein, sie seien zu hoch. Nein, es ist nicht Herr Sarrazin, dessen nächstes Fettnäpfchen gewiß schon bereitsteht und den ich mal gerne im Winter mit einem Pullover im Bundestag sehen möchte. Nein, diesmal ist es ein Herr Thießen, “nenne mich Magister, Doktor gar”. Der meint, dass die Sätze gar zu hoch sind – mit knapp 130 Euro müsste man doch auch auskommen und Anerkennung ist doch eh wichtiger als schnöder Mammon.
Anerkennung bezahlt mir aber weder die Miete, noch den Friseur, noch die Körperpflege.
Verdammt toll finde ich ja, dass eine Ein-Euro-Pauschale für die Stadtbücherei und fürs Internet drin ist. Prima. Ist ja nicht so als ob die Jahresgebühr für die Bibliothek in jeder Stadt an die 12, – Euro kostet und das Internet dann total kostenlos ist in jeder Bibliothek des Landes – in Essen bezahlt man einen Euro die Stunde bye the way. Ist ja auch nicht so, dass der Arbeitsvermittler einem nicht sagen würde: “Wir haben da eine Internetseite mit Stellenangeboten.” Ist ja auch nicht so, als ob jede Stadtbücherei Raum für das Erledigen seiner Bewerbung hat – Drucker zum Beispiel sind desöfteren Luxus.
23 Euro für ein sogenanntes Netzticket sind auch illusorisch. Ein Monatsticket für den Bereich A – damit ist dann aber nur die Innenstadt selbst abgedeckt, wenn man für ein Bewerbungsgespräch in die nächste Stadt fahren muss hat man schon wieder Extrakosten, aber klar, man soll sich ja UEBERALL bewerben, gelle? – kostet derzeit knapp 58 Euro im Monat. Die Fahrten zur ARGE selbst bekommt man ja mittlerweile, wenn man lange genug mit denen sich rumärgert – erstattet, die 6 Euro-Grenze gibts ja nicht mehr. Selbst das Studiticket kostet mehr als 23 Euro…
Sehen wir mal davon ab, dass Kosten für Bildung generell nun auch irgendwie so gar nicht – hmm – auftauchen. Kino? Oper? Theater? Schon mit 351 Euro ein Luxus. Mit dem vorgeschlagenem 1 Euro bleibt dann am Ende ja nur wohl, sich mit BLOED und LAHMPRESS zu bilden – und dass dann auch nur so ein oder zwei Wochen… Wobei ja gnädigerweise in diesen 1-Euro folgendes noch miteingerechnet wird: “Unterstellt wird darüber hinaus eine Freizeitgestaltung in Form von Gesprächen, Spaziergängen, Nutzung von Parks, Teilnahme an öffentlichen Festen etc.” Der Herr Thießen kann viel unterstellen.
Ich unterstelle dem großen Doktor und Gelehrten da gar nichts. (Denn das, was ich ihm unterstellen möchte ist eventuell von der Meinungsfreiheit nun so gar nicht gedeckt.) Ich möchte nur einige Worte aus einem Klassiker der Literatur zitieren:
Der Scheuch schüttelte betrübt den Kopf. „Ich weiß gar nichts. Schließlich habe ich statt eines Gehirns nur Stroh im Kopf. Was erwartest du also?“
[Whuffie an ZAF]