(Wir paraphrasieren nochmal den Anfang etwas, guckt sonst bei Twitter nach.
)
Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne, eine Mühle, einen Esel und einen Kater. Die Mühle war, was eigentlich recht logisch ist, zum Mühlen des Mehls da, der Esel zum Säcke schleppen und ab und an mal das Mühlrad anzutreiben wenn das mal steckenblieb und der Kater – der fing halt die Mäuse. Jedenfalls sollte er das tun.
Als der Müller nun ans Sterben kam verteilte er seinen Besitz seiner Meinung durchaus gerecht auf alle drei Söhne auf: Der Älteste bekam die Mühle, der Zweite bekam den Esel und der Jüngste den Kater. Wie Väter nun mal so sind dachte der Vater halt etwas praktischer: Der Älteste konnte weiterhin mahlen, der Zweite hatte den Esel – und so hatten sie eine Art Public-Private-Partnership. Das war natürlich sehr toll für die Beiden, der Jüngste aber war über sein Erbe betrübt und meinte: “Also, mein ältester Bruder hat die Mühle und sein Auskommen, der Andere hat den Esel, der kann immerhin Säcke schleppen und ich? Ich habe einen alten Kater. Na, dessen Fell wird immerhin noch für einen Muff für den Winter gutsein wenn ich ihn getötet habe.”
Der Kater hatte nun das alles ganz genau verstanden und war natürlich nicht unbedingt erfreut darüber, deswegen tat er etwas was er sonst nie zuvor getan hatte – weil ich das sonst auch schon vorher irgendwie erwähnt hätte – er sprach: “Moment – aus meinem Fell willst du einen Muff machen? Lass mir doch lieber ein Paar Stiefel anfertigen damit ich mich unter den Leuten sehen lassen kann. Dann wirst du schon sehen, dass du dein Glück gemacht hast mit mir.” Dem Jüngsten hats daraufhin erstens die Sprache verschlagen, zweitens kratzte er das Wenige zusammen was er hatte um den – rein zufällig anwesenden – Schuster Geld für ein paar Stiefel zu geben, die eines Königs würdig waren. (Gut, es könnte auch sein dass der Schuster da etwas übertrieben hat – wir kennen das ja…) Die Stiefel passten den Kater wie angegossen. Rasch holte er noch einen Sack, etwas Korn, bereitete den etwas umständlich vor indem er eine Schnur anpasste damit der Sack oben zugezogen werden konnte und ging dann erstmal in den Wald.
Da der Kater sich ja ab und an vom Mäusefangen erholen musste – also seiner Meinung nach schuftete er sowieso viel zu viel – hatte er sich ab und an mal auf der Straße rumgetrieben und im Wirtshaus und dem Tratsch der Leute zugehört. Deswegen wußte er: Der regierende König liebe Rebhühner gar sehr. Also auf dem Tisch. Am liebsten mit einer Bratensoße angerichtet und knuspriger Haut. Das Problem aber war: Diese Rebhühner waren den Jägern des Königs einfach zu schlau. Sobald die Jäger auch nur atmeten flogen die Rebhühner schon davon. Dementsprechend war der König natürlich ungehalten.
Der Kater aber wußte genau, wie er die Rebhühner fangen konnte: Geschickt legte er eine Spur aus den Körnern aus, die direkt in die Öffnung des Sacks führte. Da Rebhühner bekanntlich neugierig aber nicht besonders helle sind was Taktik anbelangt folgten sie der Körnerspur und kaum waren sie im Sack – zack – zog der Kater die Schnur zu und die Rebhühner waren gefangen. (Es waren wirklich selten dämliche Vögel was Taktik und Planung anbelangt…)
Als der Kater nun den Sack voll und die Rebhühner auf sanfte, schonende und biologische Art und Weise mit Liebe und Zärtlichkeit – ähm – vom Leben in den Tod gebracht hatte – natürlich rein biologisch versteht sich – ging er hinauf zum Schloss. Die Wachen waren erstmal mißtrauisch: Erstens hatten sie noch nie einen Kater mit Stiefeln gesehen, zweitens sah der auch nicht besonders vertrauenserweckend aus. “Halt! Wo willst du denn hin?”
“Zum König!”
“Ein Kater und zum König?” Da meinte die andere Wache: “Ach, lass ihn doch gehen. Der König hat doch oft Langeweile, vielleicht hat er Vergnügen an diesem Kater.” Und schnurstracks trat der Kater dann vor den König. Der besah ihn sich staunend, denn einen Kater mit Stiefeln hatte er auch noch nie gesehen – und dann war da noch der Sack… “Was ist in dem Sack?”
“Allergnädigste Majestät – mein Herr, der Graf de Carabas schickt euch als Zeichen seiner höchsten Verehrung diesen Sack voller toter, auf sehr sanfte Art und Weise ohne Schockmittel vom Leben in den Tod gebrachten Rebhühner.”
Der König musterte den Sack kritisch, rief dann seinen Koch herbei, der den Sack öffnete und tatsächlich – da waren lauter Rebhühner. Der König war hocherfreut, rief seinen Schatzmeister herbei und befahl, dass der Kater soviel aus der Schatzkammer nehmen dürfe wie er tragen könne. (Der König war erstens total reich, zweitens hoffte er noch auf mehr Rebhühner wenn er sich etwas generös zeigte.)
Als der Kater den ganzen Sack voller Gold vor die Füße des Müllersohnes war, da war der so erstaunt, dass er kein Wort herausbringen konnte. Vor allem, weil der Kater meinte: “Dies ist das Gold des Königs als Dank für die Rebhühner.” (Im Grunde seines Herzens hatte der Müllerssohn nämlich schon längst bereut seine letzten Dukaten/Hirschtaler/Währung des Märchenlandes für die Stiefel des Katers ausgegeben zu haben. Und das Wirtshauszimmer war nun auch nicht unbedingt das Billigste…) “Jetzt hast du Geld und Gold genug,” fuhr der Kater fort, “aber dabei solls nicht bleiben. Morgen ziehe ich meine Stiefel nochmal an und werde Exklusiv-Lieferant des Königs für Rebhühner. Vielleicht lässt sich da ein Franchise draus machen.” Und so geschah es: Der Kater ging alle Tage ins Schloss der Königs, lieferte die Rebhühner ab, der König ass sie und alles hätte nun gut sein können. (Bis auf die Tatsache, dass der König jede Nacht Sodbrennen bekam, weil er nicht von den Rebhühner lassen konnte, was den Hofmedikus nun nicht gerade eine gute Zeit erleben ließ.) Der König hatte aber, das wußte der Kater mittlerweile, eine hübsche Tochter. Wohlerzogen. Gesittet. So wie Prinzessinnen sein sollten. Die fuhr einmal in der Woche an den See, um dort – ähm – das zu machen was Prinzessinnen so machen: Blumen pflücken, über grüne Wiesen laufen und ab und an Erdbeeren zu naschen, die dort wuchsen. (Das ist ein Märchen, da können Erdbeeren auch mal nicht im Wald wachsen. So.)
Da sprach der Kater zum Müllerssohn: “Höre mal, ich habe eine Idee wie wir aus dir einen Grafen machen. Morgen ganz in der Frühe gehst du zum Teich um zu baden. Ich werde dafür sorgen, dass du mit neuen und prächtigen Kleidern ausgestattet wirst und werde dich zu DEM Grafen de Carabas machen.” Der Müllerssohn fragte sich zwar wie der Kater das anstellen wollte, zuckte aber mit den Achseln – weil der Kater ja bisher immer Glück gebracht hatte und dumm war der Junge nun nicht – stand am nächsten Morgen früh auf, entkleidete sich – an dieser Stelle erwähne ich nur, dass das durchaus ein Anblick war, der die Frauen entzückt hätte – und sprang in den See. Kurze Zeit später kam die Prinzessin vorbeigefahren und als sie das tat rief der Kater: “Zu Hilfe! Zu Hilfe! Meinem Herrn, dem Grafen Carabas haben sie die Kleider gestohlen! Jetzt ist er im eiskalten Wasser” (12 Grad!) “und kann nicht heraus und er wird sich erkälten wenn er lange drin bleibt.” An diesem Tag nun war der König mit der Prinzessin an Bord der Kutsche. Als er hörte, dass der Graf de Carabas – der ihm ja zahlreiche Rebhühner geschenkt hatte – in Not war, befahl er sofort, Kleider aus dem Schloss zu holen. Als der Müllerssohn nass aber bekleidet in die Kutsche eingeladen wurde, sass er direkt neben der Prinzessin. Und die fand ihn recht hübsch und nett, wenngleich auch ein wenig wortkarg – aber das, dachte sie sich insgeheim, kann man ja in der Ehe später noch ändern… (Wir merken: Die Prinzessin war eine richtige Märchenprinzessin, denn im wirklichen Leben ändern sich Männer in der Ehe nie… Oder selten.)
Der Kater war aber vorausgeeilt, denn er hatte den Kutscher angewiesen zum Schloss zu fahren. Das Schloss gehörte aber einem gewaltigem Zauberer mit großen Ländereien an denen der Kater vorbeiging. Und egal ob es sich um Felder, Wälder oder Wiesen handelte, immer wieder spielte sich das Folgendes ab. Der Kater stellte sich hin und fragte: “Wem gehören diese Felder/Wälder/Wiesen?”
“Dem Zauberer, dem Zauberer”, antworteten die Leute. “Hört”, sagte der Kater dann, “gleich kommt der König in einer Kutsche vorbei. Wenn der euch fragt, wem das alles gehört so sagt: Dem Grafen de Carabas.”
“Und wenn wir das nicht tun?”, fragte immer ein Vorwitziger. “Dann werdet ihr alle umgebracht!” – Was die Leute dermaßen beeindruckte, dass sie dann immer brav sagten, das alles würde dem Grafen gehören als der mit dem König vorbeifuhr. “Nein, was habt ihr für schöne Ländereien,” sagte der König bewundernd, “das ist ja mehr als ich habe!” (Das sagte er natürlich nur um den Grafen zu beeindrucken, denn er hatte schon gemerkt dass die Prinzessin ganz verstohlen Blicke zu dem Grafen warf, ab und an auch schon mal mit ihm Händchen hielt und der Graf schien darüber nun nicht gerade unglücklich zu sein… So einen Schwiegersohn lässt man natürlich nicht aus den – ähm – zarten königlichen Händen.)
Als der Kater nun zum Schloss kam traf er auf den großen, bösen, gewaltigen Zauberer. Der musterte ihn kurz und meinte dann: “So was habe ich ja noch nie gesehen. Ein Kater mit Stiefeln. Ausnahmsweise bringe ich dich nicht um sondern frage, was du willst.” Der Kater hatte den Zauberer zwar noch nie zuvor gesehen, aber nach einem Blick in sein Zauberzimmer – komplett voller Spiegel und Abbildungen von ihm – wußte er wie der den Zauberer besiegen konnte. “Von weither bin ich gekommen um den Großen Zauberer zu sehen”, sagte er majestätisch. “Man hat mir berichtet, dass du dich in alles verwandeln könntest, was da kreucht und fleucht unter der Sonne.” Geschmeichelt meinte der Zauberer: “Ja, das stimmt.”
“Hmmm,” meinte der Kater, “das glaube ich nicht so recht – kannst du dich denn in einen Elfanten verwandeln?”
“Hah, meine leichteste Übung.” Und schwupps stand ein Elefant im Zimmer und peng, war er wieder der Zauberer. “Ach,” meinte der Kater, “das ist ja leicht, so ein großes Tier. Kannst du dich denn auch in etwas Kleineres vewandeln? In einen Löwen etwa?” Auch das vermochte der Zauberer mit Leichtigkeit. Da sprach der Kater – und wenn der Zauberer gut aufgepaßt hätte, hätte er ein Funkeln in den Augen bemerkt: “Ach, große Tiere sind doch viel zu leicht für dich – in so etwas Kleines wie eine Maus kannst du dich aber nicht verwandeln?”
“Hah,” dröhnte der Zauberer, “das wirst du ja gleich sehen.” Und pardauz, da war er eine kleine, fiepsende Maus. Der Kater aber sprang rasch herbei, griff sich die Maus und ohne weiteres Federlesen aß er sie auf. (Was mal wieder beweist, dass hinter aufgeschwollenen Typen meistens nur kleine Feiglinge stecken…)
Danach hatte der Kater noch genügend Zeit um den Wachen und dem restlichen Schlosspersonal einzutrichtern, dass ab jetzt ein neuer Herr im Schloss herrschen würde – was bei dem Personal nun keine Jubelstürme auslöste, denn von einer Erhöhung des Lohns sah der Kater erstmal ab und beließ es bei Drohungen. Da kam schon die Kutsche mit dem Müllerssohn, der Prinzessin und dem König herbeigefahren. Der König staunte über das prächtige, erhabene, schönere und vor allem viel größere Schloß des Grafen. Und weil sich der Graf und die Prinzessin gerade hinter die Kutsche verzogen hatten um – ähm – höchst anständige Dinge zu tun wie Küssen und sich verliebt in die Augen schauen und überhaupt sowas, was von den meisten Jungen als “Igitt-Kram” bezeichnet wird – deswegen überspringen wir das jetzt mal – also: Der König verkündete, dass die Prinzessin den Grafen heiraten sollte, der Graf hatte somit das ganze Königreich erworben – der Glückspilz, andere Prinzen bekommen nur die Hälfte ab – und alles waren zufrieden, glücklich und froh.
(Und da der Müllerssohn jetzt überhaupt nicht mehr neidisch auf seine Brüder war, lud er sie ins Schloss ein und ernannte sie ebenfalls zu Grafen. Der Kater aber wurde der erste Minister.)

