
Mit Quentin Tarantino aber leider auch mit Ashanti
Liebe Fans von Quentin Tarantino, da müsst ihr durch: Der Regisseur und Schauspieler hat einen Gastauftritt in der Muppets Version vom Zauberer von Oz. Ich verrate jetzt nicht was er macht weil das ja sonst den ganzen Spaß verdirbt – also mir macht es höllisch Spaß euch das NICHT zu verraten und ICH bin ja schließlich der führende Blogger in diesem Revier, also in meinem.
Aber ja, er hat einen Gastauftritt und ich habe mich ganz köstlich amüsiert.
Ach, die Geschichte? Kennt jemand wirklich “Das Zauberhafte Land” mit Judy Garland NICHT? Ts. Na schön, der Film peppt das Ganze natürlich etwas auf, insofern: Dorothy Gale – Ashanti – lebt bei ihrer Tante Em – Queen Latifa – und ihrem Onkel Henry – Edward Hibbert – in Kansas und arbeitet in einem Fastfood-Restaurant. Ihr Traum: Einmal eine ganz große Sängerin werden. (Der erwachsene Zuschauer denke sich jetzt bitte die innere, äußerst zwingende Logik weg, dass man für diesen Part des Films schon eine Sängerin gecastet hat, sonst funktoniert der Film nicht.) Dummerweise verpasst sie die Chance bei der Muppets Talentshow mitzuwirken, bekommt aber ihr Demo bei Kermit wenigstens unter. Wenig später kommt der Tornado, der sie und Toto – a prawn übrigens, schlagts mal nach – in das magische Land Oz wirbelt. Haus landet auf Hexe, Munchkins (Rizzo plus Ratten) sind glücklich, Glinda erscheint – Miss Piggy, die auch alle anderen Hexenrollen spielt – Dorothy wird auf dem Weg nach Oz auf der gelben Steinstraße geschickt und trift Vogelscheuche – Kermit – TIN-Mann – Gonzo – und den ängstlichen Löwen – Fozzy Bear – der irgendwie sehr mit seinen Locken seinem Vorbild aus dem MGM-Film gleicht. Nach diesem Bravoursatz können eure Augen erstmal Atem holen.
Nach allerlei Gefahren landen sie in der Emerald City, wo der Zauberer höchst ungnädig ist: Dorothy soll ihm das allsehende Auge – nein, nicht das Schwarze – der bösen Hexe des Westens bringen. Diese greift mit ihrer Rockerbande aus fliegenden Affen auf fliegenden Motorrädern Dorothy an, natürlich singen die Affen den Walkürenritt, seufz, und will natürlich die silbernen Schuhe, die Dorothy trägt. Nachdem Dorothy die böse Hexe derbe ins Gesicht getreten hat – weil, wir sind ja immer noch in einem Familien-Kinderfilm und Schwerter und Flammen und so, nee – landet sie im Pool, sie schmilzt dahin – natürlich – und Dorothy kehrt mit dem allsehenden Auge zurück nach Oz. Dort entpuppt sich der Zauberer als Schwindler, der dennoch versucht sein Versprechen wahrzumachen: Ein Gehirn für Kermit, ein Herz für Gonzo und Courasche – sorry – Courage für Fozzy. Allerdings: Dorothy nach Kansas zurückzubringen gelingt ihm nicht, dazu muss sie wieder zu den Munchkins. Was wir alle natürlich schon immer geahnt haben: Dorothys Manolos können sie an jeden Ort der Welt bringen. (Man fragt sich dann natürlich, warum Dorothy eigentlich die ganze Zeit durch Oz latscht, aber gut, es gibt Dinge, die weiß man und es gibt Dinge, die weiß man nicht.) Hacken dreimal aneinandergeschlagen, voila, Dorothy ist wieder in Kansas. Ohne Toto, der lieber in Oz bleibt. (Gut, okay, wenn ich eine Prawn wäre und feststellen würde, dass ich auf einmal sprechen kann – Pepe spielt Toto – dann würde ich mir auch überlegen ob ich in ein doofes kleines Aquarium – ähm – eine Glaskugel – zurückkehren möchte oder nicht. Vermutlich – nein.) Dort stellt sich natürlich heraus: Dorothy hat den Wert der Familie kennengelernt, aber kann dennoch mit den Muppets touren, weil Kermit – mit dem Regisseur am Tisch übrigens – keine bessere Sängerin gefunden hat. Happy-End.
Sehen wir man von der Tatsache ab, dass Ashanti nicht schauspielern kann – ihr Gesichtsausdruck changiert meistens zwischen “Oh – ich bin ja sooo erfreut” und “Uargh – das ist ja sooo furchtbar” – und ich Queen Latifa – was macht die eigentlich momentan? – auch nicht so besonders prall finde, aber gut, immerhin macht sie einen besseren Job als Ashanti… Gut, es ist keine Kunst besser als Ashanti zu sein, selbst David Hasselhoff ist besser als Ashanti in diesem Film. Sehen wir mal von der Rahmenahndlung also ab und nehmen wir Ashanti einfach als Debakel hin so macht der Film doch Spaß. Denn: Es sind Muppets drin. Das mag keine ernsthafte Begründung sein, ich bin aber auch nicht die Variety.
Gut, die computergenerierten Szenen beim Zauberer haben sichtlich schon einige Zeit auf dem Buckel – was sich in knapp zwei Jahren so alles ändern kann, doch, enorm, vielleicht reichte das Budget auch nicht für mehr, was wohl eher denkbar ist. Aber Miss Piggy in schwarzen Lederklamotten macht enorm viel Spaß, Kermit als Vogelscheuche und die Gags von Fozzy – nun – ich möchte nicht wissen wie sie die auf Deutsch übersetzt haben, ich kanns nochmal gegenchecken aber sowas wie “I’m playing the mane character” GEHT einfach nicht auf deutsch. Bis auf Rowlf sind alle Muppets vertreten und ich liebe den Auftritt von Sam. Dann hätte ich auch gerne eine magische Make-Over-Machine.
Besonders nett sind die Extras: Ein Blick hinter die Kulissen mit Pepe und ein etwas ausführlicheres Interview mit Quentin Tarantino mit Pepe. Recht witzig die Antwort auf die Frage, welche Muppets sich Quentin in welcher seiner Filmrollen vorstellen könnte – an der Stelle muss man sich natürlich fragen ob es wirklich so geschickt ist eine Anspielung auf die Filme von Tarantino – “Reservoir Frogs” oder “Kill Swill”, bwahahahah – auf einen Film mit draufzunehmen, der eine FSK 0 hat. Nicht, dass die lieben Kleinen demnächst etwa nach der DVD von “Pulp Fiction” fragen… (Gut, man sollte die Kleinen auch nicht unbeobachtet bei Youtube Dinge eintippen lassen. Es gibt da Dinge – die vier Ponys der Apokalypse sind ja noch harmlos, aber das Ding mit Kermit als Vigilant, oi, oi, oi…) Na schön, die älteren Zuschauer werden sicherlich wissen wer Tarantino ist und was er gemacht hat.
Falls ihr also mal 96 Minuten lang Zeit habt, die Muppets mögt und der Neffe zu Besuch sein sollte oder die lieben Kleinen am Sonntag sich langweilen – mit dem Film macht ihr nichts verkehrt. Allerdings sollte man doch vorher besser die richtige Variante mit Judy Garland vorziehen und dann erst den Muppets-Film. Einige Anspielungen versteht man sonst nicht so ganz. Aber ansonsten macht das Teil schon Spaß. (Allerdings ist der Weihnachts-Film noch einen Tacken besser. Wie, ihr guckt keine Weihnachtsfilme im Sommer?)