
Das Leben könnte für Sam eigentlich nicht besser aussehen: Seine Mutter hat den blöden Freund verlassen, er selber hat einige neue Tricks beim Skaten gelernt – Skatebooarding bye the way, nicht Ice-Skating! – und es sieht so aus als würde er als Erster in der Familie mal nichts versauen.
Bis er Alicia kennelernt, seine erste ernsthafte Freundin und sie von ihm schwanger wird. Das stellt Sams Leben natürlich völlig auf den Kopf: Von der ersten panikhaften Flucht nach Hastings über die erste Zeit mit Alicia, der zweitweisen Trennung und dem Versuch, dann doch alles wieder zu richten – sehen wir mal davon ab, dass Sams Mutter ebenfalls wieder schwanger ist und die Familienkonstellation damit etwas kompliziert ist. Schließlich hat Sams Mutter ihn mit 16 bekommen und Alicia ist auch nicht unbedingt jünger – wenn Sam sich nicht ab und an mit Tony Hawk, genauer einem Poster des Skaters, aussprechen würde und sich ab und an auf einmal in der Zukunft wiederfinden würde – dreimal insgesamt – wäre Sams Leben alles andere als entspannt. Aber irgendwie, so ahnt Sam, wird er dann doch vielleicht alles in den Griff bekommen und nicht erneut einen Slam hinlegen. Eventuell. Denn wer weiß schon was die Zukunft bringt.
Ohne dass man es ahnt hat man mit “Slam” einen Genre-Roman in der Hand – einen phantastischen Roman, der sich zuerst überhaupt nicht als einer ausgibt sondern wie all die anderen Romane von Hornby einfach als witziger, nachdenklicher und sehr gelungener Roman daherkommt. Die Perspektive des beim Schreiben des Berichts 18-jährigen Sams ist sehr gelungen – stellenweise muss man einfach grinsen, wenn Hornby die Probleme des in der Handlung dann 15-jährigen beschreibt. Dass Sams Familie alles andere als auf der Gewinnerseite steht ist klar: Seine Mutter und sein Vater haben sich getrennt, sein Vater ist alles andere als ein Gewinnertyp mit der verhinderten Sportlerkarriere und in Sam konzentieren sich jetzt die Hoffnungen der Familie, dass er es sich halt nicht verdirbt. Was er allerdings tut als er mit Alicia schläft und irgendwas “halb-passiert”, wenn man das so übersetzen kann.
Soweit hat sich Nick Hornby des Themas der jugendlichen Mütter angenommen, was in England ein sehr aktuelles ist – hierzulande gibts zwar auch immer wieder mal Berichte über Mütter mit 16 oder noch jünger, aber in England ist das Problem weitaus größer. Dass ein Baby nun nicht unbedingt die Lösung aller Probleme ist – im Gegenteil – zeigt Hornby ja auch.
Darüberhinaus aber gibt es mit den Szenen, in denen Sam in die Zukunft “gewhizzt” wird auch das Element des Phantastischen in diesem Roman. Des warhaftigen phantastischem, denn schließlich brechen diese Szenen unvorbereitet über den Leser herein. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Hornby mit dem Phantastischem spielt – man denke nur an die Geschichte mit dem Videorecorder in der Kurzgeschichtensammlung von Penguin von ihm. Und genauso könnte man auch diese Szenen beschreiben: Als spielerhafte Herangehensweise an den allbekannten Topos, dass ein Mann auf einmal in einer anderen Zeit erwacht.
Der Roman ist ein typischer Hornby: Sympathische Figuren, eine Handlung, die einerseits witzig, andererseits ernst ist und während mir “How to be good” und “A Long Way Down” nicht unbedingt gefallen haben, dieser Roman hat es.
Was Nick Hornby selbst zum Roman sagt – voila:
25. Juli 2008 at 4:00
Hornby hat das definitive Buch über das Fansein geschrieben, von daher hat er sowieso einen Platz in meinem Herzen. Gut, es ist ein Fanbuch über Fußball, aber man kann ja nicht alles haben…
24. Juli 2008 at 8:21
Hatte noch gar nichts von dem Buch mitbekommen. Da mir “about a boy” aber verdammt gut und “high fidelity” ziemlich gut gefallen haben, werd ich das wohl auch irgendwann anlesen.