Während “Ich gestehe alles” definitiv beweist, dass Simmel heutzutage einfach nicht mehr glaubhaft ist – dass sich also die Gesellschaft durchaus so stark gewandelt hat, dass allenfalls der Kaviar-Roman noch lesbar ist, vielleicht noch einige Kurzgeschichten, ansonsten aber seine durchaus kritischen Unterhaltungsromane nun gar nicht mehr in diese Zeit passen, da die Probleme heutzutage andere sind – schwankt die Qualität bei Konsalik von Band zu Band. (Simmel erzählt übrigens die Geschichte eines Hollywood-Drehbuchautors, der erfährt dass er nur noch knapp ein Jahr zu leben hat und demzufolge nichts dabei findet, eine Bank zu betrügen, zu morden und sich am Ende doch noch um den unerwartet auftauchenden “Sohn” zu kümmern, den ihm seine Geliebte hinterlassen hat. Vollkommener Schmarrn vom Plot her – ich kritisiere ja auch nicht den Stil, aber Simmels Themen sind halt überholt.) Dass bei den über 100 Romanen von Konsalik nun so mancher Mist dabei ist, sollte einen nicht wundern. Dass ich aber andererseits auch schon Romane von ihm ausdrücklich gelobt habe, könnte man im alten Blog nachlesen – wenn das denn noch online wäre, was es zur Zeit nicht ist und irgendwann muss ich mal schauen ob ich die alten Einträge importiere, habe aber momentan nicht die Lust dazu.
Dann handeln wir doch mal kurz ab, was ich von meinem BC-Stapel abgetragen habe – ein Paket mit Konsaliks liegt hier noch rum und wenn ich am Samstag bei Rabenaas vorbeischaue werde ich sicherlich noch mit einigen Romanen “gesegnet”. Dieser Running-Gag läuft jetzt schon seit zwei Jahren…

Der Jade-Pavillion – Chinese aus guter Familie verliebt sich in die Tochter eines armen Lehrers und gerät am Ende in die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Nun ja, wenn Konsalik schon das Ende am Anfang verrät ist die Spannung natürlich weg – allenfalls der sehr naive Leser kann nicht erraten, wer da am Anfang auftritt. Ein Hauch von Mystik kommt dazu wenn der titelgebende Jade-Pavillion offenbar doch seltsame Kräfte besitzt, die aber nur zweimal kurz erwähnt werden. Und wie immer gibts die Bitch vom Dienst ebenso wie die Unschuld vom Lande. Diesmal buchstäblich, hüstel… Immerhin scheint Konsalik doch recherchiert zu haben.

Die Rollbahn – Das Schicksal einer deutschen Einheit in Russland. Damit ist wohl alles geschrieben, denn wenn man Konsalik kennt wird man wissen, dass seine Russland-Romane schon zu den Besseren zählen. (Der Autor muss eine Menge erlebt haben während seiner Zeit dort.) Es gibt also keinen Hurra-Patriotismus und kein “Unsere Jungs waren aber toll damals”-Gesabber. Konsaliks Haltung ist die eines aufrechten Demokraten, der zwar eine gewisse Sympathie für den einfachen Soldaten nicht verleugnet, der aber immer wieder dezidiert aufzeigt wie unmenschlich und elend Krieg sein kann. An den “Arzt von Stalingrad” kommt “Die Rollbahn” zwar nicht heran, aber immer noch einer der besseren Romane von ihm.

Geliebte Korsarin – Belangloses modernes Piratenabenteuer.

Die Bank im Park / Das einsame Herz – Zwei “historische” Novellen, wobei die erste durchaus auf historische Begebenheiten zurückgeht wie Konsalik uns selbst belehrt. Wenn aber Historieletztendlich nur Staffage ist, dann hat man eine beliebig angelegte, belanglose Geschichte. Kann man getrost im Regal lassen.

Und wenn ich heute noch dazu komme schreibe ich noch detaillierte Rezensionen dazu bei Bookcrossing. Momentan habe ich von Konsalik noch “Operation Delphin” in Bearbeitung. Kein Wunder, dass ich unbedingt anderen Lesestoff brauche – na ja, der Vorteil bei den Dingern: Denken muss man nicht unbedingt beim Lesen…