Da hat Derjenige ja noch Glück gehabt – offenbar hat Amazon die DVDs, die man mir geschenkt hat just aus dem Programm genommen. Jedenfalls finde ich die Dinger nicht mehr, obwohl sie auf meinem Wunschzettel standen. Seltsam.
Was mich ein wenig beunruhigt ist die Angabe, dass bei dieser Verfilmung von 1955 “textual alterations” von Statten gingen. (Laut der englischen Wikipedia, die deutsche kann man bei sowas echt vergessen, hat man die letzte Szene von Henry VI, Part III dazugenommen und einige andere Dinge gekürzt. Und ich wunderte mich schon, dass der Film nicht mit dem Prolog von Richard beginnt…) Laurence Olivier als Richard III. ist jedenfalls ein Erlebnis – und da anders als beim “Hamlet” von ihm die englische Tonspur vorhanden ist, kann ich das mit Fug und Recht auch schreiben. Die Verfilmung selbst hat mich zwiespältig hinterlassen – einerseits bewundere ich durchaus die Meisterschaft mit der zwischen den einzelnen Szenen gewechselt wird genauso wie das Spiel mit den Schatten, ebenso die sehr schöne Idee dass Richard sich direkt an den Zuschauer wendet bei seinen Monologen und es gibt einige Einfälle, die durchaus hybsch sind – andererseits krankt die Verfilmung dann wiederum daran, dass es erstens einen furchtbaren Soundtrack gibt, der mich als musikalischen Menschen einfach irritiert und stört – nichts gegen Bühnenmusik, aber das was da erklingt ist typische Hollywood-Film-Soße ohne einen Funken von Inspiration… Zweitens ist das letzte Drittel des Films einfach zu lang – die Schlacht hätte man durchaus kürzen können, denn allzu inspiriert ist die nicht. Mehr als ein dumpfes “Wir schlagen dann mal aufeinander ein” ist da nicht zu sehen. Die Geisterszene vorher ist allerdings recht wirkungsvoll – falls jetzt jemand Querverweise ziehen möchte, der überlege sich mal wo er “Tomorrow in the battle think of me” schon mal anders gelesen hat. (Wenn ich das auf deutsch aufschreiben würde, wäre das zu einfach…)
Alles in allem dann doch eine respektable Verfilmung, aber mit Schwächen – wenngleich man im Kopf haben sollte, dass das Ganze 1955 verfilmt wurde, vielleicht ist da einfach auch der heutige Geschmack mehr als anders…
Na sowas – Marlon Brando als Markus Antonius? Sachen gibts… Ich hab bisher nur die ersten fünfzehn Minuten gesehen – diese doppelt wegen der Synchro und ich gebe zu, es ist verdammt schwer Shakespeare-Verfilmungen auf deutsch lippensynchron zu machen aber dennoch bevorzuge ich das Original. Dass ich übrigens durchaus verstehe, so ist es ja nicht. (Gut, ich hätte Probleme die Stücke in Form der Portfolios zu lesen, aber seien wir ehrlich: Wer versteht heutzutage noch Walther von der Vogelweide im Original? Ebend.)
Immerhin: Der Film war für etliche Oscars nominiert und hat sogar einen gewonnen – für Brando übrigens die dritte Oscar-Nominierung in Folge, wenn er auch leer ausging damals. Und Rozsa zeichnete für den Soundtrack verantwortlich. Ich bin gespannt, was ich bisher gehört habe war aber erfreulich. Noch erfreulicher ist natürlich, wenn man im Netz direkt auf die Kritik der NYT von 1953 zugreifen kann. Der Kritiker damals ergötzte sich übrigens an dem wunderbaren Sound und vermerkte, wo man im Kino am Besten den Film genießen konnte – wie sich die Zeiten ändern:
The wide screen upon which the picture is projected twice a day at the Booth enhances somewhat its scenic grandeur, but exaggerates the size of its close views. Pan shots are blurred in many instances, and some slight distortion does occur for those who happen to be seated forward of the middle of the house. The stereophonic sound is an improvement, especially for a short symphonic film wherein the Metro-Goldwyn-Mayer symphonic orchestra plays Tchaikowsky’s “Capriecio Italien.” This comes as a suitable introduction to a stirring and memorable film.
Jetzt frage ich mich natürlich, was damals wohl als Vorfilm gezeigt worden sein mag…
