Ich stelle mir vor, wie enspannt das gewesen wäre, wenn alles heute geklappt hätte: Kurz nach 20:00 Uhr in Bonn gewesen, locker bis zum Interview-Termin das Kult41 gesucht. Band-Interview gemacht. Konzert gesehen. Glücklich lächelnd jetzt ein Posting über das Lichter-Konzert in Bonn geschrieben.

Stattdessen: Erzähle, oh Muse, die Leiden desjenigen, der
mit der Bahn unterwegs das Schicksal herausforderte, Prospi.

Meine Schuld war es wirklich nicht. Kurz vor Sieben war ich auf dem HBF in Duisburg. Als ich das Gleis hochfuhr sah ich schon, dass es heute eventuell später werden könnte. Denn: Der Zug, der mich eigentlich Richtung Bonn fahren sollte war nicht angeschlagen. Sondern der Zug vorher. Verspätungsmeldung: 20 Minuten…
Der Grund: Die Bahn ist so dämlich, dass sie nicht verhindern kann dass spielende Kinder ihre Gleise entern. Irgendwo in Wattenscheid. Dadurch hatten ALLE Züge Verspätung, die aus der Richtung kamen und Richtung Bonn unterwegs waren. ALLE. Sogar die S-Bahn hat das Gleis gewechselt, was mir aber nichts half, die fuhr nur bis Düsseldorf.
Zähneknirschend also runter vom Gleis, zum Automaten, anderes Ticket gelöst – das teurere, dabei hatte ich eigentlich NICHT vor die Radiokasse so zu belasten, aber ich rechnete mir aus: Wenn der nächste Zug erst um Zwanzig Nach kommt, der ICE aber ebenfalls um die Zeit auf dem Gleis einfährt – welcher Zug ist dann wohl eher weg? Richtig…
Zurück zum Gleis also. In den ICE eingestiegen. Der fuhr eigentlich auch über Köln HBF. Okay, von da nach Bonn zu kommen, Kinderspiel. Sollte ja noch machbar sein. Gut, zehn Minuten später eventuell, aber das geht ja noch. Kann man ja entschuldigen.

Ratet, was passierte: Richtig. Der ICE fuhr NICHT über Köln HBF. Endstelle war für ihn der Flughafen Köln/Bonn! Jetzt hätte ich sicherlich noch nach langem Nachfragen einen Zug in Richtung BONN von da aus finden können, befand mich aber auf Gleis 1 und 2 und der Fahrplan zeigte KEINEN ZUG RICHTUNG BONN VON DA AUS AN. Was blieb mir also anderes übrig als den Zug zurück zum Kölner HBF zu nehmen? Nichts. Genau.
Selbst jetzt wäre noch alles irgendwie im Rahmen gewesen. Doch als ich den RB48 – meine ich – Richtung Bonn bestieg – die U-Bahn braucht eine Stunde, ne – setzte sich dieser erst etliche Minuten später in Bewegung. Fuhr dann auch über Dörfer, die ich nicht kannte. Dann drang die liebliche Stimme des Zugführers aus den Lautsprechern: “Aufgrund von Bauarbeiten hat dieser Zug momentan 15 Minuten Verspätung…” Ende vom Lied: Ich trudelte NICHT um 20:30 bei Lichter zum Interview ein. Ich trudelte EINE STUNDE SPÄTER AM BONNER HBF EIN!!!!!

Dass ich dann den nächsten Zug zurück nach Duisburg nahm – mal zum Vergleich: Knapp 55 Minuten Hinfahrt gegenüber – hmm, eine, zwei, zweieinhalb – ZWEIEINHALB STUNDEN HINFAHRT machten DIE Entscheidung nun nicht schwierig kann man mir kaum verdenken.

Und jetzt möchte ich gerne wissen: Kann ich die Bahn irgendwie belangen? Spielende Kinder sind keine höhere Gewalt meines Wissens… Wenn nicht, kann ich wenigstens der Bahn einen geharnischten Brief schreiben? Was bildet sich die eigentlich ein?
Der einzige Pluspunkt: Ich habe endlich den Roman durchgelesen bekommen, den ich seit Tagen auf den Nachttisch liegen habe. Nein, das wiegt die ANDEREN MINUSPUNKTE NICHT AUF!!! AAAAAHHHHHHHH!